Zeit: 2 Unterrichtsstunden Text: Ovid, Ars amatoria;
Als Ovid bei der Darstellung der Orte, wo ein Mann Bekanntschaft mit einem Mädchen machen kann, über das Theater spricht, erinnert er sich an die Situation, wo zum ersten Mal eine Theateraufführung für Eroberungen missbraucht wurde, und zwar für Eroberungen sehr handfester Art: beim Raub der Sabinerinnen.
Aufgabe I: Übersetze
1 Respiciunt oculisque notant sibi quisque puellam, 2°°°quam velit, et tacito pectore multa movent. 3 In medio plausu ... 4°°°rex populo praedae signa petita dedit. 5 Protinus exiliunt ..., 6°°°virginibus cupidas iniciuntque manus. 7 ... 8 Utque fugit visos agna novella lupos, 9°°°sic illae timuere viros sine more ruentes. 10 ... 11 ... timor unus erat, facies non una timoris: 12°°°Pars laniat crines; pars sine mente sedet; 13 altera maesta silet; frustra vocat altera matrem. 14°°°Haec queritur; stupet haec; haec manet; illa fugit. 15 Ducuntur raptae, genialis praeda, puellae, 16°°°et potuit multas ipse decere timor. 17 Si qua repugnarat nimium comitemque negabat, 18°°°sublatam cupido vir tulit ipse sinu, 19 atque ita "quid teneros lacrimis corrumpis ocellos? 20°°°Quod matri pater est, hoc tibi" dixit "ero". ----------------------------------------------------------------------------------------
zu 1: respicere, io - zurückblicken, Subjekt zu 'respiciunt': 'sie' bzw. Die Römer; Subjekt zu 'notant' und zu 'movent': quisque (Prädikate im Plural, obwohl quisque grammatisch Singular ist; dem Sinn nach meint ja 'quisque' alle (constructio ad sensum); notare - kenntlich machen, kennzeichnen, bezeichnen; puella - das Mädchen
zu 2: tacitus - schweigsam, verschwiegen
zu 3: in medio plausu - mitten im Beifall
zu 4: praedae signa - Zeichen der Beute, des Raubs, Zeichen zum Raub (Vgl. V. 15)
zu 5: protinus - unverzüglich; exilire - aufspringen
zu 6: inicere mit Dat. - auf etwas werfen (inicere manus: Redewendung, kann freier übersetzt werden; wenn du wörtlich übersetzt, schreibe in Klammern, was Ovid gemeint hat;) das -que bei 'iniciunt' verbindet V. 5 u. 6 so, als stünde ein et am Anfang des V. 6
zu 8: videre, eo, vidi, visus - wahrnehmen; agna - Lamm; novellus - jung, neu; lupus - Wolf
zu 9: timuere = timuerunt; ruere, o - (los)stürzen
zu 11: 'unus' meint hier: bei allen gleich; facies, ei f.- Aussehen, Zeichen; 'timoris' gehört zu 'facies'
zu 12: laniare - zerreißen, zerraufen; crinis, is m. - Haar
zu 13: zu 'altera' ergänze 'pars' oder 'puella'; maestus - traurig (Prädikativum) silere, eo - schweigen
zu 14: stupere, eo - starr, betäubt sein
zu 15:ducere, o hier: mitnehmen, heimführen; genialis, e - bräutlich
zu 16: decere, eo - schmücken, zieren;
zu 17: qua = aliqua (Nom. fem. Sg.); repugnarat = repugnaverat, repugnare - Widerstand leisten; nimium - allzu sehr; negare hier: ablehnen
zu 18: sinus, us m. - Brust, Busen, Arme
zu 19: tener, tenera, tenerum - zart; ocellus - Äuglein, Auge --------------------------------------------------------------------------------------------
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Aufgabe II: Skandiere die Verse 1, 2, 19, 20, indem du auf diesem Blatt unter dem Text die langen und kurzen Silben kennzeichnest und die Verse in Versmaße einteilst; kennzeichne den Taktanfang auch durch ein Akzentzeichen auf der Länge! Achte auf eindeutige Einteilung! ---------------------------------------------------------------------------------------------------
Hilfsübersetzung
Sie blicken zurück (blicken sich um)und jeder macht mit seinen Augen für sich das Mädchen kenntlich, das er möchte, und sie bewegen vieles in schweigsamer (verschwiegener) Brust. Mitten im Beifall gab der König dem Volk das ersehnte Zeichen zum Raub. Sofort springen sie auf und werfen ihre gierigen Hände auf die Mädchen (greifen mit gierigen Händen nach den Mädchen). Und wie das junge Lamm die wahrgenommenen Wölfe flieht, so fürchteten jene die ohne Sitte (Rücksicht) losstürzenden Männer. ... die Furcht war bei allen gleich, das Aussehen/das Zeichen der Furcht war nicht bei allen gleich. Ein Teil zerrauft die Haare, ein Teil sitzt ohne Verstand (wie von Sinnen); ein anderer (Teil) schweigt traurig; vergeblich ruft ein anderer die Mutter. Diese klagt; diese ist (wie) betäubt; diese bleibt, jene flieht. Heimgeführt werden die geraubten Mädchen, die bräutliche Beute, und selbst die Furcht konnte viele zieren. Wenn irgendeine allzu sehr Widerstand geleistet hatte und den Begleiter ablehnte, trug der Mann selbst die Emporgehobene mit begierigen Armen und sagte so: „Was verdirbst du mit Tränen deine zarten Augen? Was der Vater für die Mutter ist, werde ich für dich sein.“
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