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L. v. Beethoven
(1770-1827)

Streichquartett a-Moll op. 132

Assai sostenuto. Allegro
Allegro ma non tanto
Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart: Molto adagio; Neue Kraft fühlend: Andante
Alla marcia, assai vivace
Allegro appassionato

Op.132 aus dem Jahr 1825 gehört zu den fünf (mit der Großen Fuge sechs) berühmten ‘Späten Quartetten’, über deren Einzigartigkeit viel zu sagen ist, z. B. dass spätestens seit diesen Quartetten sich professionelle Streichquartette etablieren mussten; für Amateure sind sie unspielbar. Thomas Mann lässt im ‚Doktor Faustus’ seinen Helden Adrian Leverkühn über op. 132 sagen (cap. XX): „Im Grunde muss jeder der viere ein Paganini sein und dabei nicht nur den eigenen Part beherrschen, sondern die der drei anderen auch, sonst ist kein Auskommen ... es steht an der Grenze des Spielbaren und war zu seiner Zeit einfach nicht spielbar. Die erbarmungslose Gleichgültigkeit eines Entstiegenen gegen das Irdisch-Technische gehört für mich zum Allerbelustigsten. >Was geht mich Ihre verdammte Geige an!< sagte er zu einem, der sich beklagte.“
Aber auch Gleichgültigkeit gegenüber den Hörgewohnheiten der Zuhörenden; denn Spätstil heißt auch: Weniger Rücksicht nehmen auf das Klanglich-Gefällige, oft die Extreme in der Klanglichkeit suchen, z. B. durch eine Ausweitung des Tonumfangs, durch extrem weit auseinanderliegende Stimmführung, durch Betonung von Kontrasten, heißt auch: den Ausdrucksbereich erweitern und im Kompositionstechnischen neue Wege gehen, teils unter Rückbesinnung auf archaische Elemente wie auf die Kirchentonarten und die polyphone Verarbeitung, teils durch Lockerung formaler Prinzipien.
So ist der Aufbau des gesamten Quartetts, seine Fünfsätzigkeit, ungewöhnlich; denn mit einer auffälligen Beharrlichkeit hatte seit Haydn, also seit rund 60 Jahren, das Streichquartett vier Sätze. Beethoven bricht mit dieser Tradition, in diesem Quartett noch behutsam: Der Kern des Quartetts, das ‚Andante‘, ist umschlossen von je zwei schnellen Sätzen.

Archaisierend ist die kontrapunktisch (kanonisch) durchgeformte langsame Einleitung des Ersten Satzes, die das motivische Material des gesamten Quartetts vorstellt:



Streichquartett op. 132 Satz 1 Einleitung



Neu sind die kühne Harmonik und der innige persönliche Ausdruck. Von der Form her ist der Erste Satz traditionell dreigeteilt: Im ersten Teil werden die Themen vorgestellt: Die Darstellung des Hauptthemas



Streichquartett op. 132 Satz 1 Hauptthema



ist auf verschiedene Instrumente verteilt (durchbrochener Satz); diese Kompositionstechnik wird auch bei dem freundlichen Seitenthema



Streichquartett op. 132 Satz 1 Seitenthema



angewandt. Der kurze Mittelteil beginnt mit einer Erinnerung an die langsame Einleitung. Bei seiner Aufgabe, die vorgestellten Themen zu variieren, ihre einzelnen Motive in neue Zusammenhänge zu setzen, beschränkt er sich auf das Hauptthema.
Im dritten Teil wird der erste wieder aufgegriffen, und das - ungewöhnlicher Weise - gleich zweimal, und beide Male mit wesentlichen Veränderungen.

Der Scherzo-Satz ist gegliedert in die beiden identischen Eckteile und einem Mittelteil. Die Eckteile beginnen mit vier einleitenden Unisono-Takten, denen das zweitaktige, den gesamten Teil beherrschende Hauptmotiv folgt.



Streichquartett op. 132 Satz 1 Satz 2



Der Reiz dieser Eckteile liegt vor allem in den kontrapunktischen Finessen, mit denen das Motiv begleitet wird.
Im ‚Trio‘ erinnert die Begleitung einer zarten Melodie durch ein liegendes ‚a‘ an den Dudelsack (Bordun). Dieser Musette folgt ein heiterer Ländler, der abgebrochen wird durch eine unisono gespielte Erinnerung an das Halbtonmotiv der Einleitung des Ersten Satzes - die Heiterkeit wird abgelöst durch grimmigen Humor - ein jäher Schnitt und harter Kontrast, Kennzeichen des Beethovenschen Spätstils.

Beethoven schrieb den Dritten, den Kernsatz des Quartetts, als er sich von einem schweren Leberleiden genesen glaubte. Er beginnt ihn mit einem choralähnlichen ‚Molto adagio‘; dieses Adagio ist überschrieben - und eine solche Überschrift ist ebenfalls neu in der Geschichte des Streichquartetts -: ,Heiliger Dankgesang eines Genesenen an die Gottheit, in der lydischen Tonart’. Die lydische Tonart statt des traditionellen Dur und Moll führt zusammen mit der durchgehenden Polyphonie in die Richtung, dass die Tonalität aufgehoben wird; das Archaische führt in die Zukunft, in das 20. Jahrhundert. Diesem Choral folgt ein frisches Andante, mit ,Neue Kraft fühlend’ bezeichnet. Beide Teile, ,Dankgesang’ und ,Neue Kraft fühlend’ werden variiert wiederholt, das Adagio mit bewegterer Begleitung, das Andante mit intensiverer Ausschmückung. Beim Abschlussteil, ebenfalls ein ‚Molto Adagio‘, wird aus einer begleitenden Bewegung ein neues Motiv:



op. 132 Satz 3 Adagio 2. Wiederholung



Es wird auf fugierte Art im Nacheinander von allen vier Stimmen vorgestellt und soll »mit innigster Empfindung« gespielt werden. Der gesamte Satz ist also - wie das gesamte Quartett in fünf Sätze – so in fünf Abschnitte eingeteilt: eine strenge Planung im Großen, der eine strenge Planung auch im Detail entspricht.

Nach den gewaltigen inneren und äußeren Ausmaßen des ‚Heiligen Dankgesangs‘ (17/18 Minuten) nun ein sehr kurzer Marsch. Dieser ein wenig gewaltsam muntere Vierte Satz wird durch ein hochdramatisches Rezitativ - man wird an das ‘O Freunde, nicht diese Töne’ der Neunten erinnert - übergeleitet in den Fünften Satz.
Es ist schwer vorstellbar, dass dessen ‘nervös-leidenschaftliches’ Rondo-Thema



Streichquartett op. 132 Satz 5 Rondothema



als Finalthema für die 9. Sinfonie gedacht war, wie überliefert wird. Über dieses Thema, das hier ‚nervös-leidenschaftlich’ genannt wird, denkt Adrian Leverkühn nach: „Es ist nur ärgerlich - wenn du es nicht erfreulich nennen willst -, dass es in der Musik - wenigstens in dieser Musik - Dinge gibt, für die im ganzen Bereich der Sprache beim besten Willen kein wirklich charakterisierendes Beiwort, auch keine Kombination von Beiworten aufzutreiben ist. Ich habe mich dieser Tage damit geplagt, - du findest keine adäquate Bezeichnung für den Geist, die Haltung, die Gebärde dieses Themas. Denn es ist viel Gebärde darin. Tragisch-kühn? Trotzig, emphatisch, das Elanhafte ins Erhabene getrieben? Alles nicht gut. Und ‚herrlich!’ ist natürlich nur eine alberne Kapitulation. Man landet zuletzt bei der sachlichen Vorschrift, dem Namen: Allegro appassionato, das ist noch das Beste.“
Was über ‚Alterswerk’ oben geschrieben wurde, gilt für diesen Fünften Satz in besonderem Maße: zerklüftet, hart gefügt ist diese Musik oft, am extremsten im Zwischenstück zwischen 1. und 2. Wiederholung des Rondothemas; da meint man Musik des 20. Jahrhunderts zu hören. Ähnliches gilt für das fugierte Hinführen zur 3. Wiederholung dieses Themas, das nun in parallelen Oktaven von 1. Violine und Cello in höchste Höhen geführt wird. Zum Abschluss ein Wechsel nach Dur, ein melodiöses Motiv sucht sich zu behaupten:



Streichquartett op. 132 Satz 5 melodiöses Motiv



Doch das gelingt nicht recht, auch wenn es, von 1. Violine und Cello in Oktaven gespielt, sehr eindringlich wirkt.

Juni 2019



Streichquartett op. 131 cis-Moll / Streichquartett op. 133 (Große Fuge)

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