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Klausur 13.2 Grundkurs 17. März 1993

4 Unterrichtsstunden
Anzahl der Wörter: 128

Die Trojaner sind an ihrem Bestimmungsort, Latium, angekommen, werden aber von den Völkern Latiums, vor allem von den Rutulern unter der Führung des Turnus angegriffen; das Lager der Trojaner wird umzingelt.

Juppiter hat die Götter zusammengerufen und eröffnet die Versammlung:

1 "Caelicolae magni, quianam sententia vobis
2 versa retro tantumque animis certatis iniquis?
3 Abnueram bello Italiam concurrere Teucris.
4 Quae contra vetitum discordia, quis metus aut hos
5 aut hos arma sequi ferrumque lacessere suasit?
6 Adveniet iustum pugnae - ne arcessite - tempus;
7 cum fera Karthago Romanis arcibus olim
8 exitium magnum atque Alpis immittet apertas,
9 tum certare odiis, tum res rapuisse licebit.
10 Nunc sinite et placitum laeti componite foedus."
11 Iuppiter haec paucis; at non Venus aurea contra
12 pauca refert:
13 "O pater, o hominum rerumque aeterna potestas
14 (namque aliud quid sit, quod iam implorare queamus?),
15 cernis, ut insultent Rutuli....
...
16 Si sine pace tua atque invito numine Troes
17 Italiam petiere, luant peccata neque illos
18 iuveris auxilio; sin tot responsa secuti,
19 quae superi manesque dabant, cur nunc tua quisquam
20 vertere iussa potest aut cur nova condere fata?"



Erläuterungen zur Klausur 13.2 GK

zu 1: caelicola, ae m. – Himmelsbewohner, Gott, Gottheit; quianam? - wie? warum?

zu 1/2: 'sententia alicui versa (ergänze: est) retro' wörtlich: die Meinung ist jemandem zurückgewendet;
gemeint ist: jemand ist zu seiner früheren Meinung zurückgekehrt, oder auch nur: jemand hat seine Meinung geändert

zu 2: tantum - so sehr;

zu 3: abnuere, o nui – abwinken, ablehnen; occurrere, o zusammenstoßen, anrennen; Teucri, orum –
Trojaner, beachte: in der Verssprache Dativ statt präpositionaler Ausdruck

zu 4: vetitum - Verbot; quis = qui

zu 4/5: aut hos aut hos - entweder diese oder jene; Achtung: trotz zweier Subjekte das Prädikat im Singular (auch im Deutschen möglich)

zu 5: ferrum lacessere (wörtlich: das Eisen herausfordern) - den Krieg beginnen; suadere aliquem mit Infinitiv: jemanden dazu bringen, etwas zu tun

zu 7: cum - wenn

zu 8: exitium – Verderben; Alpes, ium f. - Alpen; immittere - hineinschicken, bringen, über einen kommen lassen; Alpis apertas - die offen zugänglichen Alpen; sie waren das Verderben für die Römer, so dass Vergil hier 'exitium' und 'Alpes' vom Satzbau her gleichwertig nebeneinandersetzt. Die Vorstellung, dass Karthago die Alpen bringt, ist ungewöhnlich, übersetze trotzdem wörtlich.

zu 9: 'res rapere' hier: die Waffen ergreifen

zu 10: sinere,o, hier: sein lassen, ablassen, aufhören; 'laeti' Prädicativum

zu 11: zu 'paucis' ergänze: verbis;

zu 11/12: 'non' gehört zu 'pauca'; contra referre - entgegenhalten ('contra' hier Adverb, nicht Präposition)

zu 14: namque = nam; 'sit' hier Vollverb; quire,queo (wie 'ire' konjugiert) - können

zu 15: ‚cernere‘ hier: sehen; ut: ind. Fragesatz; insultare – (ver)höhnen

zu 16: Troes - Trojaner

zu 17: petiere = petiverunt; luere, o – büßen, luant: Konjunktiv der Erlaubnis

zu 17/18: neque iuveris = et ne iuveris (Prohibitiv);

zu 18: responsum – Antwort, Orakelspruch; zu 'secuti' ergänze: sunt

zu 19: quisquam = aliquis (Andeutung auf Juno)

zu 20: iussum - Befehl



Übersetzung
(Zum Stil der Übersetzung: Die Schüler sind gewohnt, in Zweifelsfällen eher näher am Text als zu frei zu übersetzen; so sollten die Schüler zur größtmöglichen Genauigkeit bei der Analyse lateinischer Texte erzogen werden.)

Große Himmelsbewohner/Götter, warum habt ihr eure Meinung geändert (Warum ist euch die Meinung zurückgewendet/Warum seid ihr zu eurer früheren Meinung zurückgekehrt) und streitet so sehr mit feindseligem Sinn? Ich hatte verboten, dass Italien im Krieg mit den Teukrern zusammenstößt/gegen die Teukrer anrenne. Welche Zwietracht gegen das Verbot, welche Furcht hat diese oder jene dazu gebracht, den Waffen zu folgen und den Krieg zu beginnen? (Welche Furcht hat geraten, dass die oder die den Waffen folgen und das Schwert herausfordern?) Es wird die rechte Zeit für den Krieg kommen, ruft sie nicht herbei; wenn das wilde Karthago einst den römischen Burgen/Festungen das große Verderben und die offen zugänglichen Alpen bringen wird, dann wird es erlaubt sein, mit Hass zu kämpfen, dann die Waffen ergriffen zu haben. Nun lasst ab und bewahrt heiter das festgesetzte Bündnis/schafft froh einen friedlichen Bund.“
Jupiter sagte dies mit wenigen Worten, aber nicht wenige Worte hielt die goldene Venus entgegen:
„O Vater, o ewige Macht der/über Menschen und Dinge (denn was könnte es anderes geben, was wir jetzt anflehen könnten?), du siehst, wie die Rutuler höhnen. Wenn ohne deine Zustimmung und gegen göttlichen Willen die Troer Italien aufgesucht haben, mögen sie ihr Vergehen büßen und du hilf jenen nicht mit deinem Beistand; wenn sie aber so vielen Orakelsprüchen gefolgt sind, die die Himmlischen und die Manen gaben, warum kann nun einer die Befehle umkehren oder ein neues Schicksal gründen?“


Interpretationsaufgaben
(Verhältnis Übersetzung - Interpretation: 2 : 1)

I.
a) Schreiben Sie die Verse 2 und 9 ab und skandieren Sie sie, indem Sie über die betonten Längen (Versfußbeginn bzw. Taktanfang, im Deutschen: Hebungen) Akzente setzen (Es muss deutlich werden, welche Silbe gemeint ist.)! Elisionen müssen durch Bögen gekennzeichnet werden (ٮ).

b) Machen Sie durch einen senkrechten Strich deutlich, wo eine Zäsur vorliegt, und schreiben Sie über den Strich, um welche Zäsur es sich handelt: T, P, H!


II. Analysieren und interpretieren Sie die Klangwirkung der Verse 4 und 5!


III. Zu Vers 16 bis 20: Nennen Sie (mit entsprechenden Belegen) die rhetorischen Mittel dieses Textausschnittes!


IV. Wie stellt sich im Text die Beziehung zwischen fatum, Juppiter, Venus und Juno dar? Genaue Belege!


V. Welche Funktion haben die 'responsa' (V.18)?


VI. Welche Funktion im Hinblick auf das fatum hat Juno im Geschehensablauf und Endziel der 'Aeneis'?
(nicht genügend abgegrenzt zu Aufg. IV.)


VII. Zu den Versen 6 - 9: Worauf gründet sich die Sicherheit des 'adveniet' und wie ist das 'iustum' zu verstehen (Geschichtsverständnis Vergils)? – genauer formulieren!


VIII. In welchem Zusammenhang steht die Gestalt der Dido mit dem 'iustum tempus pugnae'?


Skizzierung der Lösungen

zu II.
Häufung der harten Konsonanten k, t, s; verstärkt klanglich die Empörung Juppiters, dass gegen sein Verbot verstoßen wird;

zu III.
Alliteration: si ... sine; petiere ... peccata, cur ... condere
Anapher, Verdopplung, rhetorische Frage, Ironie: cur ... cur
Antithese: si ... sin
Chiasmus: luant peccata – illos iuveris
Direkte Anrede
Ellipse
Hendiadyoin: sine pace ... invito numine
Homoioteleuton: sine pace atque numine
Parallelismus: tua vertere iussa – nova condere fata
Sperrung: tua … iussa; nova … fata
Verdeutlichung: iuveris auxilio

zu IV.
Juppiters Wille = unwandelbares Fatum; aeterna potestas – abnueram – contra vetitum – quid aliud ... - adveniet iustum tempus – tua iussa – numine;

Venus als Mutter des Aneas auf Seiten der Troer, fordert, wenn auch resignierend, die Erfüllung des Fatums; sie will, dass nicht Juppiters Befehle geändert werden (‚vertere iussa’), dass nicht ein neues Schicksal gegründet wird (‚nova condere fata);

Juno gegen die Troer, weil sie gegen Venus und Paris ist und für Karthago steht; sie will das Schicksal ändern; treibt es aber weiter, indem sie es hemmt, gegen ihren Willen weiter. Aufhalzen kann sie es nicht.

zu V.
Durch Orakelsprüche wird den Menschen (Anchises, Aeneas) das Schicksal verkündet, das sie mit ‚pietas’ vernehmen. Diese Orakelsprüche sind nicht deutlich/eindeutig; so offenbaren nur schrittweise. (eventuell nach VI. oder VII. stellen). Durch das Missverstehen der Orakelsprüche und das folgende Irren wird der Mensch reifer.

zu VI.
Juno will das Fatum – die Gründung Roms und die Herrschaft der Römer - verhindern, weil sie Beschützerin Karthagos ist, aber sie kann Fatum nicht aufhalten, nur hemmen. So bringt sie Leid in die Welt, das aber sinnvoll wird im Sinne des Fatums, indem es die Menschen reifer werden lässt (durch Leid lernen).

zu VII.
Juppiter ist Vollstrecker des unwandelbaren Fatums; daher weiß er, was das Schicksal bringt. – Was das Schicksal bringt, ist das Rechte. – Das Rechte ist auch der Krieg mit Karthago, da Karthago Rom an der Erfüllung des Fatums hindern will, d. h. an der Bestimmung, über die Welt zu herrschen und Frieden zu bringen. Der Krieg gegen Karthago ist also ein ‚gerechter’ Krieg, weil er um die ‚gerechte’ Weltherrschaft der Römer geführt wird.

zu VIII.
Der Fluch der verlassenen Dido führt unausweichlich zum Krieg – Rom ist also unschuldig an diesem Krieg, da Aeneas dem Fatum gehorchte. Eine weitere Entlastung Roms: Den Versöhnungsgesten des Aeneas in der Unterwelt steht die Unversöhnlichkeit der Dido entgegen, die zum Krieg führt.(Mythologische Begründung)



Klausur 10,1ff. Leistungskurs

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