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Grundkurs Latein 1990
Text: Vergil
Zeit: 3 Unterrichtsstunden
Verhältnis Übersetzung – Interpretationsaufgabe 2 : 1

Übersetze so wörtlich wie eben möglich und nur so frei, wie unbedingt nötig!

1 me si fata meis paterentur ducere vitam
2 auspiciis et sponte mea componere curas,
3 urbem Troianam primum dulcisque meorum
4 reliquias colerem, Priami tecta alta manerent,
5 et recidiva manu posuissem Pergama victis.
6 sed nunc Italiam magnam Gryneus Apollo,
7 Italiam Lyciae iussere capessere sortes;
8 hic amor, haec patria est. ...
9 me patris Anchisae, quotiens umentibus umbris
10 nox operit terras, quotiens astra ignea surgunt,
11 admonet in somnis et turbida terret imago;
12 me puer Ascanius capitisque iniuria cari,
13 quem regno Hesperiae fraudo et fatalibus arvis.
14 nunc etiam interpres divum Iove missus ab ipso
15 (testor utrumque caput) celeris mandata per auras
16 detulit: ipse deum manifesto in lumine vidi
17 intrantem muros vocemque his auribus hausi.
18 desine meque tuis incendere teque querelis;
19 Italiam non sponte sequor.»



Erläuterungen
zul/2: meis auspiciis – nach meinem Willen

zu 2: componere curas – Angelegenheiten ordnen

zu 4: reliquiae – Überbleibsel, Reste, auch: Gebeine, Asche; ‚manere‘ hier: bestehen bleiben (weil
Aeneas sie wieder aufbauen würde)

zu 5: recidivus – neu entstehend; Pergama,orum – Pergama (die Burg von Troja); ponere, o hier: errichten

zu 6: Gryneus Apollo – Apoll von Grynia (die Stadt Grynia liegt südlich von Troia)

zu 7: Lyciae sortes – das Orakel von Lykien; capessere – ergreifen, aufsuchen; iussere capessere ist gemeinsames Prädikat zu Apollo und sortes

zu 9: Anchisae Gen. zu Anchises; quotiens – sooft; umens,umentis – feucht

zu 11: turbidus – zornig

zu 12: capitis hier = filii; Prädikat zu ‚puer‘ und ‚iniuria‘: admonet et terret;

zu 13: fraudare mit Abl. – betrügen um; Hesperia – Abendland, Italien; fatalis,e – vom Schicksal bestimmt; arvum – Ackerland, Gefilde, Gegend;

zu 14:‚interpres divum’: Götterbote; Iove: zwei kurze Silben

zu 15: ‚utrumque caput‘: bei deinem und meinem Haupt

zu 16: manifestus – deutlich

zu 17: vocem haurire (haurio, hausi) – die Stimme vernehmen, hören

zu 18: -que ... –que = et... et; incendere hier: quälen



Übersetzung:
Wenn das Schicksal zuließe, dass ich nach meinem Willen mein Leben führe und aus freiem Willen/nach meiner Entscheidung meine Angelegenheiten ordne/gestalte, würde ich zuerst die Stadt Troia und die teuren/lieben Gebeine (Überreste/Erinnerungen?) der Meinen pflegen (sorge tragen für), das hohe Haus des Priamus bliebe (bestehen) und ich hätte mit meiner Hand das neu entstehende (wiedererstehende) Pergama für die Besiegten errichtet.
Aber nun haben (hat) Apoll von Grynia, haben (hat) das Orakel von Lykien befohlen, das große Italien aufzusuchen.
Hier ist meine Liebe, dieses mein Vaterland. ...
Sooft die Nacht mit feuchten Schatten die Erde bedeckt, sooft die glänzenden/schimmernden Sterne aufgehen, mahnt mich im Schlaf/im Traum und erschreckt das zornige Bild des Vaters Anchises; mich mahnt und erschreckt der Knabe Ascanius und das Unrecht an dem geliebten Sohn, den ich um die Herrschaft Hesperiens betrüge und um das vom Schicksal bestimmte/verheißene Land.
Nun hat sogar der Götterbote, von Juppiter selbst geschickt – ich schwöre es bei deinem und meinem Haupt -, den Auftrag durch die schnellen Lüfte herabgetragen. Ich selbst habe den Gott gesehen in deutlichem Licht, wie er die Mauern/die Stadt betrat, und mit diesen/eigenen Ohren habe ich die Stimme vernommen.
Lass ab, mich und dich mit deinen Klagen zu quälen. Ich suche nicht aus freien Stücken Italien auf.

Interpretationsaufgaben
I: Skandieren Sie die Verse 12 – 17, indem Sie auf dem vorliegenden Blatt über den betonten Längen (Taktanfang; im Deutschen: Hebungen) Akzente setzen! Es muss deutlich werden, welche Silbe gemeint ist. Elisionen müssen durch Bögen gekennzeichnet werden!

II. Ordnen Sie die vorgelegte Textstelle in den Zusammenhang des 4. Buchs der Aeneis ein!
(Wer spricht wie zu wem in welcher Situation mit welcher Absicht?)

III. Welches ist der Auftrag des Fatums
a) an Aeneas?
b) für das römische Volk?

IV. Ascanius wird auch Julus. genannt. Im Blick auf welche historische Situation geschieht dies?

V Welche Funktion hat Juno, bezogen auf den Auftrag den Fatums?

VI. Erörtern Sie das Tragische der Schuld des Aeneas (‚tragisch‘ bedeutet hier: man macht sich in jedem Fall und notwendig schuldig, ganz gleich, wie man sich entscheidet.)!
Belegen Sie Ihre Erörterung durch Stellen aus dem vorgelegten Text und – wenn nötig – durch weitere Hinweise aus der Aeneis!


Interpretationsaufgaben – Skizze der Lösungen
zu II.
Anchises (im Traum) und Hermes haben Aeneas an sein Fatum gemahnt, Karthago zu verlassen und nach Italien zu segeln. Dido stellt Aeneas zur Rede und Aeneas versucht sich zu rechtfertigen.

zu III.
a)
Er soll Rom gründen und den Grund legen für das römische Imperium.

b)
Es soll das römische Imperium schaffen und alle Völker befrieden.

zu IV.
Augustus ist Adoptivsohn von G. Julius Cäsar (Geschlecht der Julier); Julus gilt als Stammvater des Geschlechts der Julier. Es führt also eine kontinuierliche Linie von Julus zu Augustus, dem Vollender dessen, was das Fatum für Aeneas und Julus bestimmt hat.

zu V.
Juno möchte dem vom Fatum bestimmten Lauf der Geschichte entgegenwirken; sie möchte die Gründung Roms verhindern, weil sie auf Seiten Karthagos steht, Gegnerin der Venus und darum Feindin der Trojaner ist.
Aber sie kann den Lauf des Schicksals nicht aufhalten, sondern nur verzögern; so hilft sie - selbst dem Fatum unterworfen -, dass der Mensch durch das Leid, das sie verursacht hat, reifer wird.

zu VI.
Aeneas fühlt sich völlig bestimmt durch die ‚fata‘, die ihm durch Hermes von Zeus auferlegt sind; sie lassen nicht zu, dass er sein Leben nach seinem Willen (non sponte) gestaltet; sie fordern – iusserer –, dass er nach Italien geht und für den Sohn die Herrschaft über Italien bereitet. So macht er sich schuldig, wenn er Dido verlässt, ohne dass es sein Wille ist; und er würde sich schuldig machen gegenüber dem Fatum, wenn er diesem nicht folgen würde; er steht in einem Konflikt zwischen Liebe und Vaterland: hic amor, haec patria est;



Weitere Aufgaben (G. Clemens 1988)

Erläutern Sie den Begriff 'fatum' (Z.1)!
'fatum' = PPP zu 'fari' (sprechen) = "das Ausgesagte" Vergil verwendet das der sakralen Sphäre zugehörige Wort in Beziehung auf Jupiter: fatum = imperium Iovis, der Spruch der Gottheit, dem der Mensch Folge leisten kann und soll.

Welche Gesichtspunkte sind für die Entscheidung des Aeneas, Dido zu verlassen, ausschlaggebend?
Aeneas führt folgende Argumente an, um Dido von der Notwendigkeit seiner Abreise zu überzeugen: er verweist auf die Götter (V. 6; V. 14-16;) auf das Schicksal (V. 7; V. 13) auf die Mahnungen seines Vaters (V. 9 - 11) und auf die Interessen seines Sohnes V. 12-13).

Welches Argument hebt Aeneas zweimal hervor? Begründen Sie!
Der Verweis auf die Götter (und das Fatum) begegnet zweimal: am Anfang (V.6, Apoll; V.7 Lyciae sortes) und am Ende (V. 13: fatalibus arvis; V. 14 – 16: Merkur in Jupiters Auftrag). Die Dringlichkeit der göttlichen Mahnung wird am Schluss noch hervorgehoben durch den Versbeginn „nunc etiam...“ (V.14) gegenüber den einleitenden Worten ''sed nunc ... "(V.6).
Mit diesem zweimaligen Hinweis will Aeneas Dido seine ihm zugewiesene Bestimmung nachdrücklich verdeutlichen und damit (durch den Aufweis seiner Fremdbestimmung) den Vorwurf persönlichen Fehlverhaltens zurückweisen.

Nennen Sie die Stilfiguren in V.6/7, V. 9/12 und V. 9/10 und erläutern Sie deren Funktion für die Aussage!
Mit der Epanalepse (Italiam ... Italiam V.-6/7) betont Aeneas in pathetischer Weise das Ziel seiner Bestimmung und will auch hiermit deutlich machen, dass er nicht in Karthago bleiben kann.
Durch die Anapher (me...me V.9/12) wird der Hinweis auf die Mahnung des Vaters und die Zukunft des Sohnes zusammengehalten.
Die zweite Anapher (quotiens ... quotiens V.9/10) unterstreicht eindringlich die Verpflichtung gegenüber seiner Familie (ein für antike Vorstellungen ein starkes Argument).



Klausur 1,257ff. Leistungskurs / Klausur 6,442ff. Leistungskurs

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