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Ludwig van Beethoven
(1770-1827)

Liederzyklus ‚An die ferne Geliebte’ op. 98

1. Auf dem Hügel sitz ich, spähend
2. Wo die Berge so blau
3. Leichte Segler in den Höhen
4. Diese Wolken in den Höhen
5. Es kehret der Maien, es blühet die Au
6. Nimm sie hin denn, diese Lieder

Der folgende Text ist für ein Konzert geschrieben, in dem auch Schumanns Liederzyklus ‚Dichterliebe’ und seine C-Dur-Fantasie auf dem Programm standen.

Zwei Liedzyklen stehen auf dem Programm; gemeinsam ist ihnen das Grundthema: Liebessehnsucht. Der auffallendste Unterschied: Bei Schumann bedeutet Zyklus eine Sammlung von einzelnen Liedern, die zwar inhaltlich und musikalisch in innerem Zusammenhang stehen, von denen aber – mit Ausnahme vielleicht des ersten - jedes für sich steht und auch einzeln gesungen werden könnte. Bei Beethoven bilden die sechs Lieder ein in sich geschlossenes Ganzes; äußere Merkmale dieser Einheit: Motive des ersten Liedes werden - abgewandelt - in den weiteren Liedern immer wieder verwendet, und die einzelnen Lieder werden durch Zwischenspiele miteinander verbunden.
Ein weiterer Unterschied zwischen den beiden Zyklen: Die von Schumann vertonten Lieder Heines haben ihre eigene literarische Qualität; die unter dem einprägsamen Titel ‚An die ferne Geliebte’ vereinten Gedichte werden erst durch die Musik Beethovens geadelt. Geadelt durch Beethovens Vertonung wird auch deren Autor, Alois Jeitteles: Dieser junge Arzt hatte in Brünn mutig eine Seuche bekämpft; Beethoven sprach ihm seine Anerkennung aus und Jeitteles „schickte ihm darauf seine Gedichte, die Beethoven sogleich komponierte und im Oktober 1816 als Opus 98 veröffentlichte; er hat damit einem Unbekannten für eine gute Tat zum unvergesslichen Ruhm verholfen.“ (W. Oehlmann)

Gewidmet sind die Lieder Beethovens Gönner Fürst Joseph von Lobkowitz. Es wird vermutet, dass sie als Andenken an die Frau des Fürsten gedacht sind, die am 24. Januar 1816 im Alter von 40 Jahren starb, dass der Zyklus also im Sinne des Fürsten geschaffen wurde, der seine Frau sehr geliebt haben soll. Im Dezember desselben Jahres starb der Fürst ebenfalls.

Innige Schlichtheit als Ergebnis höchsten Kunstverstands macht diese Lieder so einmalig; wir wissen zum Beispiel aus den Skizzenbücher, dass Beethoven an der volkstümlich-einfachen Melodie des 1. Lieds lange gefeilt hat. Diese Melodie wird in allen fünf Strophen beibehalten, während die Begleitung bei jeder Strophe wechselt. Die drei ersten Strophen singen von der Ferne, die den Sänger von der Geliebten trennt. Dann heißt es: Nichts kann die Ferne überwinden außer der „Liedesklang“.

Mit schöner Wirkung weicht Beethoven im 2. Lied von diesem Prinzip des Strophenlieds ab, indem er in seiner Mitte die Melodie dem Klavier anvertraut und den Sänger auf einem Ton den Text mehr deklamieren als singen lässt. Sehr schön auch die Art, wie die Kurzverse dieses Lieds den Komponisten zu besonderer musikalischer Gestaltung angeregt haben.

Im 3. Lied finden die ‚leichten Segler’ („Klagt ihr, Vöglein, meine Qual“), die Winde und das Bächlein als Boten der „Seufzer“ und „Tränen“ ihre musikalische Gestalt in der bewegten Klavierbegleitung. Zunächst klingt das Lied wie ein herzlicher Liebesgruß, dann wird es zum Ausdruck der Seufzer und der Qual.

Auch die Pralltriller des 4. Lieds weisen auf die ‚leichten Segler’, dieses Mal auf ihr Gezwitscher. Bei den drei Strophen bedarf es keines Bruchs in der Stimmung. Der muntre Ton bleibt, weil der Sänger davon träumt, dass Vögel und Winde ihn zu der Liebsten mitnehmen und das Bächlein ihr Bild zurückbringt. Und er wacht aus diesem Traum nicht auf.

Trillerfiguren in der Begleitung des 5. Lieds weisen in den ersten vier Strophen auf die Schwalben, die sich ihr Liebesnest bauen: „Was Winter geschieden, verband nun der Mai,/Was liebet, das weiß er zu einen.“ Dem Sänger aber ist dies verwehrt: „Nur unserer Liebe kein Frühling erscheint.“ Beethoven bleibt auch bei diesem dramatischen Wendepunkt, der ja Anlass sein könnte für eine große tragische Geste in seiner Musik, beim schlichten Ausdruck, er will – wie der Textautor Alois Jeitteles – kein „Kunstgepräng“. Eine leichte Wendung nach Moll genügt.

Im letzten Lied, dem Höhepunkt des Zyklus - es spricht vom Lied als Boten der Liebe und von der vereinigenden Kraft der Musik - weicht Beethoven noch einmal vom Prinzip des Strophenlieds ab. Es beginnt mit einer ungemein tröstlichen Melodie, die in der dritten Strophe wiederholt wird. Schumann hat sie in einigen Werken, z. B. in der C-Dur-Fantasie, zitiert. Das Dämmrungsrot und das Verglühn des letzten Strahls in der 2. Strophe verlangen eine eigene, musikalisch höchst intensive Deutung. Und auch die jubelnde Schluss-Steigerung der 4. Strophe und des Nachspiels – nun mit der Melodie des 1. Lieds, damit sich der Kreis vollendet - sprengt den Rahmen eines Strophenlieds.

Mai 2021



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