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4. Klassenarbeit 10a
2 Unterrichtsstunden
15.03.2000

Schiller ‚Die Jungfrau von Orleans‘

Interpretiere Johannas Begegnung mit Montgomery (II,7) und ihre Gedanken über diese Begegnung (II,8) im Vergleich mit ihren Überlegungen und Gefühlen, die sie in ihrem Monolog IV,1 äußert!

In den angegebenen Szenen zeigt sich Johannas Konflikt zwischen ihrer menschlich/weiblichen Natur und dem Auftrag Gottes, als sein blindes Werkzeug Frankreich von den Engländern zu befreien und zwar mit unmenschlicher Härte sich selbst und den Feinden gegenüber.
Montgomery gegenüber, der diese unerbittliche Härte erfahren muss, bezeichnet Johanna sich als die verderbliche Jungfrau, die mitleidlos und erbarmungslos alles Lebende, das mir / Der Schlachten Gott verhängnisvoll entgegenschickt, tötet. Diese Erbarmungslosigkeit gegenüber den Feinden sei ihr vom strengen Geisterreich aufgezwungen in einem furchtbar bindende Vertrag. Darum glaubt sie auch von sich, sie habe kein Herz (V. 1611).
Montgomery erkennt – wie auch Johanna selbst -, dass es einen elementaren Widerspruch gibt zwischen diesem Auftrag und Johannas Natur. Furchtbar ist deine Rede, doch dein Blick ist sanft.
Darum glaubt er, sie als Vertreterin des zärtlichen Geschlechts um Gnade bitten zu können; doch Johanna hält ihm entgegen, dass sie sich nur als Werkzeug Gottes, nicht als Frau sieht und dass er darum keine ‚Sanftheit‘ erwarten kann:
Gleichwie die körperlosen Geister, die nicht frein
Auf irdsche Weise, schließ ich mich an kein Geschlecht
Der Menschen an, und dieser Panzer deckt kein Herz.
(1609ff.)
So entgegnet sie, als Montgomery an seine Braut erinnert, die auf ihn warte: Ich weiß / Nichts von der Liebe Bündnis; und dem Hinweis Montgomerys auf das Leid seiner Eltern, die ihren Sohn verlieren würden, hält Johanna das Elend derer, die durch die Engländer Witwen und Waisen geworden sind, entgegen – nicht mit der Folgerung, es sei jetzt genug mit dem Morden, sondern mit der, dass der Tag / Der Rache gekommen sei.
Johanna weiß zwar, dass eine solche Haltung gegen ihre Natur ist, dass sie, die als Schäferin den unschuldig frommen Hirtenstab geführt, nicht des Schwerts gewohnt sei, aber sie kann ihrem Auftrag nicht entrinnen, sie wird getrieben von Gott, sie muss
ein Gespenst des Schreckens würgend gehn,
Den Tod verbreiten.

Als sie Montgomery getötet hat, ist sie verwundert über sich selbst, über ihre Unerbittlichkeit, die sie zwingt, trotz Mitleid mit dem Gegenüber und trotz Ehrfurcht vor dem Leben ohne Bedenken (nimmer irrend) Menschen zu töten. Aber sie erkennt im Gebet an die Gottesmutter (II,8), dass ihre unerbittliche Macht und Kraft etwas von Gott Bewirktes ist.

In IV,1 liegt eine völlig andere Situation vor: Johanna war gegenüber ihrem Feind Lionel, dem sie wie Montgomery im Zweikampf begegnete, nicht mitleid- und gnadenlos, sondern hatte sich in ihn auf den ersten Blick verliebt und ihm das Leben geschenkt. Da sie Montgomery gegenüber kein Mitleid hatte, kann sie nun vor sich selbst nicht die Entschuldigung gelten lassen, sie habe nur aus Mitleid Lionel geschont; sie weiß, dass sie diesen, dass sie als Frau einen Mann liebt, so dass sie sich zweifach schuldig fühlt: zu ihrem Auftrag gehört, dass sie nichts lieben darf als Frankreich und ihren Auftrag, Frankreich zu befreien, und zudem ist der Mann, den sie liebt, der erbittertste Feind Frankreichs.

Zwar empfindet sie diese Liebe als schwere Schuld gegenüber Gott und ihrem Vaterland, gegenüber Gott, weil sie ihre Rolle als blindes Werkzeug aufgegeben hat; doch sie versucht auch, ihr Handeln zu rechtfertigen: Der Himmel hat sie als fühlende Frau geschaffen, in deren Natur Mitleid und Liebe liegen; und ihr Beruf, mitleidlos, verhärtet die Feinde zu töten, sei gegen diese Natur. Und sie wirft Gott vor, sie in diese Schuld getrieben zu haben, indem er sie nicht schuldlos bei ihren Lämmern gelassen, sondern sie ins Leben gerissen habe, ohne dass sie eine Wahl gehabt hätte: Ach! es war nicht meine Wahl!

Am Ende des Dramas überwindet sie ihre Natur, kehrt mit vollem Wissen, auf was sie verzichtet, zu ihrem Auftrag zurück und kann darum die Franzosen zum endgültigen Sieg über die Engländer führen. Da sie alles Irdische aufgegeben hat und ihr göttlicher Auftrag erfüllt ist, ist ihr Sterben in der siegreichen Schlacht und ihre Verklärung das sinnvolle Ende.



II,8; IV,1 (Klassenarbeit für 8) / II,7 und 8 (Klassenarbeit für 8)

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