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Wolfgang Amadeus Mozart
(1756-1791)

Thema mit Variationen über ‚Unser dummer Pöbel meint‘ KV 455

Das Thema ist der komischen Oper ‚Die Pilger aus Mekka‘ von Christoph Willibald Gluck entnommen. Gluck hatte Mozart zu einem freundschaftlichen Essen eingeladen, war dann am 23. März 1783 in Mozarts Konzert gekommen, und als das Publikum eine Zugabe erklatschte, wählte Mozart zu Ehren des besonderen Gastes dessen Arie ‚Unser dummer Pöbel meint‘: Ein mohammedanischer Bettelmönch macht sich in ihr über die Verehrung durch das Volkes lustig. Erst gut ein Jahr später schrieb Mozart die Variationen auf, und es ist seinem genialen Gedächtnis zuzutrauen, dass es dieselben waren, die er zu Glucks Ehren improvisiert hatte –„ein Meisterstück der Gattung“ (Reclam) mit humorigen Tönen. Schon wie das simple Thema eingeleitet ist, unisono mit Verstärkung des Basses, macht den ironisch-höhnischen Ton des Mönchs hörbar. Auch in den Variationen ist Humoriges zu entdecken, z. B. durch die Vorschläge (‚Schleifer‘) in der zweiten Variation. Man kann die Variationen aber auch ‚nur‘ als schöne Musik auffassen, z. B. die Freundlichkeit der dritten Variation. In der vierten wirkt das Thema solo in Bassoktaven wohl etwas skurril wie in der fünften, der Moll-Variation, die aufsteigende Basslinie. Die Chromatik verschärft die Melancholie, die mit dem Moll einhergeht. Ungewöhnlich sind die Trillerketten der sechsten Variation. Reizend die siebte mit ihrem Moll-Beginn, ihren kontrapunktischen und harmonischen Verflechtungen und köstlich die achte, in der das Thema im Wechsel von Bass und Sopran erscheint; die Sopranstimme wird mit der übergreifenden linken Hand gespielt. Tschaikowsky hat die Variationen in prächtiger Weise für Orchester bearbeitet und lässt hier das Thema durch ein Glockenspiel erklingen. Dramatisch wird es, wieder durch den Einsatz chromatischer Elemente, gegen Schluss dieser Variation, die durch Sechzehntel-Figurationen und eine Kadenz verlängert wird. Die 9. Variation ist ein Adagio, in dem das Thema durch viel Verzierung umspielt wird. In der 10. Variation wechselt die Taktart vom Vier-Viertel-Allabreve zu 3/8, wodurch das schwerfällige Thema plötzlich spritzig-munter wird. Es steigert sich zu einigen konzertanten Takten, eine Kadenz unterbricht, das Konzertante wird fortgesetzt und klingt ab zum zarten Übergang für die Coda, deren Schlusstakte noch einmal das Humorige durchscheinen lassen.

September 2019



Sonate für Klavier zu vier Händen D-Dur KV 381 / Klaviersonate c-Moll KV 457

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