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Ankündigung
Auch bei nüchterner Einschätzung wird man Schuberts Quintett als das großartigste Kammermusikwerk der Romantik, ja als eines der größten Werke der Kammermusik überhaupt bezeichnen können. Der Musikwissenschaftler A. Würz schreibt: „Man weiß nicht, was man mehr an dieser Schöpfung bewundern soll: die Fülle kostbarer melodischer Einfälle, die Ausdrucksgewalt der reichen, oft kühnen Harmonik, den überwältigenden Klangzauber oder - und das wird das Wichtigste bleiben - die beseelte Redekraft dieser Musik, die ergreifende Intensität der seelischen Aussage.“ Zwei Monate vor seinem Tod - die Entstehung des Quintetts wird in die Monate August bis September 1828 datiert - hat Schubert seine Vollendung erreicht.

F. Schubert
(1797-1828)

Quintett für 2 Violinen, Viola und 2 Violoncelli C-Dur op. 163

Allegro ma non troppo
Adagio
Scherzo: Presto - Trio: Andante sostenuto
Allegretto

Schuberts Streichquintett steht zwar in C-Dur, aber es ist Ausdruck einer völlig anderen Welt, als man sie gemeinhin mit C-Dur verbindet; nicht also Ausdruck des Unbeschwertseins, der Helligkeit, der freudigen Lebensbejahung, sondern der des Leidens und der Klage.

Vier Jahre vor der Entstehung des Quintetts schrieb Schubert an einen Freund: „ ... ich fühle mich als den unglücklichsten, elendesten Menschen auf der Welt. Denk Dir einen Menschen, dessen Gesundheit nie mehr richtig werden will, und der aus Verzweiflung darüber die Sache immer schlechter statt besser macht, denke Dir einen Menschen, sage ich, dessen glänzendste Hoffnungen zu Nichte geworden sind, dem das Glück der Liebe und Freundschaft nichts bieten als höchstens Schmerz, … und ich frage Dich, ob das nicht ein elender, unglücklicher Mensch ist? 'Meine Ruh ist hin, mein Herz ist schwer, ich finde sie nimmer und nimmermehr', so kann ich wohl jetzt alle Tage singen, denn jede Nacht, wenn ich schlafen geh, hoff ich nicht mehr zu erwachen, und jeder Morgen kündet mir nur den gestrigen Gram. So freude- und freundelos verbringe ich meine Tage ...“
Zwei Monate nach der Vollendung des Quintetts, im November 1828, starb Schubert. Innerhalb der letzten vier Lebensjahre hat er sein großartiges Spätwerk geschaffen: das Oktett D 803, die drei letzten Streichquartette, die drei letzten Klaviersonaten, die beiden Klaviertrios, die Winterreise, die Neunte Sinfonie und mit dem C-Dur-Quintett eine Sinfonie in Kammermusikbesetzung von nahezu einer Stunde Länge.

Mit C-Dur beginnt es, doch schon der verminderte zweite Akkord (Vierklang nur aus kleinen kleine Terzen bestehend) des Ersten Satzes und die melodische Wendung, die sich aus dem charakteristischen Doppelschlag über dem verminderten Vierklang entwickelt, verweist in die Sphäre der Klage:



Streichquintett op. 163 Satz 1 Einleitung



In gebrochener Form werden die Akkorde wiederholt:



Streichquintett op. 163 Satz 1 Auflösung



Die beiden Celli übernehmen dabei unisono die Doppelschlag-Wendung. Und dieser bewegte Teil drängt mit dramatischer Wucht auf das zweite Thema hin, das in seiner rührenden Schönheit direkt zu Herzen geht:



Streichquintett op. 163 Satz 1 Seitenthema



zunächst vorgestellt von den beiden Celli. Bei der Wiederholung durch die Violinen übernimmt das zweite Cello von der Bratsche das Pizzikato-Klopfen (An solchen Stellen wird auch unmittelbar einleuchtend, warum Schubert entgegen den Vorbildern Mozarts und Beethovens im Streichquintett das Cello verdoppelt hat und nicht die Bratsche.). Dann wird dieses zweite Thema bis zum Ende des ersten Teils ausführlich variiert, ein etwas energischeres Staccato-Thema wird gegen Ende eingeschoben:



Streichquintett op. 163 Satz 1 drittes Thema



Es ist das Thema, das im nächsten Teil dieses Satzes, verschärft durch schneidend-scharfe Einwürfe der 1. Violine,



Streichquintett op. 163 Satz 1 Durchführungsmotiv



große neue Möglichkeiten entfaltet. Zweimal wird diese Entwicklung durch eine kleine Melodie



Streichquintett op. 163 Satz 1 Durchführungsmotiv



unterbrochen, die in wunderbarer Ruhe über einer nervösen Begleitung schwebt. Eine schöne Überleitung führt zum dritten Teil, der den ersten leicht variierend aufgreift. Die Coda deutet noch einmal beides an: das erste Thema in hochdramatischem Forte und die liebliche Traurigkeit des Seitenthemas im Pianissimo.

Traurigkeit zur Schönheit verklärt - so wird der erste und dritte Teil des Adagios zu einem der eindrucksvollsten Stücke Musik überhaupt; und diese Schönheit ist so berückend, dass Worte darüber wenig sagen. Hier also das Wenige mit den Worten des Musikwissenschaftlers A. Würz: „Die Mittelstimmen (2. Violine, Bratsche und 1. Violoncello) führen und tragen die Melodie, das 2. Cello markiert pp pizzikierend die Bassfortschreitungen, während die 1. Geige eine - wie die zarte Stimme eines Vogels anhebende - Weise dazu singt,



Streichquintett op. 163 Satz 2



die sich dann stellenweise mit dem strömenden Gesang der Mittelstimmen vereint. Dann aber bricht jäh Unruhe ein: f-moll tritt an die Stelle des E-Dur; heftige Synkopen, erregte Triolengänge im Bass, wilde Sforzati, hohe Triller - solche Elemente bilden den alptraumhaften Klanggrund zu einer leidenschaftlich klagenden Melodie“, deren Intensität noch verstärkt wird durch das Unisono von 1. Violine und 1. Violoncello, denen diese Melodie anvertraut ist. Unvergleichlich der Übergang zum dritten Teil, in dem das Wunderbare des ersten Teils sich wiederholt, zunächst schmerzlicher und zerrissener als zuvor, dann in seiner Traurigkeit zur Ruhe kommend.

Das Scherzo in C-Dur mit seinem synkopierten Thema



Streichquintett op. 163 Satz 3 Presto



wird von A. Würz treffend so charakterisiert: „Ein mit aller Gewalt die Freude der Erde Umfassenwollen“, wobei Fortissimo, Sforzati und Synkopen den Akzent mehr auf das ‚Gewaltsam’ als auf ‚Freude’ legen.
Es gibt sicherlich sonstwo keinen Scherzo-Mittelteil (Trio), der sich schon durch die Tonart (Des-Dur), und durch Tempo (Andante sostenuto), durch Takt (4/4) und Dynamik so weit vom Scherzo-Presto entfernt wie der des Schubert-Quintetts. Dieser Mittelteil gehört mit seiner großartig ergreifenden Intensität der Klage eher zum Adagio oder zum Beginn des Ersten Satzes als zum Presto-Teil des Scherzos. Mit seiner Mischung aus fahler Düsternis und tröstlicher Melancholie hebt er die gewaltsame Munterkeit des ‚Presto‘ gleichsam auf im Gedanken an den Schrecken und den Trost des Todes. Aber nach den Gesetzen der Tradition heißt es ‚da capo’: das Presto wird wiederholt!

Ein wenig gewaltsam wirkt auch die Fröhlichkeit des Hauptthemas im Finale:



Streichquintett op. 163 Satz 4 Hauptthema



Ein zweites Thema ist wienerisch-elegant:



Streichquintett op. 163 Satz 4 zweites Thema



Ein drittes Thema, von den beiden Celli in Terzen vorgetragen, verweist auf die melancholische Stimmung des 'Adagios':



Streichquintett op. 163 Satz 4 drittes Thema



Seine Begleitung – gebrochene Dreiklänge - gewinnt eigene Bedeutung und führt in großer Steigerung zur Wiederholung des Hauptthemas, mit der der zweite Teil dieses ‚Finale‘ beginnt, in der das Hauptthema durch Fugato und andere Kontrapunkt-Künste einen neuen, ernsten Charakter erhält und der Klang des Quintetts sich zu orchestralem Volumen entfaltet. Der dritte Teil greift das zweite und dritte Thema auf, bevor sich die tänzerische Fröhlichkeit beim ‚Più allegro‘ und ‚Più presto‘ bis zur Ekstase steigert.

April 2019



'Forellenquintett'

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