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‚Esse’ ist nicht nur Hilfsverb; es kann auch als Vollverb (also ohne Prädikatsnomen) stehen.

Als Vollverb steht es z. B. im Satz: Liber Lucio est. Wörtlich: Das Buch ist dem Lucius. ‚ist’ bedeutet hier soviel wie ‚gehört’. Das ‚Lucio’ gibt an, wem das Buch gehört. ‚Lucio’ ist also Dativ-Objekt. Übersetzung: Das Buch gehört (dem) Lucius. Dieses Dativ-Objekt gibt also an, wer der Besitzer des Buches ist. Man spricht deshalb vom ‚Dativ des Besitzers’ (Dativus possessoris).

Der Besitzer kann auch durch den Genitiv bei esse angegeben worden (Genitivus possessivus bzw. possessoris):
Liber Lucii est, non Marci. Wörtlich: Das Buch ist des Lucius, nicht des Marcus.
Man kann sich zur Vereinfachung des Verständnisses diesen Genitiv in folgender Weine erklären:
Er ist nicht Objekt zu ‚esse’, sondern Attribut zu einem ausgelassenen Wort, das man sich hinzudenken muss, etwa ,Besitz’. Also: Das Buch ist (Besitz) des Lucius nicht des Marcus.
Dann aber ist ‚esse’ nicht als Vollverb aufzufassen, sondern als Hilfsverb mit dem Prädikatsnomen ‚Besitz’: Das Buch (Subjekt) ist Besitz (nominales Prädikat) des Lucius (Genitiv-Attribut).

In der gleichen Weise kann man sich dann auch andere Redewendungen erklären, bei denen ‚esse’ nicht mehr die Bedeutung von ‚gehören’ hat, der Genitiv also nicht mehr den Besitzer angibt.
Beispiel: Domini est imperare, servi parere. Wörtlich: Es ist des Herrn zu befehlen, des Sklaven zu gehorchen.
‚Besitz’ als Bezugswort zu domini und servi ist hier nicht sinnvoll, es müssen also andere Bezugswörter gefunden werden, etwa: Sache, Aufgabe, Pflicht: Es ist Sache des Herrn zu befehlen, es ist Pflicht des Sklaven zu gehorchen.

In diesen Zusammenhang gehört auch die Redewendung meum (tuum, suum, nostrum, vestrum, suum) est - es ist meine (deine, seine, ihre - einer Frau -, unsere, eure, ihre - mehrerer Leute) Pflicht; wörtlich: Es ist das Meine (das Deine usw.) bzw. das Meinige (das Deinige usw.).

Der Genitiv und der Dativ zur Bezeichnung des Besitzers unterscheiden sich in folgender Weise:
Steht der Dativ, so ist allgemein ausgedrückt, dass jemandem etwas gehört (Liber mihi est. - Das Buch gehört mir.); steht der Genitiv, so ist die Person, der etwas gehört, besonders betont, oft im Gegensatz zu einer anderen Person (Liber mei est, non Lucii. - Das Buch. gehört mir, nicht dem Lucius.).

Composita von esse
Es ist darauf zu achten, dass bei den Composita von esse (Compositum = zusammengesetzt aus Präposition und ‚esse’) das Dativ-Objekt steht.
Beispiele: ludo interesse - beim Spiel dabeisein; wörtlich: dem Spiel (wem?) dabeisein
pueris praeesse - die Jungen anführen; wörtlich: den Jungen (wem?) voransein.
Legionibus praefuit. - Er stand den Legionen vor; er führte die Legionen an; er befehligte die Legionen.



Doppelter Dativ - Dativus (in)commodi, finalis / Verben mit Dativ

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