Mann Thomas
Molière
Klausuren, Klassenarbeiten
Zusammenfasssung und Anm. Buch I und II
Textauswahl für den Unterricht erläutert
Vortrag über Thomas Morus und seine 'Utopia'
Alkipiades
Hamilkar
Hannibal
Themistokles
Bilder
Opitz, Martin
Ortheil Hanns-Josef
Ars amatoria
Metamorphosen
Plinius
'Im Westen nicht Neues'
Rodrian
Sallust
Wallenstein
Die Jungfrau von Orleans
Der Verbrecher aus verlorener Ehre
Maria Stuart
Tell
'Der Vorleser'
Rede
'Das siebte Kreuz'
an Lucilius
Über das glückliche Leben
Dramen
Antigone
König Ödipus
Der Schimmelreiter
Lulu von Strauss und Torney
Süßkind
Tibull
Trakl
Aeneis
Eklogen
Martin Walser
Robert Walser
'Das Gold von Caxamalca'
'Frühlingserwachen'
Die Ermittlung
Gedichte
'Parzival'

I, 257-296; (ausgelassen: 266-271)

Die Göttin Juno, den Trojanern feindlich gesinnt, will verhindern, dass die nach der Zerstörung Trojas aus der brennenden Stadt Geretteten unter der Führung des Aeneas in Italien eine neue Heimat finden und ein großes Volk werden. Sie hetzt den Herrscher der Winde auf, die Flotte der Troer zu vernichten. Neptun, der Gott des Meeres verhindert die völlige Vernichtung, so dass sich ein Rest der Flotte an die Küste Libyens retten kann.

Venus beklagt bei Juppiter bitter das harte Schicksal ihres Sohnes Aeneas. Sie beruft sich auf das Versprechen Juppiters, dass die Troer in Italien zum mächtigsten Volk der Erde werden. Angesichts des augenblicklichen Schicksals der Troer fragt sie ironisch: „Ist dies der Frömmigkeit Dank“. Juppiter küsst seine Tochter und antwortet lächelnd:



1 «Parce metu, Cytherea, manent immota tuorum
2 fata tibi; cernes urbem et promissa Lavini
3 moenia, sublimemque feres ad sidera caeli
4 magnanimum Aenean; neque me sententia vertit.
5 Hic tibi (fabor enim, quando haec te cura remordet,
6 longius et volvens fatorum arcana movebo)
7 bellum ingens geret Italia populosque ferocis
8 contundet moresque viris et moenia ponet.
...




9 Hic iam ter centum totos regnabitur annos
10 gente sub Hectorea, donec regina sacerdos
11 Marte gravis geminam partu dabit Ilia prolem.








12 Inde lupae fulvo nutricis tegmine laetus
13 Romulus excipiet gentem et Mavortia condet
14 moenia Romanosque suo de nomine dicet.
15 His ego nec metas rerum nec tempora pono:
16 imperium sine fine dedi. Quin aspera Iuno,
17 quae mare nunc terrasque metu caelumque fatigat,
18 consilia in melius referet, mecumque fovebit
19 Romanos, rerum dominos gentemque togatam.





20 Sic placitum. veniet lustris labentibus aetas
21 cum domus Assaraci Pthiam clarasque Mycenas
22 servitio premet ac victis dominabitur Argis.
23 Nascetur pulchra Troianus origine Caesar,
24 imperium Oceano, famam qui terminet astris,
25 Iulius, a magno demissum nomen Iulo.
26 Hunc tu olim caelo spoliis Orientis onustum
27 accipies secura; vocabitur hic quoque votis.
28 Aspera tum positis mitescent saecula bellis:
29 cana Fides et Vesta, Remo cum fratre Quirinus
30 iura dabunt; dirae ferro et compagibus artis
31 claudentur Belli portae; Furor impius intus
32 saeva sedens super arma et centum vinctus aënis
33 post tergum nodis fremet horridus ore cruento.»
parcere mit Dativ hier: ablassen von; metu = metui;
Cytherea: einer der Kultnamen der Venus, abgeleitet
von der Insel Cythera, wo sie nach ihrer Meergeburt
gelandet sein soll; inmota: prädikativ; ‚tuorum’:
substantiviert; Lavinium Genitiv: Lavini: Stadt in
Latium; sublimis, e hoch(ragend), empor(ragend)
hier: prädikativ; fari, for, fatus sum - sprechen,
sagen, weissagen; quando hier: da ja; longius
volvere - weiter aufrollen (Vergil hat das Bild einer
Buchrolle vor Augen); 'arcana' ist Objekt zu
'volvens' und zu movebo; arcana movere - das
Verborgene enthüllen

Hic: hinter V 8 sind einige.Verse ausgelassen, in
denen erzählt wird, dass nach Aeneas dessen Sohn
herrscht, der Alba Longa gründet. Das 'Hic' bezieht
sich also auf Alba Longa;‘ iam‘ hier: ferner, dann;
regnatur - man herrscht, die Herrschaft besteht
Hectoreus = Troianus (Das Volk wird nach seinem
größten Helden benannt.); regina hier.- königlich
gravis‘, e hier: schwanger; proles gemina doppelte
Nachkommenschaft, Zwillingspaar; partu dare
gebären; Ilia - Rhea Silvia

fulvum tegmen (inis n.) - das graugelbe Fell (als
Bekleidung); nutrix, cis f. - Ernährerin, Amme,
am besten hier adjektivisch als Attribut zu lupae
zu übersetzen: säugend, nährend; excipere hier:
weiterführen; Mavortius: Mars-, zu Mars gehörig
meta - Ziel, Grenze (im Raum); res, rerum hier:
Herrschaft, 'rerum' ist sowohl auf 'metas' als auch
auf 'tempora' zu beziehen; Quin - ja, sogar
in melius referre - zum Besseren wenden; res, rerum
hier: Welt; togatus: mit der Toga bekleidet (Die
Toga ist das römische Nationalkleid und zugleich
das Friedenskleid.)

placitus - festgesetzt; lustrum – Zeitraum von fünf
Jahren, übersetze ‚lustra‘ mit 'Jahre‘; ‚cum‘ hier:
wo, in der (statt qua); Assaracus: Urahn des Aeneas;
Phthia: Stadt und Land Achills in Thessalien;
Mycenae, arum: Mykene, Stadt des Agamemnon in
der Landschaft Argolis; servitio premere - knechten,
unterjochen; Argi, orum -Argos, Hauptstadt der
Landschaft Argolis auf dem Peleponnes; Caesar:
gemeint ist Caesar Augustus; ordne: qui imperium
Oceano, famam astris terminet; nomen demittere
einen Namen ableiten; ‚I-ulo’ ist dreisilbig, Iulus =
Ascanius, Sohn des Aeneas, Ahnherr des Julischen
Geschlechts; ‚onustum‘ hier: prädikativ; ‚secura
hier: prädikativ; ‚ponere‘ hier: zur Ruhe bringen,
beenden; canus - altehrwürdig; Quirinus: Name des
Romulus; ‚iura’ hier: Gesetze; ferro et compagibus
artis - mit festen Riegeln aus Eisen; ‚horridus‘ hier:
prädikativ


Quelle: Oxford-Ausgabe

Die Verse 265-271 (Herrschaft des Ascanius, Gründung von Alba Longa) wurden ausgelassen, da die gesamte Rede Juppiters die geforderte Wortzahl übersteigt und die Verse 265-272 im Hinblick auf eine Interpretation der Rede am ehesten fehlen können.

Die Interpunktion wurde leicht verändert, Großschreibung am Satzanfang berücksichtigt.

Anzahl der Wörter: 213

Übersetzung
(Zum Stil der Übersetzung: Die Schüler sind gewohnt, in Zweifelsfällen eher näher am Text als zu frei zu übersetzen; so sollten die Schüler zur größtmöglichen Genauigkeit bei der Analyse lateinischer Texte erzogen werden.)

Lass ab von der Furcht, Cytherea! Das Geschick der Deinen bleibt dir unverändert; du wirst sehen die Stadt und die verheißenen Mauern Laviniums, und hoch zu den Sternen des Himmels empor wirst du den hochgesinnten Aeneas tragen; und kein Wünschen hat meinen Sinn geändert. Dieser wird für dich - fürwahr ich weissage es dir, weil ja diese Sorge dich ständig quält, und, es weiter aufrollend, werde ich das Verborgene des Schicksals enthüllen - einen ungeheuren Krieg in Italien führen und wilde Völker zermalmen und den Männern Gesetze und Mauern errichten. ... Hier besteht dann dreimal hundert volle Jahre die Herrschaft unter Hectors Geschlecht, bis dass die königliche Priesterin Ilia, von Mars schwanger, ein Zwillingspaar hervorbringt. Dann wird Romulus, stolz im graugelben Fell der säugenden Wölfin, das Geschlecht weiterführen und die Mauern des Mars errichten und die Römer nach seinem Namen benennen. Diesen setze ich nicht Grenzen noch Zeit ihrer Herrschaft, ein Reich ohne Ende habe ich ihnen gegeben. Sogar die erbitterte Iuno, die jetzt Meer und Erde und den Himmel mit Angst quält, wird ihren Sinn zum Besseren wenden und mit mir die Römer schützen, die Herren der Welt und das Volk in der Toga. So ist es festgesetzt. Die Jahre vergehen, und es wird kommen die Zeit, in der das Haus des Assaracus Phthia und das berühmte Mykene unterjocht und herrscht im besiegten Argos. Entstehen wird aus erhabenem Ursprung der trojanische Caesar, der die Herrschaft durch den Ozean, den Ruhm durch die Sterne begrenzen wird, Julius, ein Name, der vom großen Julus sich herleitet. Diesen wirst du einst, beladen mit der Beute aus Osten, im Himmel glücklich empfangen, auch dieser wird unter Gelübden angerufen werden. Dann, wenn die Kriege beendet sind, werden die rauhen Jahrhunderte mild werden; die altehrwürdige Fides und Vesta und Quirinus mit seinem Bruder Remus werden Gesetze geben; die schrecklichen Pforten des Krieges werden mit festen Riegeln aus Eisen geschlossen; im Innern die ruchlose Furie, hockend auf wütenden Waffen, auf dem Rücken gefesselt mit hundert ehernen Knoten, beult grässlich mit bluttriefendem Maul.

Zusatzaufgaben

Verhältnis Übersetzung - Zusatzaufgaben: 2:1

I.
a) Schreiben Sie die Verse 1, 6 und 18 ab und skandieren Sie sie, indem Sie über die betonten Längen (Versfußbeginn; im Deutschen: Hebungen) Akzente setzen (Es muss deutlich werden, welche Silbe gemeint ist.),

b) Schreiben Sie hinter jeden oder unter jeden Vers, wieviel Daktylen und wieviel Spondeen in den ersten fünf Versfüßen vorkommen!

c) Machen Sie durch einen senkrechten Strich deutlich, wo eine Zäsur vorliegt, und schreiben Sie über den Strich, um welche Zäsur es sich handelt: T, P, H

II.
Analysieren und interpretieren Sie die Klangwirkung der Verse 32 und 33!

III.
Stellen Sie dar, wie Vergil Juppiter und Fatum einander zuordnet, und belegen Sie das Ergebnis mit Hilfe des vorliegenden Textes!

IV.
Charakterisieren Sie Aeneas in seiner Beziehung zum Fatum!

V.
Formulieren Sie den Unterschied zwischen dem Menschenbild Vergils und dem Senecas!

VI.
a) Zeigen Sie am vorliegenden Text auf, wie Vergil Juno sieht;

b) Erläutern Sie aus der Mythologie, wie Juno dazu kommt, sich gegen Aeneas zu stellen;

c) Erörtern Sie die Funktion Junos innerhalb der Vorstellung, die Vergil vom Fatum hat!

VII.
Interpretieren Sie den Text im Hinblick auf das, was man römischen Imperialismus nennen könnte, und im Hinblick auf die Rechtfertigung dieses Imperialismus durch Vergil (Achten Sie bei Ihrer Interpretation auch auf die symbolische Bedeutung des 'spoliis orientis onustum' (V 26))!

VIII.
Stellen Sie dar, in welcher Weise Sallust und Tacitus die römische Friedensidee in Frage stellen!

IX.
Suchen Sie Entsprechungen zwischen dem vorliegenden Text und der vierten Ekloge Vergils!

(Vom Dezernenten wurden Aufg. V. und VIII. gestrichen.)



Erwartungshorizont für die Zusatzaufgaben

zu I.
Die Besonderheiten des Hexameters sind im wesentlichen bekannt. Bei der Prosodie beschränkt sich die Kenntnis der Schüler auf die wichtigsten Regeln für die Endungen und auf das Problem der Positionslänge; Naturlängen können im Wörterbuch nachgesehen werden. Mit dieser Kenntnis müssten die drei Verse korrekt skandiert werden können.

zu II.
siehe Lösung der entsprechenden Grundkurs-Klausur

zu III.
siehe Lösung der entsprechenden Grundkurs-Klausur
zusätzlich ein Hinweis auf den etymologischen Zusammenhang von ‚fabor und ‚fatorum‘ (V. 5f.) und die Interpretation von Juppiters Sprechen als das Geschehen des Schicksals

zu IV.
siehe Lösung der entsprechenden Grundkurs-Klausur

zu V.
Aus dem Vergleich könnte sich eine kritische Stellungnahme zu Senecas Philosophie ergeben. Herausgearbeitet werden soll das Menschen- und Weltabgewandte bei Seneca, der Rückzug aus der Außenwelt in die Innerlichkeit, das mehr passive Erdulden von Schicksalsschlägen, die Verachtung des Leidenschaftlichen, das Sich-Abschirmen vom Leid, während bei Vergil trotz Ähnlichkeiten die Akzente stark verschoben sind: Aeneas als Repräsentant des Menschlichen bei Vergil ist der Welt zugewandt, gestaltet sie, formt sie um, wirkt hinein in die Geschichte, macht sozusagen Geschichte, anerkennt zwar das Schicksal, aber er sieht in ihm mehr das Positive, bei dem er aktiv mitwirkt (Der Auftrag des Fatums und das, wozu er sich im Innern berufen fühlt, sind identisch.); Schicksal ist für ihn nicht das Negative, vor dem man sich beugen muss. Aeneas ist auch groß wegen seiner großen Leidenschaftlichkeit; er wendet sich den Menschen zu, hängt sich an sie, selbst bei Gefahr des Scheiterns, und er versucht nicht, dem Leid zu begegnen, indem er der Welt und allem, was Leid bringen könnte, auch den Menschen, 'stirbt', sondern indem er sich dem, was Leid bringen könnte, öffnet, das Leid annimmt und durchlebt und durchsteht. (= Vorschlag II, Seneca; Aufgabe VIII)

zu VI.
siehe Aufgabe V der entsprechenden Grundkurs-Klausur

zu VII.
Vergil spricht davon, dass Aeneas wilde Völker zermalmen wird (V. 7/8), dass die Römer die Herren der Welt sein werden (V 15f.,19), dass Griechenland unterjocht wird, dass Augustus mit der Beute aus dem Orient beladen sein wird. Die Rechtfertigung durch Vergil ergibt sich durch den Vers ‚moresque viris et moenia ponet‘ (V 8) und durch das 'Fides ... iura dabunt' (V 29f.); auch das 'gentemque togatam' (V 19) weist in diese Richtung.

Fortsetzung siehe Aufgabe VI der entsprechenden Grundkursklausur

zu VIII.
Sallust und Tacitus (‚saeva pax’)stehen der römischen Friedensidee skeptisch gegenüber; zumindest lassen sie die Unterworfenen den Standpunkt vortragen, dass es Machtgier und Habgier der Römer sei, die zur Eroberung fremder Völker und zu deren Unterdrückung und Ausbeutung führen.

zu IX.
siehe Aufgabe VII der entsprechenden Grundkurs-Klausur



Hinweise bei der Vorbereitung:
Die Dichter schränken den Gebrauch des lokalen Ablativs nicht wie bei der Prosa auf bestimmte Fälle, also nicht nur bei Städten und kleineren Inseln: Iliacis campis – auf den troischen Feldern; Graecia – in Griechenland
Präpositionen werden zuweilen nachgestellt: maria circum omnia



Klausur 1,257ff. Grundkurs / Klausur 4,340ff.

HaftungsausschlussImpressum