Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791)
Sonate für Klavier zu vier Händen C-Dur KV 521
Allegro Andante Allegretto
Die Gattung ‚Klavier zu vier Händen‘ ist mit Mozart entstanden. Als Kind lernte er sie kennen, als er mit Eltern und Schwester Nannerl 1764 nach London reiste und den berühmten Bach-Sohn Johann Christian besuchte, bei dem er herzlich aufgenommen wurde und das Klavierspiel „à quatre mains“ mit ihm probieren konnte. 1765 schrieb er ein solches Klavierstück, um es mit seiner Schwester vorzutragen. Und Mozart ist dieser Gattung treu geblieben. Es geht ja nicht darum, dass der Komponist die Musik auf zwei Pianisten an einem Instrument verteilt, damit ein einzelner es nicht so schwer hat, sondern es geht um alternative kompositorische Ausdrucks- und Klang-Möglichkeiten. Gerade KV 521 zeigt, dass beide Pianisten Virtuosen sein müssen. Eine Voraussetzung für ein solches vierhändiges Spiel war, dass die Tasten und die gesamte Klaviatur breiter wurden. So entstanden mit und nach Mozart große Werke für diese Gattung. Mozarts Problem war nicht mehr die Technik seines Instruments, sondern einen pianistisch gleichrangigen Mitspieler, am liebsten eine Mitspielerin zu finden. In seiner Schülerin Franziska von Jacquin fand er eine solche für die C-Dur–Sonate. Deren Bruder wurde Ende Mai 1787 von Mozart beauftragt, ihr die Noten zu überbringen: „Die Sonate haben sie die Güte ihrer frl: Schwester nebst meiner Empfehlung zu geben; – sie möchte sich aber gleich darüber machen, denn sie seye etwas schwer.“
Glanzvoll, vornehmlich durch den C-Dur Dreiklang zu Beginn, präsentiert sich das Hauptthema des Ersten Satzes, freundlich sein Seitenthema, das ein wenig gestört wird durch Sechzehntel-Einwürfe des Partners. Im zweiten von den drei Teilen eines solchen klassischen Sonatensatzes werden nach der Tradition die Themen des ersten Teils variiert, neu geordnet und angereichert. Mozart verzichtet hier auf diese traditionelle Ordnung; er erfindet ein neues Thema und macht ein selbständiges kleines Zwischenstück daraus. Der dritte Formteil eines solchen Sonatensatzes entspricht üblicherweise im Wesentlichen dem ersten. Dieses Mal hält sich Mozart an die Tradition und verändert den ersten nur wenig.
Ein ruhiger, anmutiger Themenbereich, nach dem Prinzip A B A aufgebaut, wobei A ebenso wie B A wiederholt werden sollen, macht den ersten Teil des Andante aus. Der zweite Teil steht in jeder Hinsicht im Kontrast zum ersten: Er steht in Moll, er ist unruhig, ja beunruhigend durch Zweiunddreißigstel-Akkordbrechungen und auffällige harmonische Wendungen; die Melodie ist hart gefügt, ebenso wie die abwärtsgehenden Bässe. Als ausgleichender Abschluss folgen der anmutige Themenbereich und eine schöne Coda.
Wunderschön ist das Rondo-Finale und fesselnd auch durch die Virtuosität, mit der es zum Vortrag kommt. Das dreiteilige (A B A) Rondo-Thema selbst ist eher schlicht, und es ist höchst eingängig, auch weil der A-Teil häufig wiederholt wird. Das erste Zwischenspiel zwischen dem Rondo-Thema und seinen Wiederholungen setzt ein mit einem Dreiklang abwärts, forte und unisono gespielt, und es setzt sich fort mit reizendem virtuosen Spiel. Das zweite Zwischenstück beginnt wieder mit einem Dreiklangsmotiv, nun aufwärts. Und sogleich einen Ton tiefer gerückt ein zweites Mal. Diese Doppelung wiederholt sich mehrmals und auch sonst ist dieses Zwischenstück reicher, reicher an hübschen kurzen Motiven, reicher an Virtuosität und an harmonischen Wendungen; eine besonders reizvolle Wendung findet sich beim Übergang zur zweiten Wiederholung des Themas. Und dieser Reichtum kann beim dritten Zwischenspiel noch ein wenig gesteigert werden. Die dritte Wiederholung des Rondo-Themas beschränkt sich auf den Anfangsteil, denn dann beginnt die Coda, die diesen köstlichen Finalsatz mit einem besonders köstlichen Ausgang beschenkt.
September 2019
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