Streichquartette
Gambensonaten
Cello-Suiten
Violine solo
Violine mit obligatem Cembalo
Flöte und Cembalo
Konzerte
Die Kunst der Fuge (Auswahl)
Orchestersuiten
Streichquartette
Violinsonaten
Cello Sonaten, Variationen
Klavierquartett
Klaviertrios
Lieder
Streichtrios
Streichquartette
Violinsonaten
Werke mit Bläser
Streichquintett
Opern
Berg
Biber
Streichquartette
Streichquartette
Chormusik
Cellosonaten
Horn-Trio
Klavier zwei- und vierhändig
Klaviertrios
Klavierquartette
Klavierquintett
Lieder
Streichquartette
Streichsextette
Violinsonaten
Werke mit Klarinette
Kammermusik
Bruch Kammermusik
Busoni Kammermusik
Chausson
Chopin
Clarke Kammermusik
Concerto grosso
Czerny Beethoben
Streichquartett
Sonaten
Klaviermusik
Deux Danses für chromatische Harfe und Streichorch
Dohnányi Kammermusik
Klaviertrios
Klavierquartette
Klavierquintette
Terzette
Streichquartette
Violine und Klavier
Streichquintette
Orchester Bläsersextett
Cello und Klavier
Kammermusik
Kammermusik
Kammermusik
Frid Kammermusik
Glinka Kammermusik
Klaviertrios
Oratorium
Streichquartette
Kammermusik
Orchester- und Chormusik
Sonaten

Béla Bartók
(1881-1945)

Streichquartett Nr. 5 B-Dur (1934)

Allegro
Adagio molto
Scherzo: Alla bulgarese
Andante
Finale: Allegro vivace

Ein Blick auf das Fünfte Quartett zeigt eine bewundernswerte Kompositionstechnik im Großen wie im Detail. Im Großen: Der ‚Erste Satz‘ korrespondiert mit dem ‚Fünften‘, die beiden langsamen Sätze entsprechen sich, indem der zweite eine Variation des ersten ist; im Zentrum steht das Scherzo. Diese Symmetrie im Aufbau hat man als Brücken- oder Bogenform bezeichnet, was folgende Skizze veranschaulichen kann (vgl. zum Quartett Nr. 4):



    Scherzo    
  Adagio molto   Andante  
Allegro       Allegro vivace


Im Detail bevorzugt Bartók die Arbeit mit kleinsten Motiven, ein ständiges Variieren, auch zwischen Chromatik und Diatonik (Dur-Moll-System, Kirchentonarten), seit dem 4. Quartett einen vermehrten Einsatz der Kontrapunktik.

Der Erste Satz ist – hier hält sich Bartók an die Tradition – ein klassischer Sonatensatz. In seinem ersten Teil werden drei Themen vorgestellt. Das erste besteht aus Tonwiederholungen, die rhythmisch variabel unterteilt sind, das zweite ist charakterisiert durch große Intervallsprünge und extrem synkopierten Rhythmus, das dritte (chromatisch und in Triolen) ist das lyrische Seitenthema. Der mit den Tonwiederholungen beginnende und endende zweite Teil greift diese Themen auf, variiert sie, kombiniert sie, fügt ein neues Thema hinzu, das an Jazz denken lässt und das Bartók mit allen kontrapunktischen Künsten gestaltet. Der dritte Teil kehrt zum ersten zurück. Bartóks Interesse an axialer Symmetrie (s. o. Bogenform) führt dazu, dass nun die drei Themen des ersten Teils in umgekehrter Reihenfolge erscheinen und auch die Tonfolge der Themen sich umkehrt.

Symmetrie findet sich auch im Adagio: drei musikalische Gedanken werden vorgestellt: der erste durch Triller bestimmt und durch ein Wechseln von je zwei Achteln von Instrument zu Instrument über einem chromatischen Motiv des Cellos; der zweite: eine figurierte Oberstimme wird von choralartigen Akkorden begleitet; der dritte - besonders eindrucksvoll - ist erkenntlich an dem durchgehenden Tremolo der Zweiten Violine und an den anrührenden Ansätzen zu einer ‚schönen‘ Melodie. Diese drei Gedanken werden dann - stark verkürzt - in umgekehrter Reihenfolge wiederholt.

„Der musikalische Ausdruck, der in der Folklore verborgen ist, muss absorbiert werden“. (Bartók) Wie Bartók Folkloristisches absorbiert, wird am intensivsten deutlich im Scherzo alla bulgarese. Die traditionelle Dreiteilung des Scherzos ist beibehalten: Die Außensätze A umschließen den Mittelteil B. Und auch die Außensätze sind dreigliedrig, auch hier umschließen die Außenteile mit einem aus Bögen weich geschwungener Achtel bestehenden Thema



Streichquartett 5 Satz 3 A Thema 1



den Mittelteil, der ein schärfer akzentuiertes Motiv



Streichquartett 5 Satz 3 A Thema 2)



und später dissonante Akkordschläge hinzufügt. Das dritte Glied, das die weichen Achtel wieder aufnimmt, ist stark gekürzt.
Bizarr ist das Mittelstück des Scherzos, das ‚Trio‘: Durchgehend spielt die 1. Violine eine Achtel-Figuration,



Streichquartett 5 Satz 3 Trio



die im Pianissimo beginnt und, nachdem 2. Violine und Bratsche sich an diesem „Flirren“ (Villa Musica) beteiligen, sich zum Fortissimo steigert, auch jeweils um einen Halbton nach oben steigt. Nach einigen Takten setzen Bratsche, dann das Cello mit einem Volkslied-Thema ein (in rilievo – sich abhebend zu spielen),



Streichquartett 5 Satz 3 Trio Volkslied-Thema



das sich im Fortissimo mit dem Flirren vermischt und schließlich ins Einsame abebbt.
Der A-Teil des Scherzos wird verändert aufgegriffen. Das schärfer akzentuierte Motiv wird dabei zu einem ausgelassenen Tanz, der aber doch wieder im Pianissimo endet.

Das Andante ist eine stark veränderte und erweiterte Variation des ‚Adagios‘. Die Triller zu Beginn dieses ‚Zweiten Satzes‘ werden nun zu Pizzicati und Glissandi und zur Kombination von beiden. Das Choralartige im ‚Adagio‘ wird zu tremoloähnlichen Akkorden verfremdet. Ein weiteres Motiv aus dem Zweiten Satz wird als Kanon verwendet. Hier die Antwort des Cellos auf die 1. Violine:



Streichquartett 5 Satz Satz 4 Kanon-Thema



Die 2. Violine wirft hier gespenstisch wirkende Zweiunddreißigstel-Gruppen ein. In einem vierten Abschnitt werden die Figurationen über den choralartigen Akkorden aus dem zweiten Satz in intensive Chromatik verwandelt, die alle Instrumente ergreift. Nach diesen vier ruhigeren Episoden folgt mit einem neuen Motiv (auf- und ansteigende kleine Terz) ein Ausbruch ins ‚Barbarische’, Hochdramatische. Nach und nach beruhigt sich der Aufruhr (poco a poco calmandosi), wenn das Choralmotiv hinzukommt, und nach einem kurzen Ausbruch durch ein hartes Tremolo (col legno) endet der Satz versöhnlich mit Pizzicati-Glissandi und einem einzelnen letzten Pianissimo-Ton.

Nach einem ruppigen Beginn, der als Ansatz eines Rondo-Themas verstanden werden kann,



Streichquartett 5 Satz 5 Rondo-Thema



wird ein erstes Thema des Final-Satzes vorgestellt:



Streichquartett 5 Satz 5 Thema 1



Variationen dieses Themas wechseln ab mit solchen seiner Umkehrung. Einer Wiederholung des Rondo-Themas folgt eine zweite Episode:



Streichquartett 5 Satz 5 2. Zwischenstück



Spätestens hier wird deutlich, warum Reclams Kammermusikführer von „einer rhythmisch-kontrapunktischen Geniestudie“ schreibt. Nach der zweiten Wiederholung des Rondo-Motivs führt Bartóks Freude an kontrapunktischer Arbeit zu einer großartig fugierten Verarbeitung eines Themas, das sich an das erste Thema aus dem Ersten Satz anlehnt und wie auf galoppierenden Pferden daherkommt. Nach der dritten Wiederholung des Rondo-Themas zeigt ein kurzes hübsches ‚Allegretto capriccioso‘ mit Glissandi, Pizzicati und Trillern Bartóks Sinn für Humoriges. Einer letzten Wiederholung folgt ein Rückgriff auf das erste Thema, das mit seinen Variationen den weiteren grandiosen Verlauf bestimmt. Für eine kurze Unterbrechung sorgt eine groteske Imitation eines Leierkastens. Humor ist im Spiel dieses Satzes, vor allem aber viel dramatisch-vitale Wucht.

März 2020



Streichquartett Nr. 4 (1928) / Streichquartett Nr. 6 (1939)

HaftungsausschlussImpressum