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Genie-Streich eines 24-Jährigen
Rossinis ‚Der Barbier von Sevilla‘ in Bergisch Gladbach
Ein Meisterwerk, in Akkord-Arbeit und Akkord-Zeit geschaffen

Die Handlung ist recht simpel, das Libretto nicht an allen Stellen plausibel, was angesichts der glänzenden Musik keine Rolle spielt: Der alte grantig-habgierige Junggeselle Dr. Bartolo will sein reiches, hübsches und junges Mündel Rosina heiraten, auch wegen deren Mitgift. Ihr Verehrer Graf Almaviva möchte, dass er um seinetwillen und nicht wegen seines Reichtums geliebt wird, und stellt sich Rosina als der arme Student Lindoro vor. Und der geschickte, auf seinen Vorteil bedachte Barbier Figaro zieht die Fäden so lange, bis Dr. Bartolo hintergangen und die Hochzeit des Grafen mit Rosina komplett ist. Rosinas Musiklehrer und Freund Bartolos, Basilio, will zunächst mit Intrigen Bartolo helfen, lässt diesen aber im Stich, als er von Almaviva in genügendem Maße bestochen wird.

Figaro heiratet also nicht - das geschieht in Mozarts ‚Figaros Hochzeit‘ -, sondern stiftet eine Heirat, nämlich die des Grafen Almaviva, der die von ihm unsterblich geliebte Rosina zu seiner Gräfin machen will. Jahre später - das wissen wir aus Mozarts Oper - hat der Graf dann auch wieder Augen für andere Frauen, vor allem für Figaros Verlobte Susanne.

Der französische Dramatiker Beaumarchais(1732 – 1799), auf den sich die Librettisten Mozarts und Rossinis, da Ponte und Sterbini, beziehen, hat über den Grafen Almaviva und seinen Kammerdiener Figaro zwei Komödien geschrieben. In der ersten (von 1755) hat sich Figaro als Barbier selbständig gemacht, aber er hilft dem Grafen weiterhin mit Schlauheit und Einfallsreichtum. In der zweiten Komödie (1785) ist Figaro wieder Kammerdiener des Grafen und braucht nun seine ganze Schlauheit, um den Grafen zu hindern, seiner Verlobten erfolgreich nachzustellen.

Als Rossini sich am 15. Dez. 1815 verpflichtete, für den 5. Februar 1816 (Karneval in Rom) eine Komische Oper zu schreiben, wusste er nicht, worauf er sich einließ; er kannte, als er in Rom eintraf, noch nicht einmal das Textbuch, das seiner Oper buffa zugrunde liegen sollte. Schließlich legte man ihm Beaumarchais‘ ‚Barbier‘ vor, der schon zehn Mal vertont worden war, u. a. 1782 sehr erfolgreich von Giovanni Paisiello (1740-1816). 20 Tage braucht Rossini für die Niederschrift; er selbst erzählt, dass er sich während dieser Arbeit am ‚Barbier‘ nicht rasiert habe - so war er am zeitraubenden Ausgehen gehindert. Freilich hat er einige Teile, vor allem die wunderschöne Ouvertüre, aus früheren Werken übernommen (Der 24-Jährige hatte immerhin schon 16 Opern geschrieben!). Das römische Publikum nahm ihm übel, dass er es gewagt hatte, mit Paisiello zu konkurrieren; und es gab einen Theaterskandal erster Güte: die Erstaufführung am 20. Februar ging in einem Riesen-Tumult unter.

Irgendwie passend; denn Tumult-Szenen sind das Markenzeichen von Rossinis ‚Barbier‘. Wie aus einem Nichts an Handlung und auch an Tönen allmählich ein Riesen-Tumult entsteht, das ist einmalig in der Musikgeschichte und charakteristisch für die Kompositionsweise Rossinis; nicht nur im Großen - grandios das Finale des Ersten Akts -, sondern auch im Einzelnen, z. B. in der berühmten Cavatina des Figaro, in der dieser sich als das Faktotum der schönen Welt preist: Durch ständiges Wiederholen eines kurzen Motivs, durch höchst gestraffte Rhythmik und durch allmähliche Zunahme der Lautstärke wird die Musik zu immer größerer Wirkung vorangetrieben, ja vorangepeitscht, und das meist in einem solch hals- bzw. zungenbrecherischen Tempo, dass man über die Maulfertigkeit der Sänger nur staunen kann. Ein weiteres großartiges Beispiel: Basilios ‚Verleumdungsarie‘ steigert sich vom Beginn der Verleumdung, dem „kaum vernehmbaren Lüftchen“, bis zu deren vollen Entfaltung, dem „Brüllen der Kanonen“. Monsieur Crescendo‘ nannte man Rossini in Paris ehrfurchtsvoll.

Diese beiden Arien entsprechen nicht dem Belcanto-Stil – der ist den vornehmeren Personen vorbehalten; möglicherweise deutet der Koloraturen-Leerlauf dieses Vornehme-Leute-Belcantos auf eine leichte Ironisierung und möglicherweise meint Heinrich Heine eine solche Ironisierung, wenn er von den „staatsgefährlichen Trillern und revolutionärrischen Koloraturen“ des ‚Barbier‘ spricht. Der Gesang der einfachen Leute wie Figaro und Basilio ist dagegen sehr bodenständig.

Ob verzierter Belcanto oder virtuose Schlichtheit: die Arien aller Personen sind eingängige und doch höchst raffinierte melodische Einfälle, die Orchesterbegleitung ein Feuerwerk von großer Farbigkeit - insgesamt ein Genuss, den man sich nicht entgehen lassen sollte.

Freitag, den 28. Dezember 2001; Aufführung der Rumänischen Nationaloper Iasi



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