Mann Thomas
Molière
Klausuren, Klassenarbeiten
Zusammenfasssung und Anm. Buch I und II
Textauswahl für den Unterricht erläutert
Vortrag über Thomas Morus und seine 'Utopia'
Alkipiades
Hamilkar
Hannibal
Themistokles
Bilder
Opitz, Martin
Ortheil Hanns-Josef
Ars amatoria
Metamorphosen
Plinius
'Im Westen nicht Neues'
Rodrian
Sallust
Wallenstein
Die Jungfrau von Orleans
Der Verbrecher aus verlorener Ehre
Maria Stuart
Tell
'Der Vorleser'
Rede
'Das siebte Kreuz'
an Lucilius
Über das glückliche Leben
Dramen
Antigone
König Ödipus
Der Schimmelreiter
Lulu von Strauss und Torney
Süßkind
Tibull
Trakl
Aeneis
Eklogen
Martin Walser
Robert Walser
'Das Gold von Caxamalca'
'Frühlingserwachen'
Die Ermittlung
Gedichte
'Parzival'

Tibull, Elegien

Buch I, Zehnte Elegie



Quis fuit, horrendos primus qui protulit enses?
°°°quam ferus et vere ferreus ille fuit!
tum caedes hominum generi, tum proelia nata,
°°°tum brevior dirae mortis aperta via est.
5 an nihil ille miser meruit, nos ad mala nostra
°°°vertimus, in saevas quod dedit ille feras?
divitis hoc vitium est auri, nec bella fuerunt,
°°°faginus astabat cum scyphus ante dapes.
non arces, non vallus erat, somnumque petebat
°°°10 securus varias dux gregis inter oves.
Vokabeln und Übersetzung siehe Klassenarbeit Klasse 10


tunc mihi vita foret vulgi nec tristia nossem
°°°arma nec audissem corde micante tubam.
nunc ad bella trahor, et iam quis forsitan hostis
°°°haesura in nostro tela gerit latere.
15 sed patrii servate Lares: aluistis et idem,
°°°cursarem uestros cum tener ante pedes.
neu pudeat prisco vos esse e stipite factos:
°°°sic veteris sedes incoluistis avi.
tunc melius tenuere fidem, cum paupere cultu
°°°20 stabat in exigua ligneus aede deus.
mico, cui, are: sich zuckend od. zitternd hin und her bewegen = zucken; neu = neve: und nicht




Hätte ich doch das Leben des einfachen Volkes damals und hätte ich nicht die rauen Waffen kennengelernt und nicht mit zitterndem Herzen die Tuba gehört. Jetzt werde ich zu Kämpfen herangezogen, und schon trägt vielleicht irgendein Feind die Waffen, die in meinem Leib haften werden. Aber rettet, ihr väterlichen Laren, ihr habt auch eben diesen Leib genährt, als ich als zarter Knabe vor euren Füßen lief, und nicht soll es (euch) mit Scham erfüllen, dass ihr aus einem alten Klotz gemacht wurdet; so habt ihr die alten Behausungen meines Großvaters bewohnt. Damals hielten sie besser die Treue, als mit bescheidener Verehrung im kleinen Haus stand der hölzerne Gott.





hic placatus erat, seu quis libaverat uvam
°°°seu dederat sanctae spicea serta comae:
atque aliquis voti compos liba ipse ferebat
°°°postque comes purum filia parva favum.
seu … seu: sei es dass … oder dass; libare: spenden, weihen, opfern, ausgießen; spiceus: Ähren-; serta, orum u. sertae, arum: Kränze; libum, i, n.: der Kuchen, Fladen, bes. als Opfer für die Götter; favus, i m.: Honig;


Hier war er versöhnt worden, sei es dass jemand Wein gespendet hatte, sei es dass er dessen heiligem Haar Ährenkränze aufgesetzt hatte. Und jemand, der teilhaftig war des Gelübdes (dessen Gelübde erhört worden war), brachte selbst die Opferkuchen und danach seine kleine Tochter als Begleiterin den reinen Honig.



25 at nobis aerata, Lares, depellite tela,
°°°hostiaque e plena rustica porcus hara.
hanc pura cum veste sequar myrtoque canistra
°°°vincta geram, myrto vinctus et ipse caput.
sic placeam vobis: alius sit fortis in armis,
°°°30 sternat et adversos Marte favente duces,
ut mihi potanti possit sua dicere facta
°°°miles et in mensa pingere castra mero.
quis furor est atram bellis accersere Mortem?
°°°imminet et tacito clam venit illa pede.
35 non seges est infra, non vinea culta, sed audax
°°°Cerberus et Stygiae navita turpis aquae:
illic percussisque genis ustoque capillo
°°°errat ad obscuros pallida turba lacus.
hara: Schweinestall; canistrum: Rohrkörbchen; sterno, stravi, stratus, ere: streuen, ausbreiten, hinstrecken, niederwerfen; arcessere: jemanden herbeiholen, herbeirufen; perscindo, scidi, scissus, ere: zerreißen


Von uns aber, ihr Laren, wehrt die ehernen Geschosse ab, und wehre du ab, Schwein, als ländliches Opfer aus dem vollen Stall. Ich werde ihm folgen mit reinem Gewand und werde mit Myrten umwundene Körbchen tragen, von Myrte umwunden das Haupt (Acc. Graec.) auch ich selbst. So möge ich euch gefallen. Ein anderer mag in den Waffen stark sein und, wobei ihm Mars günstig sei, feindliche Führer niederstrecken, damit der Soldat mir beim Trinken seine Taten erzählen und auf dem Tisch mit Wein das Heerlager zeichnen kann. Welche Raserei ist est (‚quis‘ hier adjektivisch gebraucht), den schwarzen Tod durch Kriege herbeizurufen! Jener lauert und kommt heimlich mit lautlosem Fuß. Unten ist keine Saat, kein gepflegter Weinberg, sondern der freche Cerberus und der hässliche Fährmann des stygischen Wassers. Dort irrt mit zerrissen Wangen und verbranntem Haar eine bleiche Schar zu den düsteren Seen.



quin potius laudandus hic est quem prole parata
°°°40 occupat in parva pigra senecta casa!
ipse suas sectatur oves, at filius agnos,
°°°et calidam fesso comparat uxor aquam.
sic ego sim, liceatque caput candescere canis
°°°temporis et prisci facta referre senem.
45 interea pax arva colat. pax candida primum
°°°duxit araturos sub iuga curva boves:
pax aluit vites et sucos condidit uvae,
°°°funderet ut nato testa paterna merum:
pace bidens vomerque nitent, at tristia duri
°°°50 militis in tenebris occupat arma situs.--
rusticus elutoque vehit, male sobrius ipse,
°°°uxorem plaustro progeniemque domum.--
sed veneris tunc bella calent, scissosque capillos
°°°femina, perfractas conqueriturque fores;
55 flet teneras subtusa genas: sed victor et ipse
°°°flet sibi dementes tam valuisse manus.
at lascivus Amor rixae mala verba ministrat,
°°°inter et iratum lentus utrumque sedet.
quin: warum denn nicht, gewiss; occupare: einnehmen, besetzen, sich seiner bemächtigen, ihn in Beschlag nehmen; secto, avi, are: jmdm. folgen, jmd. Begleiten; candesco, dui, ere: weiß erglänzen, weiß zu schimmern-, zu strahlen beginnen; canus, a, um: grau, aschgrau, weißgrau, subst., cani, orum, m. (sc. capilli), graues Haar; arvum, i, n.: Ackerland, Saatfeld; primum, Adv.: zuerst, anfangs, erstlich, fürs erste, zum erstenmal; sucus: i, m.: der Saft; fundo, fudi, fusum, ere: gießen, fließen lassen,
[Lateinisch-deutsches Handwörterbuch: 2. fundo, S. 1. Digitale Bibliothek Band 69: Georges: Lateinisch-deutsches Wörterbuch, S. 24371 (vgl. Georges-LDHW Bd. 1, S. 2876)] testa, ae, f.: jedes aus Ton Gebrannte: jedes irdene Geschirr, Flasche, Krug; bidens, entis (bis u. dens): zweizähnig, Schaf, Karst; vomer, eris, m.: die Pflugschar; occupare s. V. 40; situs, us, m.: die Lage, Stellung, der durch langes Liegen erzeugte Schimmel, Rost; e-luo, lui, lutum, ere: auswaschen, ausspülen, abspülen, reinigen; plaustrum, i, n.: der Wagen; sobrius, a, um: nüchtern; caleo: warm-, erwärmt-, erhitzt-, aufgeregt-, entbrannt (entflammt) sein, brennen, glühen; scissus, a, um:(v. scindo): geschlitzt, gespalten, spaltig, gerissen, rissig;
con-queror, questus sum, queri: über etw. sich beklagen, sich beschweren, a) aus Schmerz usw. in Klagen ausbrechen, wehklagen; subtusus, a, um: ein wenig zerschlagen, subtusa genas, Tibull. 1, 10, 55; rixa, ae, f.: Zank, Streit; ministro, avi, atum, are: an die Hand gehen, bedienen, aufwarten, darreichen;


Gewiss ist der mehr zu preisen, den, nachdem die Nachkommenschaft besorgt ist, in seiner kleinen Hütte das träge Alter in Beschlag nimmt! Er selbst begleitet die Schafe, sein Sohn aber die Lämmer, und die Gattin bereitet warmes Wasser für den Erschöpften. So möchte ich leben, und es möge erlaubt sein, dass mein Haupt von grauem Haar zu schimmern beginnt und der Greis die Taten der alten Zeit erzählt. Die Göttin des Friedens möge inzwischen den Acker bestellen. Die strahlende Göttin des Friedens führte zum ersten Mal die Ochsen, die pflügen sollten, unter das gebogene Joch. Die Göttin des Friedens lässt den Wein wachsen und schuf die Säfte der Traube, damit der väterliche Krug dem Sohn den Wein ergieße. Durch die Göttin des Friedens glänzen Hacke und Pflugschar, aber der Rost bemächtigt sich im Dunkeln der schmutzigen Waffen des rauen Soldaten. Und der Landmann, selbst kaum noch nüchtern, fährt mit gesäubertem Wagen seine Frau und die Kinder nach Hause. Aber dann entbrennen die Kämpfe der Venus; die Frau beklagt die zerrauften Haare und die zerbrochene Tür. Sie weint, die Wangen (Acc. Graec.) ein wenig zerschlagen. Aber auch der Sieger selbst weint, dass ihm seine unsinnigen Hände so stark gewesen sind. Aber der zügellose Amor verschafft dem Zank üble Worte und sitzt gemächlich zwischen jedem von beiden Erzürnten.



ah lapis est ferrumque, suam quicumque puellam
°°°60 verberat: e caelo deripit ille deos.
sit satis e membris tenuem rescindere vestem,
°°°sit satis ornatus dissoluisse comae,
sit lacrimas movisse satis: quater ille beatus
°°°quo tenera irato flere puella potest.
65 sed manibus qui saevus erit, scutumque sudemque
°°°is gerat et miti sit procul a Venere.
at nobis, Pax alma, veni spicamque teneto,
°°°profluat et pomis candidus ante sinus.
re-scindo, scidi, scissum, ere: los-, ab-, zerreißen; ornatus, us, m.: u. a. Verzierung, Schmuck; movere: u. a. erregen, erwecken, verursachen, erzeugen; sudis, is, f.: ein kürzerer Pfahl; almus, a, um (v. alo): nährend, fruchtbar, wohltätig, segenspendend, hold, lieb, gütig,
spica, ae, f. u. spicum, i, n. u. spicus, i, m.: die (Korn)Ähre; pro-fluo, fluxi, fluxum, ere: vor-, fort-, hervorfließen;


Ach, Stein und Eisen ist jeder, der sein Mädchen schlägt, jener reißt die Götter vom Himmel. Es möge reichen, das zarte Kleid ihr vom Leib zu reißen, es möge reichen, die Verzierungen des Haars aufgelöst zu haben, es möge reichen Tränen erregt zu haben; viermal glücklich ist jener, durch den als Stürmischen das zarte Mädchen weinen kann. Aber wer mit den Händen grausam sein wird, der möge Schild und Spieß tragen und sei weit entfernt von der milden Venus.
Aber du, weise Göttin des Friedens, komme zu uns und halte die Kornähre und vorher soll der fleckenlose Bausch (des Gewandes) von Früchten überfließen.



I,9 Übersetzung wörtlich, Vokabeln

HaftungsausschlussImpressum