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Franz Schubert
(1797-1828)

Streichquartett a-moll D 804 (‘Rosamunde’)

Allegro ma non troppo
Andante
Minuetto: Allegretto
Allegro moderato

Februar/März 1824 ist Schubert auch für seine Freunde nicht ansprechbar; wie in einem Schaffensrausch schreibt er das große Oktett D 803, das Streichquartett ‚Der Tod und das Mädchen’ (D 810) und das ‚Rosamunde-Quartett‘, das am 14. März 1824 durch das Schuppanzigh-Quartett uraufgeführt wurde.

„Ein Lächeln durch Tränen hindurch“, heißt es in einer Deutung des Ersten Satzes. Nach zwei Takten Einstimmung in das A-Moll mit pochenden Sechzehntel (leere Quinten) in Viola und Cello setzt im dritten Takt das Hauptthema ein als „eine Stimme voll Wehmut und Sehnsucht“ – die Sechzehntel aber pochen weiter als bedrohlicher Hintergrund des zarten Themas,



D 804 Satz 1 Hauptthema



das ein wenig heller klingt, wenn es nach Dur gewendet ist. Zwischen dem sanften Hauptthema und dem freundlichem Seitenthema



D 804 Satz 1 Seitenthema



steht als Kontrast ein Übergangsstück von schneidender Härte, die durch Triolen-Zwischenspiele ein wenig gemildert wird. Eingeleitet wird es von einem Triller-Motiv, das die ersten drei Töne des Hauptthemas (abwärtsgeführter Moll-Dreiklang) in ihrem Ausdruck ins Gegenteil verkehrt und das auch den Abschluss dieses Satzes bildet:



D 804 Satz 1 Trillermotiv



Nach der Freundlickeit des Seitenthemas kehrt am Ende des ersten Satzteils die Härte für kurze Zeit zurück.
Im zweiten Teil des Satzes wird ein sanftes Spiel mit dem Hauptthema schroff unterbrochen durch eine Passage im polyphonen Stil, die mit einem ungewöhnlich klingenden Fortissimo-Akkord endet. Dann setzen sich die wunderschönen Veränderungen des Hauptthemas fort; dabei rückt das Begleitmotiv der vier Sechzehntel intensiv in den Vordergrund. Der dritte Satzteil wiederholt mit einigen Veränderungen den ersten. In der Schlusspassage (Coda) erklingt noch einmal kurz das wehmütige Hauptthema. Die letzten Takte aber gehören dem harten Triller-Motiv.





D 804 Satz 2 Hauptthema



Schubert hat sie sehr geliebt, diese Eingebung, die er zum ersten Mal als Zwischenaktmusik in der Oper ‚Rosamunde’ verwendete, dann auch als Thema für Klaviervariationen (Impromptu op. 142/3).
Im Andante ist sie sich gleichsam selbst genug und trägt im Wesentlichen den gesamten Satz. Über der zauberhaften Stimmung soll freilich nicht übersehen werden, dass sorgfältig durchkomponiert wurde: Dreiteilig aufgebaut, gibt es im ersten Teil neben dem Rosamunde-Thema ein zweites Thema,



D 804 Satz 2 Seitenthema



und als dessen Abschluss ein drittes:



D 804 Satz 1 Thema 3



Es gibt einen kurzen Mittelteil, nur im Pianissimo und nur sieben Takte lang, aber mit überraschenden harmonischen Wendungen, die auch sonst mit kräftigen dunklen Farben dem ‚Andante‘ seinen besonderen Reiz verleihen. Der Mittelteil leitet über zu einem dritten Teil: einer durch eine dramatische Szene zwischen Haupt- und zweitem Thema erweiterten, ins Unruhige gesteigerten Wiederholung des ersten Teils. Der Beginn der Coda greift den Mittelteil auf und schließt mit einem Motiv, das zu Beginn des Satzes den Abschluss des Hauptthemas bildete:



D 804 Satz 2 Abschluss-Motiv



Nach diesem Satz kann das Menuett nicht tänzerisch-heiter daherkommen; sein Beginn weist in eine andere Sphäre; Moritz von Schwind schreibt über das Menuett in einem Brief an Franz von Schober (14. März 1824; beides Freunde Schuberts): es sei „außerordentlich zart und natürlich“. Schubert zitiert mit diesem Menuett-Beginn



D 804 Satz 3



eine eigene Vertonung von Schillers ‚Die Götter Griechenlands‘:

Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder,
Holdes Blütenalter der Natur!

So ergibt sich - und das gilt auch für den Dur-Mittelteil (Trio) – mit Assoziationen an den Volkstanz das „melancholische Stimmungsbild“ (Reclam) eines wehmütigen Blicks auf eine schönere Welt.

Im Hauptthema des Vierten Satzes wird diese Welt ein wenig sichtbar:



D 804 Satz 4 Hauptthema




wenn auch nur wie durch leichte Schleier. Die punktierte Schlussfloskel macht sich bald nach der Vorstellung des Themas selbständig in fein konstruierter Verarbeitung. Das eingängige Seitenthema - akkordisch und punktiert - verstärkt mit seinem Moll diesen Schleier. Mit dem erneutem Einsatz des Hauptthemas ist der erste Teil des Satzes abgeschlossen. Im nächsten Teil werden Elemente des Hauptsatzes zu neuen Klängen zusammengesetzt, die hier nicht mehr freundlich-heiter klingen wie das Original, sondern hart und schroff. Mit der Wiederholung des schönen Seitenthemas beginnt der dritte Satzteil. Anklänge an das Hauptthema sind zu hören (die punktierte Schlussfloskel) und versinken im Pianissimo; die beiden folgenden Fortissimo-Schlussakkorde sind nur noch konventionelle Formsache.
g
April 2019



D 887 op. 161 G-Dur

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