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Johannes Brahms
(1833-1897)

Sonate für Violine und Klavier A-Dur op. 100 (‚Thuner Sonate‘)

Allegro amabile
Andante tranquillo/Vivace – Andante/Vivace di più – Andante/vivace
Allegretto grazioso. Quasi Andante

‘Thuner Sonate’ nennt man die Violinsonate op. 100, da sie - wie die Cellosonate in F und das Klaviertrio in c - 1886 in Thun entstand, wo Brahms drei Sommer verlebte. Sie ist idyllisch insgesamt wie die Landschaft, in der sie entstand – ‚amabile’, ‚tranquillo’, ‚grazioso’ heißt es in den Satzbezeichnungen -, während die beiden anderen Werke dieses Sommers von Leidenschaft und Pathos bestimmt sind (siehe zu Cellosonate op. 99).

Man kann sich gut ausmalen, wie Brahms auf seinen Spaziergängen in dieser idyllischen Landschaft über die Melodien nachsinnt, die ihm einfallen, und sich vorstellt, wie sie zu einem Musikstück organisiert werden können, und wie er plötzlich von Radfahrern aufgeschreckt wird. Freunde berichten: „Das Fahrrad war ihm tief verhasst, weil diese oft so unvermutet an dem stillen Spaziergänger lautlos vorbeisausenden oder mit einem plötzlichen Signal ihn erschreckenden Maschinen seinen Gedankenfluss störten.“
Etwa die Gedanken „in Erwartung der Ankunft einer geliebten Freundin“. Dass die Sonate op. 100 in dieser Erwartung geschrieben wurde, wissen wir von Brahms selbst. Gemeint ist die junge Sängerin Hermine Spies, für die er im selben Sommer das Lied ‚Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn’ (op. 105/1) geschrieben hatte und das ein Jahr zuvor entstandene ‚Komm bald’.

Lyrisch ist das Hauptthema des Allegro amabile (liebenswert, lieblich), dessen erste Noten - sicherlich zufällig - identisch sind mit Wagners ‘Preislied’ (‚Morgendlich’),



Violinsonate Nr. 2 op. 100 Satz 1 Hauptthema



lyrisch das herrliche, teneramente (zärtlich) zu spielende zweite Thema - ein Anklang an eben jenes ‚Wie Melodien zieht es mir leise durch den Sinn’:



op. 100 S Satz 1 Thema 2



Energische Akzente sind seltener; es gibt sie im zweiten Teil des Satzes, der zunächst Motive des Hauptthemas in anderem Licht erscheinen lässt, dann aber ein neues, markantes, schon am Ende des ersten Teils vorbereitetes Thema einführt, das schließlich ins Verträumt-Liebliche verwandelt wird:



Violinsonate op. 100 Satz 1 Durchführungsthema



In veränderter Form wird im dritten Teil der erste wiederholt. Verträumt-lieblich beginnt der Schlussteil (‚Coda‘) mit Motiven aus dem Seitenthema. Vivace werden sie wiederholt und steigern sich zum Forte, kehren dann zurück zum Piano. Das Hauptthema klingt noch einmal an und mit markanten Akkordschlägen und – in der Violine – mit halben Noten, in Oktaven gespielt, endet dieses schöne ‚Allegro amabile‘.

Der Zweite Satz ist eine Verknüpfung von langsamem Satz (Andante F-Dur) und Scherzo (Vivace d-Moll)). Beide Satzteile, getrennt nur von einem köstlich überleitenden Akkord, wechseln einander dreimal ab. Beim zweiten Mal „sind beide Teile zugleich als Variationen ausgearbeitet.“ (Reclam) Beim dritten Mal erscheinen sie verkürzt, das ‚Vivace‘ zu einer knappen Abschluss-Formel; das Andante aber gewinnt in der Verkürzung an großer Intensität.

Schwärmerisch - auf der tiefsten Geigensaite - erklingt das schlicht und besinnlich anmutende Rondo-Thema des Dritten Satzes, das noch zweimal erscheint und auch in der Coda anklingt:



Violinsonate Nr. 2 op. 100 Satz 3 Rondo-Thema



Im ersten Zwischenspiel findet die Violine zweimal, zunächst suchend, begleitet von Arpeggio-Akkorden, eine kleine Melodie. Ein chromatisch getönter Übergang führt zurück zum Rondo-Thema. Das zweite Zwischenspiel ist energischer, dynamischer. Die zweite Wiederholung des Rondo-Themas hat von dieser Dynamik etwas übernommen. Das dritte Zwischenspiel ist mit dem ersten verwandt, aber bestimmter, weniger suchend und zögernd. So auch die Coda: Sie beginnt mit dem besinnlich-weichen Ton des Rondo-Themas, steigert sich dann zu einem kraftvollen, frischen Schluss.

April 2020



Violinsonate Nr. 1 G-Dur op. 78 / Violinsonate Nr. 3 d-Moll op. 108

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