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W. A. Mozart (1756-1791)
Quartett für 2 Violinen, Viola und Violoncello Es-Dur KV 428
Allegro non troppo Andante con moto Menuetto: Allegro Allegro vivace
Zur Entstehung siehe KV 387
Das Quartett KV 428 gehört zu den sechs Quartetten, die Mozart zum Zeichen seiner Verehrung seinem lieben Freund Haydn („caro amico Haydn“) gewidmet hatte. Mozart hat Haydn wie einen Vater geliebt. Und Haydn hat die Verehrung und Liebe Mozarts erwidert. Leopold Mozart hatte seinen Sohn 1785 in Wien besucht; es gab einen Kammermusikabend im Hause Mozart mit KV 428, 464 und 465; Haydn war anwesend, hat dann den Vater beiseite genommen und ihm gesagt: „Ich sage Ihnen vor Gott, als ein ehrlicher Mann, Ihr Sohn ist der größte Componist, den ich von Person und dem Namen nach kenne.“ Zwei Jahre später schreibt Haydn an einen Musikfreund in Prag: „Denn könnt ich jedem Musikfreunde ... die unnachahmlichen Arbeiten Mozarts so tief und mit einem solchen musikalischen Verstande, mit einer so großen Empfindung in die Seele prägen, als ich sie begreife und empfinde: so würden die Nationen wetteifern ein solches Kleinod in ihren Ringmauern zu besitzen. ... Mich zürnet es, dass dieser einzige Mozart noch nicht bei einem kaiserlichen oder königlichen Hofe engagiert ist. Verzeihen Sie, wenn ich aus dem Geleise komme: ich habe den Mann zu lieb.“
Unnachahmlich ist auch das Streichquartett KV 428 in Es aus dem Jahr 1783. Es-Dur bedeutet bei Mozart heitere Festlichkeit; nicht so in diesem Quartett. In ihm ist Heiterkeit immer, einmal mehr, einmal weniger, verschleiert durch eine elegische Stimmung. Es ist, als ob die Chromatik des ungewöhnlichen Hauptthemas im Ersten Satz
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den Ton des gesamten Quartetts beeinflusst. Bei der Wiederholung des zunächst unisono dargestellten Themas wird der elegisch-dramatische Eindruck noch verstärkt. Auch das marschähnliche Seitenthema kann nicht das Bedrückte der Stimmung verdrängen. Der zweite Satzteil, der das bisher Gehörte durch Abwandlungen bereichert, beginnt mit einer harmonisch und rhythmisch ins Radikale veränderten Gestalt des Hauptthemas. Das Anfangsmotiv des Seitenthemas verbindet sich mit auf- und absteigenden gebrochenen Akkorden in einem Tanz farbigster Harmonien. Der dritte Teil des Satzes greift den ersten mit intensiven Veränderungen des Beginns wieder auf.
KV 428 sei „das eigenartigste der sechs Haydn gewidmeten Werke“ liest man in einer Einführung von ‚Kammermusik Basel‘. Davon zeugt der Erste Satz und mehr noch das Andante con moto. Dieser zweite Satz ist mit seinen kühnen Modulationen einer der ungewöhnlichsten langsamen Sätze im Quartettschaffen der Klassik. Vor allem der Einsatz von Halbtonschritten (Chromatik) führt zu harmonischen Wendungen, die an manchen Stellen dissonant erscheinen. Man sollte aber vor Überraschung über das Besondere nicht überhören, welch schöne Musik hier geschrieben wurde. Zwei Themenkomplexe füllen den ersten Teil des Satzes, und sie gleichen sich im Ausdruckgehalt. Das erste ist mehr akkordisch gesetzt, das zweite
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mehr kontrapunktisch. Der Mittelteil greift auf Motive des ersten Komplexes zurück und kann die Intensität des ersten Teils noch steigern; Quintsprünge aufwärts werden ein bestimmendes Element. Aufgabe des dritten Teils ist der Rückgriff auf den ersten; hier geschieht der Rückgriff nicht ohne beeindruckende Erweiterungen.
„Das entzückende Menuett beginnt mit ein paar gravitätischen Akkorden“ (Reclam), die den weiteren Verlauf der Ecksätze gliedern: Es gibt fließende Achtel, meist gebunden, aber auch staccato gepielt, es gibt eine hübsche Melodie mit punktiertem Auftakt, gefolgt von einem ländlichen Bordun-Klang und, akkordisch begleitet, eine noch reizendere:
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Die Stimmung bleibt verhalten und wird wehmütig im Mittelteil des Satzes, dem Trio: Zunächst scheint es freundlich in Es-Dur weiterzugehen, doch schnell wird die Melodie nach Moll gewendet, was zusammen mit der Chromatik der sanft gleitenden Achtel eine starke Eintrübung bewirkt - eine ländliche Idylle in melancholischen Farben.
Das Finale wird eröffnet mit einer schlichten, akkordisch begleiteten Tanzweise (Contretanz),
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der lebendige Sechzehntelfiguren folgen. Einige Takte lang erscheint diese Tanzweise in eingetrübter Form und wird dann in ihrer Originalgestalt wiederholt. Der Aufbau dieses Themenbereichs ist etwas schwierig darzustellen, weil die einzelnen Abschnitte noch wiederholt werden. Das Zuhören dagegen ist einfach. Ein zweites Thema mit Staccato-Achteln
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wirkt ebenfalls schlicht, erhält aber später noch eine wesentliche Funktion. Eine längere Überleitung aus Sechzehnteln führt zu einem dritten Thema, das seinen ganz eigenen Reiz hat (hier in der Fassung des nächsten Satzteils):
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Ein längeres Spiel mit diesem Thema, ein Nachspiel mit Sechzehntelfiguren und ausgedehnten Achtel-Abschluss-Phrasen führen zur Wiederholung des bisher Gehörten. In diesem zweiten Teil wird vor allem das zweite Thema verändert. Es verliert seine Schlichtheit und bekommt durch schöne farbige Harmonien einen besonderen Glanz; zudem wird es mit einem konzertanten Nachspiel versehen. Dann geht es mit einigen Veränderungen weiter wie im ersten Teil. Ein letzter Anklang an die Tanzweise beendet den meist unbeschwert-spielerisch dahinfließenden Satz.
Juni 2020
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KV 421 d-Moll / KV 458 B-Dur
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