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Klassenarbeit 8 - 1994

Lies dir zunächst alle Aufgaben durch! Wie ausführlich du die einzelnen Fragen beantwortest, ergibt sich aus der Zeit, die für die Bearbeitung angegeben ist.
Schreibe die Aufgabenstellung nicht ab; so kannst du Zeit sparen. Wichtig ist, daß du die Aufgaben in der richtigen Reihenfolge löst und vor die Lösungen jeweils die Numerierung der Aufgabe schreibst.
Beurteilt wird nicht nur die Richtigkeit des Inhalts, sondern auch die Art der Darstellung.

1.
Auf Parricidas Versuch der Rechtfertigung hin (Auch Ihr nahmt Rach’ an Eurem Feind.; 3175) antwortet Tell, daß er in gerechter Notwehr (3177) gehandelt, daß er sein Teuerstes verteidigt (3185) habe, indem er das Schrecklichste,/Das Letzte ... abgewehrt (3179f.) habe.
Untersuche den Monolog in IV,3 und zeige auf, was Tell unter dem „Teuersten“ versteht.
Zitiere auch die wichtigsten Stellen, die auf diese Frage eine Antwort geben können!
5 Min.

2.
Was versteht man unter einem Monolog und welche Aufgabe erfüllt er innerhalb eines Dramas?
4 Min.

3.
Was ist Tell für ein Mensch?
(Welche Eigenarten, Besonderheiten hat er? Wie wird er von den anderen gesehen? Wie steht er zu den anderen?
Du brauchst dich bei dieser Aufgabe nicht an die Reihenfolge der einzelnen Fragen zu halten.)
15 Min.

4.
Erkläre u. a. auch mit Hilfe des Begriffs ‘reichsunmittelbar’ im einzelnen die folgenden Verse (Mit dem neuen Lehenhof ist der Hof des Herzogs von Österreich gemeint.)!
Nimm Land zu Lehen, werd ein Fürstenknecht,
Da du ein Selbstherr sein kannst und ein Fürst
Auf deinem eignen Erb’ und freien Boden.
...
Und muß ich denken bei dem letzten Hauch,
Daß du mein brechend Auge nur erwartest,
Um hinzugehn vor diesen neuen Lehenhof
Und meine edlen Güter, die ich frei
Von Gott empfing, von Östreich zu empfangen! (855ff.)
7 Min.

5.
a) Schreibe den folgenden Vers in dein Heft, so daß er in eine Zeile paßt, und skandiere ihn auf doppelte Weise, nämlich
1. nach Takten und
2. nach Versfüßen!
Nimm Land zu Lehen, werd ein Fürstenknecht,
3 Min.
b) Wie heißt der Versfuß, der diesem Vers zugrunde liegt?
1 Min.

6.
Auf welche Erfahrungen Schillers verweist der folgende Vers
...Schrecklich immer,
Auch in gerechter Sache, ist Gewalt. (1320 f.
1. Min.

Vorschläge zuLösungen
zu 1.
Das Teuerste ist ihm die Familie (1P); darum sagt er zur Begründung des Mords:
Die armen Kindlein, die unschuldigen,
Das treue Weib muß ich vor deiner Wut
Beschützen (2578ff.);
und etwas später heißt es:
Und doch an euch nur denkt er, lieben Kinder,
Auch jetzt - Euch zu verteid’gen, eure holde Unschuld
Zu schützen vor der Rache des Tyrannen,
Will er zum Morde jetzt den Bogen spannen! (2632ff.)

Wer sich des Kindes Haupt zum Ziele setzte,
Der kann auch treffen in das Herz des Feindes. (2576f.)
)

zu 2.
Als Monolog bezeichnet man den Teil eines Drama, in dem eine Person des Dramas, allein auf der Bühne stehend, mit sich selbst spricht. Der Monolog bringt die Gedanken und Empfindungen einer Dramengestalt zum Ausdruck, die sie im Dialog, also gegenüber einem anderen oder mehreren, nicht äußern würde.

zu 3.
Tell ist selbstbewußter Einzelgänger, glaubt, sich selbst helfen zu können.
Ein jeder zählt nur sicher auf sich selbst (435)
Der Starke ist am mächtigsten allein (437)
Die anderen schätzen ihn sehr (es gibt nicht zwei wie der ist im Gebirge; und bedauern, daß er sich nicht an ihren Plänen beteiligt.
Zwar beteiligt sich Tell nicht an den Vorbereitungen zum Aufstand, will aber helfen, wenn er gebraucht wird (440ff.), so wie er auch unter Lebensgefahr Baumgarten gerettet hat.

hilfsbereit; eher ruhig, zurückhaltend, sogar gutmütig; mutig; friedfertig (Dem Friedfertigen gewährt man gern den Frieden; 428) und grundsätzlich gegen Gewalt; er verteidigt sich aber, wenn er angegriffen ist.

zu 4.
Attinghausens Stellung kann man als ist reichsunmittelbar bezeichnen, d.h. er hat sich dem Kaiser unterstellt, der ihn beschützt und dem er im Gegenzug Waffenhilfe leistet; er ist also nur dem Reich und dem Kaiser verantwortlich; deshalb spricht er von Selbstherr. Seine Ländereien sind sein eigener Besitz und nicht geliehen von einem Lehnsherrn. So bewahrt er seine Unabhängigkeit und seine Freiheit. Er befürchtet, daß Rudenz, wenn er sein Erbe angetreten hat, dieses Erbe einem Lehnsherrn, in diesem Fall dem Herzog von Österreich, übergibt, um es dann als Lehen zurückzuerhalten, daß er auf diese Weise zum Fürstenknecht wird.

zu 5.
b) Jambus

zu 6.
Die Ideen der Französischen Revolution wurden zunächst von Schiller begrüßt, aber die Erfahrungen mit den Auswüchsen dieser Revolution führten Schiller dazu, skeptisch zu sein, wenn man sich mit dem Mittel der Gewalt von der Unterdrückung befreien wollte.

Weitere mögliche Aufgaben:

Weshalb weist Schiller bei der Darstellung des Befreiungsversuchs immer wieder auf die alte Ordnung, das alte Recht hin?
= Erläutere folgende Verse:
Die alten Rechte, wie wir sie ererbt
Von unsern Vätern, wollen wir bewahren,
Nicht ungezügelt nach dem Neuen greifen. ((1354))

Ebenfalls aufgrund seiner Erfahrungen mit den Auswüchsen der Französischen Revolution vermag Schiller nicht eine Befreiungsbewegung zu billigen, deren Ziel neu und damit ungewiß ist. Er glaubt, eine ‘Revolution’ könne nur dann gerechtfertigt werden, wenn ihr Ziel die Wiederherstellung von Bewährtem, Erprobtem (renovatio ad integrum) ist.

Warum ist die Gestalt des Rudenz für das Drama wichtig und wieso kann man sagen, daß durch die Liebesgeschichte die Gestalt ihrer Wirkung beraubt wird?

Die Gestalt des Rudenz ist für das Drama wichtig, weil Schiller an ihr das Verhältnis Kaiser - Fürsten und die Erstarkung der Fürsten, die Haltung des Adels zur Befreiungsbewegung und die Gleichheit und Gleichberechtigung der Stände verdeutlichen will.
Die Gestalt wird ihrer Wirkung beraubt, weil man hinter Rudenz’ Entscheidung für die Fürsten bzw. später für die Befreiungsbewegung nicht echte politische Einsicht und Überzeugung vermuten könnte, sondern ein charakterschwaches Hin- und Herschwanken wegen einer Frau.

Lege dar, welches der Kerngedanke von Tells Monolog ist und warum dieser Monolog für Schiller so wichtig war!
Der Kerngedanke von Tells Monolog ist, daß Tell aus persönlicher Notwehr handelt, daß er Geßler ermordet, weil dieser sein und seiner Familie Leben bedroht.
Da die Familie etwas Heiliges ist, kann die Tat Tells als Vollstreckung eines Gottesurteils angesehen werden.
Dieser Monolog war für Schiller so wichtig, weil Schiller - aufgrund seiner Erfahrungen mit der französischen Revolution - sich scheute, einen Tyrannenmord allgemein-politisch, d. h. hier mit dem Hinweis auf die Freiheit eines Volkes zu rechtfertigen.



Klassenarbeit Monolog Tells

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