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Die Inhaltsangabe (Erzählung/Drama)

l. Die Inhaltsangabe soll den Leser informieren, nicht aber soll sie ihn, wie etwa die Nacherzählung, das Dargestellte miterleben lassen. Darum berichtet die Inhaltsangabe kurz und sachlich.

2. Der Kürze und Sachlichkeit dient die Einleitung der Inhaltsangabe. Sie gibt einen kurzen Überblick über Verfasser, Gattung und Titel, eventuell Entstehungsjahr der Vorlage und über den ganzen Inhalt (Ort, Zeit, handelnde Personen des Textes, Hinweis auf Ablauf der Handlung und Hinweis auf die Aussageabsicht - Intention - des Autors) und ermöglicht, da nun die Spannung auf den Ausgang genommen ist, ein sachliches Eingehen auf wichtige Einzelheiten der Vorlage.
Beispiel: Schiller zeigt in seiner 1797 entstandenen Ballade ‘Die Kraniche des Ibykus’, wie ein Mord entdeckt und gesühnt wird durch das Walten einer alles rächenden schicksalhaften Gerechtigkeit, die die Mörder dazu bringt, sich bei einer Theateraufführung, in der durch das Auftreten der Erinnyen dieses Walten einer ausgleichenden Gerechtigkeit in einer die Zuschauer erschütternden Weise dargestellt wird, zu verraten.

3. Der Hauptteil der Inhaltsangabe soll den Inhalt der Vorlage so knapp wie möglich und so ausführlich wie nötig wiedergeben; und zwar soll durch die Wiedergabe des Inhalts deutlich werden: 1. der Handlungsverlauf, 2. der 'tiefere Sinn' der Vorlage (Aussageabsicht - Intension - des Verfassers; was der Verfasser mit seinem Stück hat sagen wollen). Der Leser soll sich also eine klare Vorstellung vom Handlungsverlauf und vom Sinn der Vorlage machen können, ohne diese gelesen zu haben. Es muss also von der Vorlage das mitgeteilt werden, was Handlung und Sinn verdeutlicht. Um diese Stellen herausfinden zu können, muss man sich über den Handlungsverlauf und den Sinn der Vorlage im voraus völlig im klaren sein.
Die wichtigsten Stellen darf man sogar zitieren, d.h. wörtlich wiedergeben (Achtung: das Zitierte durch Anführungszeichen als Zitat kenntlich machen). Da man aber nicht alle wichtigen Einzelheiten gesondert mitteilen kann (die Inhaltsangabe soll möglichst kurz sein), muss man überlegen, welche man zusammenfassend mitteilt (Leistung des Abstraktionsvermögens).

4. Zum Stil der Inhaltsangabe: Da die Handlung der Vorlage in geraffter Form wiedergegeben werden soll, empfiehlt es sich, in der Inhaltsangabe viele Satzgefüge zu verwenden, da durch Satzgefüge das Geschehen enger einander zugeordnet werden kann. Eine weitere Raffung ohne Verlust der Verständlichkeit ermöglichen die Partizipkonstruktionen. Beispiel: Statt 'Nachdem er zu Hause angekommen ist, bemerkt er ...' kann man sagen: 'Zu Hause angekommen, bemerkt er ...'

5. Da die Inhaltsangabe lediglich informieren soll und nicht in der Absicht geschrieben sei soll, dass der Leser das Dargestellte miterlebt, muss die Darstellung sachlich sein. Folgende Mittel, die der Verlebendigung dienen, müssen vermieden werden:

a) die wörtliche Rede
Da sie dem Leser die redende Person unmittelbar gegenwärtig und darum sehr lebendig erscheinen lässt, steht sie in der Erzählung bzw. Nacherzählung (das Drama besteht ja im wesentlichen nur aus wörtlicher Rede), nicht aber in der Inhaltsangabe. In der Inhaltsangabe tritt an die Stelle der wörtlichen Rede die berichtete Rede (indirekte Rede); denn wenn man berichtet, was jemand gesagt hat, hat der Leser (bzw. Hörer) einen größeren Abstand (Distanz) zu dem, was gesagt wurde.

b ) die Ich-Form
Steht die Vorlage in der Ich-Form, so muss sie für die Inhaltsangabe in die Er-Form umgewandelt werden, da die Ich-Form für die Inhaltsangabe zu lebendig wirkt.

c) Unterbrechen der zeitlichen Reihenfolge
Eine Möglichkeit, Spannung hervorzurufen, bietet das Unterbrechen der zeitlichen Reihenfolge: die Vorlage beginnt etwa mitten im Geschehen; der Anfang des Geschehens und die Voraussetzungen für das Geschehen werden während der Darstellung nachgeholt. Die Inhaltsangabe meidet diese Möglichkeit, Spannung zu erreichen und berichtet in der normalen zeitlichen Reihenfolge.

d) das Imperfekt
Das Imperfekt vermittelt in der Erzählung die Vorstellung, dass das Erzählte wirklich einmal geschehen sei. Die Inhaltsangabe verzichtet auf diese Fiktion und berichtet im Präsens, da das Geschehen in der Vorlage immer gegenwärtig ist. Auch die Wiedergabe eines Dramas steht im Präsens.
Dass eine Handlung vor der Zeit des im Präsens berichteten Geschehens liegt, wird durch das Perfekt (Vorgegenwart) ausgedrückt.
Beispiel: 'Weil sie sich liebgewonnen haben, helfen sie sich gegenseitig. 'Vorzeitig' heißt: Das Sich-Liebgewinnen liegt vor der Zeit des Sich-Helfens; die Handlung des Gliedsatzes liegt vor der Handlung des Hauptsatzes.



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