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Klausur LK 12.1
28.11.1996
Zeit: 4 Unterrichtsstunden

Sophokles, Antigone
Kreon - Teiresias
Bearbeiten Sie das 5. Epeisodion (V. 989-1114)!

1. Ordnen Sie die Szene in den Gesamtverlauf des Dramas ein (kurze Inhaltsangabe des Dramas und eine Darstellung der Funktion dieser Szene innerhalb des Handlungsverlaufs)!
Die Brüder Polyneikes und Eteokles sollten nach der Verbannung ihres Vaters Ödipus im Wechsel die Stadt Theben regieren.
Weil Polyneikes aber durch Eteokles von der Macht ausgeschlossen worden war, griff Polyneikes mit einem fremden Heer die Stadt an.
Nachdem die Stadt sich erfolgreich verteidigt hat und die beiden Brüder im Kampf sich gegenseitig getötet haben, befiehlt unter Androhung der Todesstrafe Kreon, der nach dem Tod der beiden als nächster Verwandter - er ist ihr Oheim - Herrscher Thebens ist, dass Polyneikes als Staatsfeind nicht bestattet werden dürfe.
Die Schwester des Polyneikes, Antigone, hält es für besser, dem Göttergebot der Bestattung zu folgen als dem Befehl des Herrschers; und sie versucht, das Bestattungsritual zu vollziehen, obwohl der Leichnam bewacht wird.
Als Kreon auf dem Todesurteil besteht und sein Sohn Haimon, der mit Antigone verlobt ist, ihn nicht zur besseren Einsicht bringen kann, klagt Teiresias den Herrscher wegen Frevels am Gottesgebot und an der Menschlichkeit an und warnt vor der Strafe der Götter.
Die Auseinandersetzung zwischen Kreon und Teiresias ist insofern die Peripetie der Tragödie, als Kreon einsichtig wird, so daß ein glücklicher Ausgang zu erwarten ist, seine Einsicht aber zu spät kommt und die schrecklichen Folgen seines Starrsinns deutlich werden: Antigone - in ein Felsengrab eingemauert - hat sich erhängt, Haimon und Kreons Frau Eurydike begehen ebenfalls Selbstmord, und er muss als gebrochener Mann weiterleben.

2. Stellen Sie dar und interpretieren Sie die unterschiedlichen Standpunkte der beiden Kontrahenten und den Ausgang der Auseinandersetzung! Zur Charakterisierung von Kreons Standpunkt können Sie auch andere Textstellen hinzuziehen.
Teiresias tritt mit hohem Selbstbewusstsein auf; er sieht sich als Führer (V.1014) der Menschen: Ich will’s dich lehren. Folge du dem Seher! (992) und Kreon beugt sich zunächst seinem Anspruch: Ich habe deine Weisheit nie verachtet. (V.993; vgl. auch 995, 1059)
Als aber Teiresias davon spricht, daß die Götter sich wegen der Vergehen Kreons (ihnen einen Toten vorenthalten und den töten, der dem Gebot der Götter folgt) abgewendet haben (V.1015ff), fühlt sich Kreon zu Unrecht beschuldigt und beschuldigt nun seinerseits den Seher: er sei bestochen, er setze seine Sehergabe nur wegen materiellen Gewinns ein (V.1047): Die ganze Seherzunft liebt doch das Geld! (V.1055)
Dabei hatte Teiresias die Folgen der Entscheidung Kreons zwar ziemlich drastisch dargestellt (Die Altäre und Herde sind verseucht vom Unrat der Vögel und Hunde, die von Polyneikes gefressen haben; Und darum will kein Gott mehr unser Opfer...Und unsre Bitten bleiben unerhört), aber er baut seinem Gegenüber doch goldenen Brücken: er solle sich vom Irrtum, für den er Verständnis hat, abwenden (Sich verirren/Ist aller Sterblichen gemeinsam Los ... der bleibt nicht ohne Rat/Und ohne Segen, der sich heilen lässt ... Ich mein es gut mit dir). Und er appelliert, dass Kreon sich auf Menschlichkeit besinnt: Ist das ein Sieg, den Toten nochmals töten? (V.1030). Doch zunächst steigert sich der Trotz Kreons noch:
Und packten ihn zum Fraße gar die Adler
Des Zeus und schleppten ihn vor seinen Thron,
Mir graute vor Entweihung nicht...
V.1040ff.
und auch sein Eigensinn:
...Mein Wille lässt nicht mit sich handeln! V.1063
Und erst, als Teiresias mit den unerbittlichen Erinnyen droht, die die Schuld Kreons (V.1068-1071) rächen, und aufzeigt, dass dort, wo die Götter nicht beachtet werden, das Böse entsteht (In Hass zerrütten ganze Städte sich; 1080), kommt Kreon zur Einsicht, nachdem der Chor betont hat, dass der Seher immer die Wahrheit gesagt hat, und später auch auf die Schar der Rachegeister (V.1103) hinweist.
Es fällt Kreon zwar schwer nachzugeben, aber er fürchtet das Unheil (V.1095ff.):
... Aber bleib ich fest,
schlägt mich das Unheil noch viel schrecklicher
(1096f.)
Eingezwängt in die Notwendigkeit, seinem Standpunkt treu zu bleiben und der, der Strafe der Erinnyen zu entgehen, entscheidet er sich dafür, zu lösen, was ich selber band; denn
Es ist das beste, fürcht ich, treu zu bleiben
Bestehenden Gesetzen bis zum Tod.
(V.1113f.)
und er meint nicht seine, sondern die der Götter und der Menschheit.

3. Stellen Sie die Funktion des Chors dar, wie sie sich hier und an anderen Stellen zeigt!
Weisen Sie ihre Thesen im Einzelnen nach!

4. Welche Wirkung soll nach Aristoteles die Tragödie erzielen? (Wenn Sie noch Zeit haben, erläutern Sie, was Aristoteles unter ‘Katharsis’ verstanden haben könnte.)



Antigone

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