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13.1 GK 30.11.1990
Zeit:4 Unterrichtsstunden; Text: Ovid, Metamorphosen
Anzahl der Wörter: 154

Kurz nach der Vermählung stirbt des Orpheus Gattin Eurydike am Biss einer Schlange. Orpheus steigt in die Unterwelt hinab, um Hades, den Herrn der Unterwelt, und dessen Gemahlin Persephone durch seine Musik zu bewegen, Eurydike wieder freizugeben.

1 causa viae est coniunx, in quam calcata venenum
2 vipera diffudit crescentesque abstulit annos.
3 posse pati volui nec me temptasse negabo:
4 vicit Amor. ...
5 Eurydices, oro, properata retexite fata.
6 omnia debentur vobis, paulumque morati
7 serius aut citius sedem properamus ad unam.
8 Tendimus huc omnes, haec est domus ultima, vosque
9 humani generis longissima regna tenetis.
10 haec quoque, cum iustos matura peregerit annos,
11 iuris erit vestri: pro munere poscimus usum;
12 quod, si fata negant veniam pro coniuge, certum est
13 nolle redire mihi: leto gaudete duorum.'
Vom Saitenspiel des Orpheus sind alle Wesen der Unterwelt zu Tränen gerührt, und die furchtbaren Strafen des Tartarus setzen für eine Weile aus. Hades und Persephone lassen sich erweichen, und unter der Bedingung, dass sich Orpheus vor der Rückkehr an die Oberwelt nicht nach Eurydice umsehen darf, wird Eurydice freigelassen.
14 carpitur adclivis per muta silentia trames,
15 arduus, obscurus, caligine densus opaca,
16 nec procul afuerunt telluris margine summae:
17 hic, ne deficeret, metuens avidusque videndi
18 flexit amans oculos, et protinus illa relapsa est,
19 bracchiaque intendens prendique et prendere certans
20 nil nisi cedentes infelix arripit auras.
21 iamque iterum moriens non est de coniuge quicquam
22 questa suo (quid enim nisi se quereretur amatam?)
23 supremumque 'vale,' quod iam vix auribus ille
24 acciperet, dixit revolutaque rursus eodem est.

zu 1: viae, gemeint ist der Weg in die Unterwelt; calcare - treten
zu 2: diffundere, o, diffudi - einflößen, spritzen; crescentes annos aufferre – die wachsenden Jahre beschneiden (in der Blüte der Jahre hinwegraffen; zu ergänzen ist das Rel. Pron. cui)
zu 5: properatus - verfrüht; Eurydices: Gen. zu Eurydice; retexere, o - rückgängig machen, widerrufen (Orpheus spricht hier die Götter der Unterwelt an)
zu 6: deberi - geschuldet werden, verfallen sein
zu 7:serius aut citius - früher oder später
zu 8: tendere hier: gehen, den Weg nehmen; huc - dort/hierhin
zu 10:haec: Eurydice ist gemeint; peragere, o, egi - vollenden; iustus hier: gebührend
zu 11 iuris esse - dem Recht unterliegen, im Bereich des Rechts sich befinden; pro munere usum poscere - sie (Eurydice) nicht für dauernd, sondern nur vorübergehend fordern
zu 12: quod ist Subj . zu certum est (rel. Anschl.) ; venia - Gunst, Gnade
zu 13: mihi gehört zu certum est (für mich); letum - Tod, Untergang
zu 14: trames carpitur - der Pfad wird zurückgelegt
zu 15: caligo, inis f. - Finsternis; opacus - Schatten spendend, schattig, dunkel
zu 16: margo, inis m.- Rand; tellus summa - Erdoberfläche
zu 17: deficere hier: ermatten; ‘ne deficeret’ gehört zu ‘metuens’
zu 18: protinus - unverzüglich, sofort; relabi, or, lapsus sum - zurückgleiten, -fallen, -sinken;
zu 19: intendere hier: ausstrecken; prendere = prehendere - nehmen, fassen, ergreifen
zu 20: nil = nihil; arripere, io - fassen
zu 21: non ... quicquam (eigentlich Obj. zu questa est) übersetze hier: in keiner Weise
zu 22: queri, or, questus sum - klagen, beklagen amatam - Prädicativum
zu 24: revolvere im Passiv: zurücksinken; eodem - ebendorthin, an dieselbe Stelle

INTERPRETATIONSAUFGABEN
Verhältnis Übersetzung - Interpretationsaufgaben 2 : 1

I. a) Schreiben Sie die ersten 3 Verse ab und skandieren Sie sie, indem Sie über die betonten Längen (Versfußbeginn; im Dt. : Hebungen) Akzente setzen (Es muss deutlich werden, welche Silbe gemeint ist.)!

b) Machen Sie durch Bögelchen unter den betreffenden Stellen die Elision deutlich (z.B. Bracchiaque~intendens)!

c) Machen Sie durch einen senkrechten Strich deutlich, wo eine Zäsur vorliegt, und schreiben Sie über den Strich , um welche Zäsur es sich handelt: T, P, H!

II. Untersuchen Sie die Klangwirkung des 3. Verses (berücksichtigen Sie auch die rhythmische Besonderheit)!

Alliteration ‚posse ...pati‘ hart; Häufung des o, a, e, dunkel; alle Zäsuren, unruhig; Bezug zum Inhalt

III. Wodurch unterscheidet sich von der Versart her die epische von der elegischen Dichtung Ovids?

Hexameter – Distichon

IV. Orpheus gilt als die Personifizierung der Wirkung von Kunst; wie kommt dies in der vorgelegten Szene zum Ausdruck?

Wirkung von Kunst grenzt ans Wunderbare, bewegt die Menschen in ihrem Innersten rührt die Götter der Unterwelt, Eurydike freizulassen, also gegen ein Naturgesetz zu verstoßen, ebenso sind alle anderen Wesen der Unterwelt zu Tränen gerührt.

V. Charakterisieren Sie Orpheus und seine Haltung!

Er ist der, der von übergroßer Liebe überwältigt wird - vicit amor. der sich, obwohl er dagegen ankämpft, nicht mit dem Verlust Eurydikes abfinden kann, nimmt lieber die schrecklichsten Gefahren auf sich und stirbt lieber (nolle redire) als ohne Eurydike zu leben.
Auch dass er sich bei der Rückkehr nach ihr umwendet, geschieht aus übergroßer Liebe (metuens, ne deficeret ... amans); sie muss zurück in den Tod, weil sie geliebt worden ist (amatam).
So stellt sich Orpheus dar als der, der zwar weise Einsicht hat in die Notwendigkeit des Todes, aber auch, von übergroßer Liebe überwältigt, den zu frühen Tod seiner Gattin nicht ertragen kann.

VI. Erläutern Sie Ovids Vorstellung von Sterben und Tod! Zitieren Sie – wie bei allen anderen Aufgaben – möglichst viel vom Text!

Der Tod ist etwas Unabänderliches: omnia debentur, iuris vestri esse, ‚ad unam sedem properamus‘ und zwar ‚omnes‘
Der Tod ist der letzte Wohnsitz, wo sich die Menschen unendlich lang aufhalten (longissima regna)
Weiterleben nach dem Tod
Die letzte Verwandlung
nur ausnahmsweise ist Rückkehr möglich


VII. Worin liegt das Tragische der Orpheus - Eurydice-Geschichte?

Das Tragische liegt darin, dass Orpheus Eurydike verliert, weil er sie zu sehr liebt
seine Schuld kommt aus seiner Liebe, denn er wendet sich nach ihr um, um ihr zu helfen
und weil er aus Liebe übergroße Sehnsucht nach ihr hat
Endgültigkeit des Todes


VIII. In welcher Hinsicht passt die vorliegende Erzählung zu den ,Metamorphosen , als Verwandlungssage?

Verwandlung vom Leben zum Tod und umgekehrt.

IX. Es gibt die These, Ovid habe durch das Verwandeln in den ,Metamorphosen’ Tragisches in letzter
Konsequenz vermieden. Wie erklärt sich diese These und trifft sie für die Orpheus-Eurydice-Erzählung zu?

Da die Verwandlung oft kein endgültiges Ende bedeutet, sondern ein Weiterleben in einer anderen Form (z.B. Acis), gibt es für Ovid (oft) keinen endgültigen Untergang;
die letzte Verwandlung Eurydikes von einer Lebenden zu einer Toten aber ist endgültig, hier gibt es kein Weiterleben in einer anderen Gestalt, sondern nur den Tod.

X. Erläutern Sie, wieso auch im Blick auf den Gesamtaufbau der ,Metamorphosen' von einer Metamorphose gesprochen werden kann!

Es handelt sich im Gesamtaufbau von einer zu Beginn der ‚Metamorphosen‘ dargestellten Metamorphose des Chaos am Weltenbeginn zur am Ende gefeierten Friedensordnung des Augustus.



Hilfsübersetzung
„Grund meines Wegs (für meinen Weg) ist die Gattin, in die eine getretene Natter Gift verspritzt hat und der sie ihre wachsenden Jahre beschnitt (sie in der Blüte der Jahre hinwegraffte). Ich wollte es ertragen können und leugne nicht, dass ich es versucht habe. Die Liebe hat gesiegt.Ich bitte (euch): macht rückgängig das verfrühte Geschick Euridikes’. In Bezug auf alles (In jeder Hinsicht) sind wir euch verfallen und ein wenig sich (im Leben) aufgehalten habend (Partizip Perfekt des Deponens; und nachdem wir uns ein wenig aufgehalten haben), eilen wir früher oder später zu dem einzigen Ort. Wir gehen alle dorthin; dies ist die letzte Wohnung und ihr haltet die längste Herrschaft über das Menschengeschlecht.
Auch diese, wenn sie in hohem Alter die angemessenen Jahre vollendet hat, wird sich im Bereich eures Rechts befinden. Anstatt eines Geschenks fordern wir sie als geliehene Gabe (den Umgang/die Nutznießung). Dieses ist, wenn das Schicksal Gnade verweigert für meine Gattin, für mich (mihi) entschieden: nicht zurückkehren zu wollen. Freut euch am Tod von Zweien.“
Der ansteigende Pfad wird in stummem Schweigen (silentia: poetischer Plural) zurückgelegt, steil, dunkel, dicht von schattiger Finsternis. Und nicht weit waren sie vom Rand der Erdoberfläche entfernt, (da) wendete dieser, fürchtend, dass sie ermatte, und begierig zu sehen, liebend die Augen: und sofort glitt jene zurück. Die Arme ausstreckend und strebend, ergriffen zu werden und zu ergreifen fasste der (die) Unglückliche nichts außer weichende Lüfte.
Und eben jetzt zum zweiten Mal sterbend hat sie in keiner Weise über den Gatten geklagt - was nämlich außer sich als Geliebte hätte sie beklagen können? (Worüber hätte sie klagen können, außer dass sie - zu sehr - geliebt war?) Und ein letztes Lebewohl, welches jener schon kaum (mit den Ohren) wahrnahm, sagte sie, eben dorthin wieder zurückgesunken.

Vorbereitung
qui, posse, velle, nolle, malle; -asse= aviss; AcI; poet. Plural, hic; cum als Konjunktion; Gen. possessoris; Abl. limitationis (griech. Akk.); relativischer Satzanschluss; Abl. causae; ego; unus, duo, tres; Abl. comparationis; vester; nisi = außer; Abl. der Trennung, ille, Deponens; ‚ne‘ bei Verben des Fürchtens; quisquam, qui; Relativsatz mit Nebensinn (konsekutiv) in-; Praedicativum; Part. Perf. der Deponentien; Inf. Präs. Passiv



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