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Übersicht über ‚Ödipus‘ und die Tragödie

Der Inhalt

Prologos

Die Stadt Theben leidet unter der Pest (25);
Kreon, der Bruder der Königin Jokaste, ist von Ödipus, dem König von Theben, zum Orakel von Delphi geschickt worden,
... dass er dort erkunde, was ich (Ödipus spricht) tun, was sprechen soll, diese Stadt zu retten.

Antwort des Orakels
des Landes Schandfleck ...
...hinauszujagen (97f.)
Reinigung der Stadt
Durch Ächtung oder Sühne, die Tod mit Tod vergilt, (100)
Gemeint sind die Mörder des Laios, des vorigen Königs von Theben und des vorigen Gemahls der Jokaste;

Umstände der Ermordung: einer der Knechte ist geflohen und hat berichtet, dass Räuber, viele Hände, Laios erschlagen haben.
Ödipus glaubt, dass man von Theben aus Menschen zu dieser Tat gedungen hätte; Kreon: Verdacht hatte man auch früher in Theben, aber man sei ihm wegen der Sphinx nicht weiter nachgegangen. (Sphinx hier gesehen als menschenraubendes Ungeheuer, das die Stadt Theben bedroht hatte. Ödipus hatte die Stadt von der Sphinx befreit, indem er deren Rätsel gelöst hat, und die verwitwete Königin geheiratet.)

Ödipus will den Mord aufdecken, auch schon im eigenen Interesse:
Denn wer's auch war, der ihn erschlug, er wird vielleicht
an mir sich auch mit solcher Hand vergreifen wollen. (139f.)

Der Priester: Apollon möge wie Ödipus
als Retter kommen und als Heiler dieser Not! (150)

Parodos
Die Götter Apollo, Athene und Artemis werden um Hilfe angefleht.
Vor Apollo zittert man, weil er eine Schuld eintreibt.

Das Leiden und das Sterben in der Stadt wird dargestellt.

Bitte an Athene, den pestbringenden Ares (der ehrlos ist unter den Göttern, den Gott 215) zu vertreiben; Bitte an Zeus, ihn zu vernichten.
Noch einmal Anruf des Apollo, der Artemis und nun - neu - des Bakchos

1. Epeisodion Ödipus zum Chor
Die Thebaner sollen helfen, den Mörder zu finden; Belohnung wird versprochen; Bestrafung durch Verbannung, wenn einer etwas verschweigt;
zeigt der Mörder sich selbst an, wird er nur des Lands verwiesen;

Fluch über den Mörder:
dass er, der Elende, elend aufreibe sein verfehltes Leben (248)

Ödipus bezieht auch sich in den Fluch mit ein, wenn er etwas verheimlichen würde.
Auch ist der verflucht, der nicht hilft, den Mörder zu suchen.
Nur der Seher Teiresias könne Klarheit schaffen, meint Ödipus.
Teiresias, gerufen, kommt; der möchte nicht sagen, was er sieht.
Als Ödipus ihn beschimpft, wirft Teiresias ihm vor, dass er seine eigene Art nicht erkannt habe.
Ödipus:
du hast die Tat mitausgeheckt, sie mitverübt (347)

Da antwortet Teiresias:
...dieses Landes heilloser Besudler bist du! (353)
und später:
Ahnungslos ...verkehrst mit deinen Nächsten du
in Schimpf und Schande und siehst nicht ...(366)

Nun wirft Ödipus ihm vor, mit Kreon im Bunde zu sein, der ihm die Herrschaft neide;
Teiresias sei nur auf Geld aus.
Das Rätsel der Sphinx habe Teiresias nicht gelöst.

Der Chor will vermitteln; Teiresias will nun ausführlich darstellen:
...Ahnungslos bist du ein Feind
den Deinigen da unten und oben auf der Erde (415f.)
deutet an, dass er seinen Kindern gleichgestellt ist
...unter Sterblichen ist keiner, der schlimmer
als du wird ausgerottet werden je! (427f.)

Gerade dieser Erfolg, dass er das Rätsel der Sphinx gelöst hat, hat (ihn) vernichtet (424).

Teiresias sagt jetzt nicht mehr, als dass der Mörder hier ist; er prophezeit ihm die unglückliche Zukunft und nennt seine Verfehlungen.

1. Stasimon (463-511)
Rachegeister und Apollo verfolgen den Mörder, der elend sich verbirgt.
Der Chor ist entsetzt darüber, dass Teiresias Ödipus als den Mörder bezeichnet, begreift es nicht.
Zeus und Apollo sind wissend, aber nicht unbedingt ist es ein Seher.
Der Chor will ohne Beweis nicht gegen Ödipus vorgehen, der so klug war, die Sphinx zu besiegen;
... darum wird, nach meinem
Sinn, er nie für schuldig befunden werden einer Untat.

2. Epeisodion (512-862) Kreon erscheint. Ödipus verdächtigt ihn, mit Teiresias im Bunde ihn entmachten zu wollen.
Kreon will sich gegen die Ehrabschneidung durch Ödipus wehren.
Der Chor sucht zu vermitteln:
...dieser Vorwurf ...vielleicht
mehr vom Zorn erzwungen als aus klarem Kopf.

Ödipus nennt Kreon Mörder an ihm selbst und Räuber meiner Herrschaft (535).

Kreon wirft Ödipus Eigensinn/ ledig der Vernunft (549f.) vor.

Ödipus fragt, warum Teiresias nicht schon sofort nach dem Mord an Laios den Mörder entlarvt hat.
Darauf kann Kreon keine Antwort geben.
Dann weist er darauf hin, dass er schon durch Jokaste und Ödipus Macht hat, ohne die Last der Königswürde zu tragen. Auch könne Ödipus ja selbst nach Delphi gehen und überprüfen, ob Kreon richtig berichtet hat.
Ödipus bleibt unerbittlich (Chor: Wer schnell denkt, strauchelt leicht; 617; Kreon: du bist nicht bei Sinnen; 626;)
er will den Tod Kreons.
Jokaste weist beide zurecht, dass sie streiten, während das Land so krank ist (636).

1. Kommos (649-696)
Der Chor bittet Ödipus, sich zu besinnen und Kreon zu achten;
Ödipus gibt nach:
Denn dein, nicht sein Mund rührt mich,
dein mitleidvoller; er, wo er auch sei, bleibt mir verhasst! (671f.)

Der Chor versichert Ödipus, ihn nie im Stich zu lassen
auch jetzt kannst du ihm (dem Land) ein guter Lenker sein (696)

Fortsetzung des 2. Epeisodion
Ödipus berichtet Jokaste, was er Kreon unterstellt;
Den Seher, den Schurken, hat er angestiftet (705)

Dieses Stichwort ist für Jokaste der Anlass, davon zu berichten, dass sich das Orakel, ihr Sohn werde den Vater töten, nicht erfüllt habe, da der Sohn ausgesetzt worden sei und es Räuber gewesen seien, die Laios erschlagen hätten.
Achte du nicht drauf! Was Gott
unbedingt enthüllen will, enthüllt er selber leicht.

Diese Hinweise aber erschrecken Ödipus; er lässt sich den Ort des Mords erklären, die Zeit und die näheren Umstände (fünf Leute und ein Wagen)
Ödipus:
O Zeus, was hast du über mich zu tun beschlossen?(738)
Entsetzlich mutlos bin ich, es könnte der Seher sehend sein (747)

Jokaste: ein Diener habe sich gerettet und, als er sah, dass Ödipus König wurde, gebeten, weit von der Stadt weg als Hirte arbeiten zu können.

Nun berichtet Ödipus von seiner (vermeintlichen) Herkunft, dass er der Sohn des Königs Polybos von Korinth sei und dass Merope seine Mutter sei, dass ein Betrunkener gesagt habe, er sei untergeschoben, dass die Eltern dies abgestritten hätten und dass er zum Orakel gegangen sei, um seine wahre Herkunft zu erfahren. Das Orakel habe ihn darüber nicht aufgeklärt, wohl aber prophezeit, er werde den Vater töten und die Mutter heiraten. Da sei er weit von Korinth weggegangen. Unterwegs, an einem Dreiweg, sei er Männern begegnet, die ihn vom Weg drängen wollten, da habe er im Zorn sie getötet. Er sei also schuldig am Tod des Laios.
Das Bett des Toten, mit meinen beiden Armen
entweih ich es, durch die er umgekommen! Bin ich nicht von Natur aus schlecht?(822)

Wenn er nun flieht in seine Heimat, würde sich das Orakel erfüllen. Ödipus fühlt sich von einem grausen Dämon verfolgt, will lieber sterben.

Eine Hoffnung noch: der Hirte habe von 'Räubern' gesprochen

2. Stasimon (863-910)
Der Chor ist entsetzt über Jokastes Leugnung des Orakels; Vermessenheit kommt zu Fall, erleidet den Zorn Gottes.
Rächt Gott nicht solche Vermessenheit, will der Chor ihm auch nicht mehr dienen.
Das Orakel, das Laios erhalten hat, wird nicht beachtet und es schwindet das Göttliche (910).

3. Epeisodion (919-1085). Jokaste kommt zum Altar Apollons
Jokaste opfert Apollo, weil sie Sorge hat um Ödipus
denn uns allen macht es Angst, vor Schreck verrückt
zu sehen ihn, unseres Schiffes Steuermann (922f.)

Ein Bote berichtet, dass Polybos gestorben ist und Ödipus Herrscher von Korinth werden soll.
Jokaste sieht sich bestätigt, dass die Göttersprüche nichts taugen; dies sagt sie auch Ödipus.

Doch Ödipus hat noch Angst vor der Ehe mit der Mutter. Der Bote, der möchte, dass Ödipus mit nach Korinth kommt und er belohnt wird, weil er seinen Auftrag gut ausgeführt hat, erzählt, dass Ödipus gar nicht das Kind von Polybos und Merope ist, sondern dass er Ödipus als kleines Kind von einem Mann des Laios überreicht bekommen habe; er habe es Polybos weitergegeben, der es an Kindes statt angenommen habe. Dem Kind seien die Fersen durchbohrt gewesen.

Der Chorführer weist darauf hin, dass dieser Mann des Laios der Hirt sei, den Ödipus schon hat rufen lassen.
Jokaste fleht Ödipus an, die Nachforschungen aufzugeben. Ödipus glaubt, sie fürchte, dass dabei herauskomme, dass er von niederer Herkunft sei. Er aber fühlt sich in jedem Fall als Sohn des Glücks (1079).

3. Stasimon (1086-1109)
Dank an den Boten; Ödipus sei wohl göttlicher Herkunft;

4. Epeisodion (1110-1185)
Der Hirte kommt und wird von dem Boten befragt, welches Kind er ihm gegeben habe; der Hirt will nicht antworten, wird aber von Ödipus bedroht; so sagt er, dass es der Sohn des Laios war, Jokaste habe ihn ihm übergeben.
Aus Angst vor schlimmen Sprüchen (1175)

Er habe aus Mitleid das Kind nicht getötet, sondern an den Hirten des Königs von Korinth weitergegeben.
...Denn bist du der,
von dem er spricht, so wisse, dass unglückselig du geboren bist. (1180)

Ödipus erkennt sein Vergehen.

4. Stasimon (1186-1222)
Der Mensch ist ein Nichts, sein Glück nur Schein; Ödipus war zu Recht hoch geehrt, jetzt ist er ein Elender.
Die Zeit hat ihn gerichtet. Recht ist aber auch zu sagen, dass Ödipus Theben gerettet hat.

Strophe:
Mensch = nichts, sein Glück nur Schein, der im Untergang endet;
Ödipus Beispiel dafür, dass kein Sterblicher glücklich zu nennen ist

Gegenstrophe:
Ödipus gewann das allselige Glück; als er das Rätsel der Sphinx löste und Theben rettete, wurde er Thebens geehrter Retter.

Strophe:
Doch jetzt ist niemand elender als Ödipus, der mit der Mutter vermählt war.

Gegenstrophe:
Die alles sehende Zeit hat dies entdeckt gegen ...(den) Willen des Ödipus und hat Ödipus
gerichtet.
Klage des Chors: hätt ich dich nie gesehen;
aber der Chor erinnert sich auch, dass Ödipus durch die Überwindung der Sphinx Theben die Rettung gebracht hat (oder: durch die Aufklärung des Mords an Laios).

Exodos (1223-1530)
Der Diener klagt über die Übel, die über das Haus des Labdakos gekommen sind und so groß sind, dass sie nicht entsühnt werden können.
...Aber von den Leiden
schmerzen die am meisten, die sich als selbsterwählt erweisen. (1230f.)

Dann berichtet der Diener vom Selbstmord Jokastes und von der Selbstblendung des Ödipus.
Der Diener kündigt das Erscheinen des Ödipus an:
...und einen Anblick wirst du sehn sogleich,
derart, dass selbst ein Feind darüber sich erbarmt! (1295f.)

2. Kommos (1297-1366)
Chor empfindet Schauder, das Furchtbare. Ödipus weist darauf hin, dass Apollo diese Leiden in Erfüllung gehen ließ (1330)
Ödipus will außer Landes; er empfindet sich als den Verfluchtesten und auch den Göttern Verhasstesten unter den Sterblichen! (1345)
Ödipus verflucht den, der ihn vorm Tode bewahrt hat; auch der Chor ist der Meinung, dass Ödipus besser nicht gelebt hätte.

Fortsetzung des Exodos
Ödipus über das Sinnvolle der Blendung; er wünscht, getötet zu werden, damit ihn keiner mehr sieht
...Denn meine Übel
ist kein Sterblicher imstand zu tragen außer mir. (1414)

Kreon kommt, Ödipus sieht ein, dass er gegenüber Kreon im Unrecht war.

Kreon aber will nicht spotten und ist nicht nachtragend. Ödipus bittet Kreon, ihn des Landes zu verweisen;

Kreon will zunächst den Spruch der Götter.
Ja, denn auch du wirst jetzt dem Gotte wohl Vertrauen schenken!(1445)

Ödipus trauert wegen des Schicksals seiner Töchter, bittet für sie bei Kreon.

BegriffserläuterungTragödie: entstanden aus dem Gemeindegesang beim Gottesdienst für den Gott Dionysos. Diesem Gott waren die Böcke (Sinnbild für Fruchtbarkeit) heilig, und die Gottesdienstgemeinde verkleidete sich zu ehren des Dionysos als Böcke. ‘tragodia’ heißt wörtlich: Bocksgesang.

Prologos: Vorszene

Parodos (fem.):Einzugslied

Epeisodion
: Hauptszene, Auftritt;
Pl. Ep-eis-odia wörtlich das "(noch) dazu Hineinkommende", Dialogpartien im Drama; in ihnen entwickelt sich die Handlung des Stücks. Ursprünglich hieß nur die erste Dialogpartie so, weil die Schauspieler, die sie vortrugen, zu dem Chor, der schon vorher aufgetreten war, "noch hinzutraten"; später wurden dann alle diese Partien so genannt. Da im ältesten Drama der Chor die Hauptsache war und die Epeisodien zwischen zwei Chorliedern liegen, bekam das Wort die Bedeutung 'Einschiebsel', daher 'Episode'.

Stasimon: Standlied, Lied des Chores;
den Namen erklärt man als Gegensatz zur 'Parodos', dem Einzugslied des Chors, weil der Chor beim Vortrag der Stasima seinen Standort in der Orchestra schon eingenommen hatte.

Kommos (m.): Sonderlied der Tragödie, von Chor und Schauspielern gemeinsam gesungenes KlageliedEinteilung der Tragödie ‘König Ödipus
Prologos
1-150 die Pest in Theben - das Orakel von Delphi - Ödipus verspricht, den Tod des Laios zu rächen;

Parodos (Auftrittslied des Chores) 151-215 Gebet an Apollo, Artemis, Athene, Zeus und Bakchos, den pestbringenden Ares zu vertreiben und zu vernichten

1. Epeisodion (Hauptszene) 216-462 Verfluchung des Mörders; Streit mit Teiresias

1. Stasimon (Standlied des Chores) 463-511 Auch ein Seher kann irren.

2. Epeisodion 512-862 Auseinandersetzung Kreon - Ödipus; Jokastes Hinweis, dass Seher lügen; Vorgeschichte

1. Kommos 649-696 (von Chor und Schauspielern gemeinsam gesungenes Klagelied)

2. Stasimon 863-910 Klage, dass das Orakel nicht mehr respektiert wird

3. Epeisodion 911-1085 ...

3. Stasimon 1086-1109 Dank an den Boten; Ödipus sei wohl göttlicher Herkunft

4. Epeisodion 1110-1185 Der Hirte klärt die Herkunft des Ödipus auf.

4. Stasimon 1186-1222 ...

Exodos (Schlussszene) 1223-1530

2. Kommos 1297-1366

ZUR GÖTTERWELTDen obersten Sitz im Olymp nimmt Zeus ein, der Sohn des Kronos und der Rhea. Von seinem Thron schleudert er seine Blitze. Er ist der Herrscher der Welt, der Stifter des Rechts, der Vater der ewigen Weltordnung, der alle Schicksale sendet, alles sieht und weiß, der den Brauch und die Sitten schirmt, den Frevler straft. Er ist kaum mit Namen zu nennen. In Olympia hat er ein gefeiertes Heiligtum, das mit einem Orakel verbunden ist.
Die Weltherrschaft teilt er mit Poseidon, der gleichfalls von Kronos und Rhea stammt. Er ist der Herr des Meeres, der Lehrer der Schiffahrt und der Rossezucht. Seine Gemahlin ist Amphitrite; die Meeresfläche ist ihr weiter Saal.
Der dritte der Brüder, Hades (Aidoneus, der ‘abenddunkle Gott’), regiert die Unterwelt an der Seite seiner Gattin Persephone; sein zweiter Name ist Pluton. Das düstere Reich, an dessen dunklen Strand die Seelen entführt werden und das vom Styx und Acheron durchströmt ist, beherbergt die Toten, die thronenden Heroen und Ahnengeister, die unterweltliche Rechtsgöttin Dike und die Totenrichter, die Rachegeister (Erinnyen, Eumeniden), die düsteren Schicksalsgöttinnen (Moiren), die raffenden Todesdämonen (Keren, als rächende Geister oft nicht von den Erinnyen unterschieden), die an Kreuzwegen angerufene Hekate, den Höllenhund Kerberos; der vom höllischen Tartaros und der Erdmutter Ge abstammt.
Unter den Zeussöhnen steht Phoibos Apollon, der Sohn der Leto, obenan. Er ist auf Delos geboren und hoch verehrt, wird als lykischer Gott (nach einer anderen Version des Mythos hat Leto in Lykien ihre Kinder Apollon und Artemis geboren), als Paian (Name für Apollo als Heilgott), angerufen. Zeus hat ihm die Weissagekunst und das pythische Heiligtum in Delphi, als Orakelsitz, verliehen; die Seher stehen unter seinem Schutz. Er ist auch der Gott der Reinigung; zusammen mit Artemis und Athene ein mächtiger Schützer der Städte. Als Vollstrecker des väterlichen Willens kann er Blitze schleudern. In Theben hat er einen Tempel am Ufer des Ismenos (Apollon Ismenios).
Sein Halbbruder Hermes heißt der "Kyllenier", weil er auf den Berghöhen der arkadischen Kyllene geboren wurde und ein berühmtes Heiligtum besaß. Er ist ein Freund der Bergnymphen. Der Zeusbote und Wegegott geleitet auch die Seelen in den Hades.
Hephaistos, Sohn des Zeus und der Hera, ist als Gott des Feuers mit dem Feuer gleichgesetzt.
Ares, der wilde, blutrünstige Kriegsgott, zunächst als dämonisches Wesen, später als Sohn des Zeus und der Hera gesehen, gilt als der verhasste Barbar unter den Göttern, als Sender des Bruderstreits und der Pest; seine Heimat, sein Wohnsitz ist der rauhe Norden Thrakiens und des Schwarzen Meeres.
Mit Theben ist Dionysos (Bakchos) als Sohn der Semele aufs engste verbunden. Der ekstatische Gott durchbraust Thrakien, den Parnassos, den Kithairon, die Straßen Thebens mit den fackelschwingenden, flöteblasenden Mänaden, die auch als seine Nymphen und seine Musen, als seine Ammen bezeichnet werden, die ihn in den Bergen von Nysa aufzogen.
Unter den weiblichen Gottheiten des Olymp hat Pallas Athene, Zeus' goldne Tochter, als Stadtgöttin am Markt von Theben einen Tempel. Vor allem wird sie in Athen verehrt; hier beschirmt sie den Ölbau und, mit Poseidon, die Rossezucht.
Artemis, Apollons Zwillingsschwester, stürmt als Jägerin mit Fackeln über die lykischen Berge ihres Bruders. Ihr thebanischer Tempel stand am Markt, unweit des Apollon- und Athenatempels.
Zu Zeus' Gefolge gehören Dike, die Göttin des Rechts, die neben ihm thront, und die Urgesetze der ewigen Ordnung.
Die Berge durchschweift der teilweise bocksgestaltige Pan, ein Freund der Herden, der auch den benachbarten Nymphen zum Tanz aufspielt; die Mänaden gehören zum Geschlecht der Nymphen.
Die Berge, Flüsse, Winde werden als Götter verehrt. Kithairon, Böotiens höchster Berg, wird in Liedern und Tänzen gefeiert; der Götterberg Olympos wird immer wieder angerufen, meist als entrücktes Göttergefilde. Die heilige Dirke, der göttliche Ismenos bewässern Theben. Alle Naturgeister überstrahlt der mächtige Sonnengott Helios, Zeuge aller Geschehnisse, der Allernährer, der zum Titanengeschlecht gehört.
In noch ältere Schichten der Götterwelt führt der Gott der Urfinsternis Skotos oder Tartaros und vor allem die Erdmutter Ge (Gaia) mit ihren Kindern und Geistern. Zu ihren Abkömmlingen gehört die in der Bergwildnis hausende, wilde und weisheitsbegabte Sphinx, eine geflügelte Löwin mit Frauenkopf, die den Wanderern unlösbare Rätsel aufgab und so den Tod brachte (‘gnadenlose Sängerin’, weil sie ihre Rätsel in Versen sprach). Nachdem Ödipus ihr Rätsel gelöst hatte, stürzte sie sich in den Abgrund.
Neben die klar benannten und mit ihren Eltern angeführten Götter treten unbestimmtere mächtige Wesen wie die Glücksgöttin Tyche, der Gott der Zeit Chronos und vor allem der namenlose Daimon, hinter dem sich ein Olympier oder auch ein Fluchgeist der Hölle verbergen kann. Aus dem Dunkel stürzt er sich urplötzlich, verblendend und vernichtend auf seine Opfer.

ZUR LANDESKUNDEAuf der peloponnesischen Halbinsel (Insel des Pelops) liegen Arkadien mit der Kyllene (nordöstlichste Gebirge Arkadiens, 2380 m hoch; Hermes soll hier in einer Höhle geboren sein) und Olympia. Der Isthmos von Korinth verbindet die Halbinsel mit Mittelgriechenland. Zu Böotien gehören Theben (an der Dirke und am Ismenos) und die Gebirge Kithairon (westliches Grenzgebirge zwischen Attika und Böotien, bis 1400 m hoch, noch heute großenteils bewaldet; hier wurde Ödipus ausgesetzt.) und Helikon (den Musen heilig); zu Phokis die Stadt Daulia, das Apollonorakel von Abai und der zweigipflige Berg Parnassos mit Delphi (Pytho), der Orakelstätte des pythischen Apollon, dem Nabel der Erde. In Nordgriechenland wohnen die Thessaler.
In Kleinasien liegt Lykien, das Reich des Apollon und der Artemis. Der große Strom Phasis fließt in Kolchis, das am Schwarzen Meer liegt; der Istros ist die Donau. Etwa in der Gegend des heutigen Bulgarien hausen die Thraker und Edoner.ZUR SAGEDas thebanische Königshaus leitet sich von Kadmos, dem Sohn des Agenor her. Kadmos hat Theben in der Nähe einer Drachenhöhle gegründet; aus den Zähnen des von ihm erlegten Drachens gingen die Sparten (die "Gesäten") auf. Zu den Nachkommen der Sparten zählten unter andern Polydoros, Amphion, Labdakos, Teiresias.
Menoikeus war Vater des Kreon und der Jokaste; Labdakos war der
Vater des Laïos, des Vaters des Ödipus.
Laïos hatte trotz der Warnung des delphischen Orakels mit seiner Gattin Jokaste den Sohn gezeugt, der ihm den Tod bringen sollte. Das Kind Ödipus wurde ausgesetzt, gerettet, in Korinth erzogen, erschlug unwissentlich den Vater, befreite Theben von der furchtbaren Sphinx durch Lösung ihres Rätsels, gewann die Hand der Königin und den Thron.
Erst spät, nachdem schon die Söhne Eteokles und Polyneikes, die Töchter Antigone und Ismene herangewachsen waren, deckte Ödipus selbst die Greuel der Vergangenheit auf. Jokaste erhängte sich. Ödipus stach sich die Augen aus, wurde aus dem Land getrieben, verfluchte seine undankbaren Söhne, starb als Bettler in der Fremde. Eteokles vertrieb den Bruder, der in Argos Schwiegersohn des Königs Adrastos wurde und ein Heer gegen Theben aufbot. Kreon, bei der Minderjährigkeit der Ödipussöhne Thronerbe seines Schwagers und dann der Verbündete des Eteokles, hatte auf Rat des Sehers Teiresias seinen Sohn Megareus zum Opfer gegeben; sein zweiter Sohn Haimon ist Verlobter der Ödipus-Waise Antigone. Die sieben Anführer des aus Argos angerückten Heeres fallen vor den Toren der Stadt; Eteokles und Polyneikes töten sich gegenseitig im Zweikampf; das argivische Heer flieht; Antigone bestattet Polyneikes, getreu seiner Bitte.

Entstehung der griechischen Tragödie und Aufführungspraxis im Athen des antiken GriechenlandOrt:
Dionysos-Theater in Athen

Raum:
Freilichtbühne mit Blick in die Landschaft (ohne Bühnenwand, die erst von den Römern gebaut wurde)

Anlass:
Kulthandlung am Dionysosfest

Entstehung
aus dem Kult; zunächst Oratorium, kultisch-chorisches Spiel; später 2. und 3. Schauspieler dazu
bei Aischylos und Sophokles (dramatisierte Tragödie)
"Nachvollzug der heiligen Geschichte von den Taten und Leiden der Götter und der Helden"; also Handlung der Tragödie aus dem Mythos („Leben und Taten von Göttern und götternahen Menschen“); Bindung an den Mythos, dabei wichtig: "Variation des Vertrauten", neue Aktualisierung des Mythos, "Einführung neuer Motivationen oder stofflicher Details"

Durchführung:
an drei Tagen je drei Tragödien (in innerem Zusammenhang stehend: Trilogie) und ein Satyrspiel (Satyr: in Tiergestalt vorgestellter Naturdämon)
Wettbewerb dreier Dichter, Preisverleihung

Dramatiker:‚Handwerker‘, die mit "berechneter Verfahrensart" (Hölderlin) und "etikettmäßiger Konvention" (Goethe) jedes Jahr drei Tragödien einreichen;

Chor stellt mit seinen "Anrufungen, Gebeten, Beschwörungen, Litaneien, Totenklagen den kultischen Bezug zum Göttlichen her." (WuS S. 224ff.)Athenische TragödiendichterÄschylos (gest. 456 v. Chr.), Sohn eines adligen Grundbesitzers in Eleusis, kämpfte in der Schlacht bei Marathon und Salamis mit. Er erhielt dreizehnmal den ersten Preis. Von seinen 90 Stücken sind sieben erhalten, u. a. ‚Die Perser‘.

Sophokles, Sohn eines wohlhabenden Schwertfabrikanten aus einer Vorstadt Athens (gest. 406 v. Chr.), war oberster Schatzmeister (443) und Feldherr (Stratege). Mit 28 Jahren besiegte er im Wettkampf den 57jährigen Äschylos. Zwanzigmal gewann er den ersten Preis. Von 130 Stücken sind sieben erhalten, u. a. ‚Antigone‘ ‚Elektra‘ und ‚König Ödipus‘.

Euripides war der Sohn eines Grundbesitzers (gest. 406 v. Chr.); Von seinen 92 Stücken sind 19 erhalten. Er siegte viermal. U. a. schrieb er ‚Iphigenie‘, ‚Die Bacchien‘ (Dionysos-Drama), ‚Elektra‘.

Die Spielleitung
Festleiter war der oberste Staatsbeamte, der erste der neun ‚Archonten‘.
Er beauftragte den ‚Choregen‘, einen wohlhabenden Bürger, der den Chor zusammenstellen und die Ausstattung bezahlen musste. Der ‚Chor‘ bestand aus 12 bis 24 jungen Leuten. Wer vom Choregen als Chormitglied ausgesucht wurde, sich aber weigerte mitzuspielen, wurde bestraft.

Er wählte drei Dichter aus, nachdem er die von den Bewerbern eingereichten Theaterstücke geprüft hatte. Er verloste die Reihenfolge der Aufführungen.

Vor Beginn der Theaterspiele loste er zehn Schiedsrichter aus und vereidigte sie.

Er befehligte die Theaterpolizei, die mit Stöcken bewaffnet war und während der Spiele für Ordnung unter den 20.000 Zuschauern zu sorgen hatte.

Die Zuschauer blieben den ganzen Tag über im Theater. Die Stadt Athen bezahlte die Siegespreise des Dichters, der Schauspieler und das Schaugeld für die Zuschauer. Jeder Bürger war berechtigt, als Ersatz für den Verdienstausfall zwei Obelen vom Staat zurückzuverlangen.

Ich kann leider nicht die Quellen angeben, da der Text vor etwa 25 Jahren geschrieben wurde und meine Unterlagen nicht mehr vorhanden sind. Manches ist aus dem Arbeitsbuch 'Wort und Sinn' übernommen.







Graphiken: Akropolis und Das Theater in Athen (Rekonstruktion) 1: Orchestra mit Altar (Spielfläche des Chors); 2: Bühnengebäude (Skene)



König Ödipus

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