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3. Klassenarbeit 10c
20.12.99
Schiller ‘Der Verbrecher aus verlorener Ehre’
Zeit: 2 Unterrichtsstunden

Löse folgende drei Aufgaben:

1. Wie erklärt es sich, dass jemand aus ‘verlorener Ehre’ zum Verbrecher wird?
Hier sollen die Vorstellungen Schillers allgemein dargestellt und erläutert werden.
Wähle zur Veranschaulichung einige treffende Beispiele aus der Lebensgeschichte des Christian Wolf!
Wenn du willst, kannst du auch folgende Bemerkungen berücksichtigen:
„Sozialisation wird insbesondere auch durch äußeren sozialen Druck gefährdet.“ H. Ostendorf ‘Ursachen von Kriminalität’ Informationen zur politischen Bildung 248 1995 S. 11
„Gewaltkriminalität ist ... eine Folge von Ohnmacht und Frustration“ ebenda S. 11

2. Wozu ist es gut, sich mit der Lebensgeschichte eines Verbrechers so, wie Schiller es tut, zu beschäftigen und warum ist eine solche Beschäftigung möglich und sinnvoll?

3. Erläutere die dreifache Bestrafung Christian Wolfs und ihre Folgen im Vergleich mit den Forderungen eines modernen Strafvollzugsgesetzes (aus dem Jahr 1977)!
Dort heißt es, es werde verlangt „staatliche Vor- und Fürsorge für Gruppen der Gesellschaft, die aufgrund persönlicher Schwäche oder Schuld, Unfähigkeit oder gesellschaftlicher Benachteiligung in ihrer persönlichen und sozialen Entfaltung behindert sind.“

Lösungsskizze

zu 1.
Definition von Ehre, so wie Schiller sie versteht: ‘Anerkennung durch die Gesellschaft’; diese Anerkennung ist ein elementares Bedürfnis des Selbstwertgefühls, der Selbstachtung (‘innere Ehre’); wird dieses Bedürfnis nicht befriedigt, indem die Gesellschaft die Anerkennung verweigert, kann dies zur Folge haben:

1. die erzieherische Wirkung durch diese Anerkennung fehlt,

2. durch das Fehlen von Anerkennung entwickeln sich „Ohnmacht und Frustration“, die zur Folge haben:
a) Hass;
b) Trotz, erzwungene Gleichgültigkeit: die anderen erwarten nichts Gutes von einem, also tut man nichts Gutes, bzw. sie erwarten nur Schlechtes, also richtet man sich danach;
c) Rache, indem man die Gesetze nicht anerkennt, die Wohltaten für die Gesellschaft sind;

3. der Mensch sucht Anerkennung von Menschen, die ihrerseits die Gesetze der Gesellschaft nicht anerkennen, die außerhalb der geordneten Gesellschaft stehen;

Beispiele u. a.: Entscheidungssituationen? in der Lebensgeschichte Christian Wolfs!

Christian Wolf wird wegen seiner Hässlichkeit abgewiesen, entwickelt eine bestimmte Art von Frechheit, um bei den Jungen anerkannt zu werden.
Er will gefallen und will ertrotzen, was ihm wegen seiner Besonderheit versagt wird.
Er muss sich Liebe erkaufen; deshalb wildert er.
Er sucht Arbeit, und sogar als Schweinehirt wird er nicht eingestellt.
Nach dem Zuchthaus bleibt er in seinem Dorf aus beleidigtem Stolz, der Rache nehmen will.
Stolz krümmte sich unter der Schande, als er auf die Festung muss.
Er sucht Anerkennung bei den Mitgefangenen auf der Festung und kann sie dort nur im Bösen finden, indem er sich ihnen anpasst.
Ein Kind, dem er Gutes tun will, verachtet ihn; er kommt sich vor wie ein schändliches Tier.
Er verzichtet trotzig auf Anerkennung: lernt die Ehre entbehren ...weil ... (er) an keine mehr Anspruch machen durfte.Ist glücklich durch die Anerkennung bei den Räubern. Er findet bei ihnen Achtung, Ehre und einen Ehrenplatz zwischen zwei schönen Frauen.Positive Anerkennung durch den Oberamtmann, der ihn wie einen Menschen behandelt.

zu 2.
wozu:
Verständnis, Mitleid lernen; lernen, ohne Hohn, sondern mit sanftem Geist der Duldung dem ‘Verbrecher’ zu begegnen; aber auch lernen für sich selbst: Furcht für sich selbst (heilsamer Schreck), dass es einem ähnlich hätte ergehen können wie dem Verbrecher, wenn man unter anderen Umständen hätte leben müssen, dass man ähnlich gefährdet ist.
warum: Beim Leser entwickeln sich Mitleid und Furcht, Verständnis und Toleranz, wenn er erkennt, dass der Verbrecher im Grunde ein Mensch ist wie er, dass der Verbreche die gleiche seelische Grundstruktur (Triebstruktur – unveränderliche Struktur der menschlichen Seele) hat wie er und ‘nur’ durch Unterschiede der Umwelt (veränderliche Bedingungen) und Unterschiede in der Triebstärke unterschiedliche Charaktere entstehen.
Diese Erkenntnisse sind möglich aufgrund wissenschaftlicher (soziologischer, psychologischer) Analyse - Quellen seiner Gedanken sind wichtiger als die Taten; also Analyse der Motive des Handelns (Mutter der Taten) und Analyse der Umwelteinflüsse (Beschaffenheit und Stellung der Dinge, welche einen solchen Menschen umgaben);

zu 3.
Die gesellschaftliche Benachteiligung Wolfs, die Benachteiligung seiner Entfaltung mit der Folge von Ohnmacht und Frustration“ wird vom Staat nicht berücksichtigt, indem die Richter
a) die erste Strafe (Geldbuße) so hoch ansetzen, dass sein restliches Vermögen aufgebraucht ist,
b) bei der zweiten Strafe die ganze Schärfe des Gesetzes anwenden (1 Jahr Zuchthaus) und der Staat nicht für Resozialisierung sorgt (nicht die niedrigste Arbeit),
c) nicht in die Gemütsverfassung des Beklagten sehen – der Strafvollzug (Festung) ist barbarisch.



Vergleich Schiller - Abel / Entwicklung Wolfs und Einstellung des Lesers

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