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Klassenarbeit 11.2 am 13.06.01
Über Religionsfreiheit und Toleranz
Verhältnis Übersetzung/Interpretation 3 : 1

I. Übersetze!

Utopus, der Gründer von Utopia, hatte bestimmt, dass jeder der Religion anhängen darf, die ihm gefällt.

1 Ut vero alios quoque in suam religionem traducat, hactenus niti potest,
2 ut placide ac modeste suam rationibus astruat, non, ut acerbe ceteras destruat
3 et vim ullam adhibeat, si suadendo non persuadet.
4 Utopus hoc vero insolens et ineptum censuit, vi ac minis exigere,
5 ut idem, quod tu verum credis, omnibus verum videatur.
6 Si vero maxime una religio vera sit, ceterae omnes vanae, facile praevidit
7 vim veri aliquando per se ipsam emersuram esse, cum modo res ratione agatur.

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Erläuterungen
zu 1: traducere in: hinüberführen in, bekehren zu; Subjekt ist ‚er‘, das das ‚jeder‘ in der Vorbemerkung aufgreift; hactenus: nur soweit; niti, nitor, nisus sum hier: darauf hinarbeiten, das ‚darauf‘ weist auf den ‚ut-Satz‘ zurück, das ‚hactenus‘ verweist auf den folgenden ‚ut-Satz‘;

zu 2: placidus: friedlich, ruhig; modestus: maßvoll, besonnen; zu ‚suam‘ und ‚ceteras ergänze ‚religionem‘ bzw. ‚religiones‘; ‚ratio‘ hier: vernünftiger Grund; astruere, o: aufbauen, hier auch: beweisen, belegen; non ut: nicht so, dass; acerbus: rigoros, heftig; ‚destruere‘ hier: herabsetzen;

zu 3: suadere, eo: raten, zureden, empfehlen;

zu 4: insolens, entis: dreist, unverschämt; ineptus: untauglich, töricht; censere, eo, censui mit doppeltem Akk.: halten für; minae: Drohungen; exigere, o: verlangen, fordern;

zu 5: ‚credere‘ mit dopp. Akk.: etwas für etwas halten; videri mit dopp. Akk. etwas als etwas erscheinen;

zu 6: vanus: nichtig, unwahr; ‚facile‘: Adverb zu ‚facilis‘; praevidere, eo, praevidi, visum: voraussehen; Subjekt: ‚er‘, Utopus ist gemeint;

zu 7: emergere, o, emersi, emersum – sichtbar werden, sich zeigen; cum modo mit Konj. – wenn nur;

Übersetzung
Dass er aber auch andere zu seiner Religion bekehrt, darauf kann er nur soweit hinarbeiten, dass er friedlich und maßvoll seine Religion mit vernünftigen Gründen belegt, nicht so, dass er rigoros die übrigen herabsetzt und irgendeine Gewalt anwendet, wenn durch Zureden er nicht überzeugt. Utopus hielt aber dies für unverschämt und töricht, mit Gewalt und Drohungen zu fordern, dass dasselbe, was du für wahr hältst, allen als wahr erscheine. Wenn aber eine einzige Religion am meisten wahr sei, alle übrigen nichtig (unwahr) seien, so sah er leicht voraus, dass die Kraft der Wahrheit einst durch sich selbst sichtbar werde, wenn die Sache nur mit Vernunft behandelt wird.
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II. Löse die Aufgaben zum Text und zu seinem biographischen, philosophischen und historischen Hintergrund!
1. Der vorliegende Text ist dem Zweiten Buch der ‚Utopia‘ entnommen. Charakterisiere mit je einem Satz oder Stichwort die Inhalte des Ersten und des Zweiten Buchs von ‚Utopia‘!

2. Eines der Themen des Ersten Buchs ist die Frage, ob ein philosophisch orientierter Mensch mit ethischen Grundsätzen Berater eines Fürsten werden solle. Hythlodaeus lehnt dies ab, Thomas Morus hält es für sinnvoll. Welches Faktum in der Biographie des Thomas Morus gibt ihm im Nachhinein Unrecht?

3. In dem Text, den wir über die Verurteilung eines fanatischen Christen in Utopia gelesen haben, wird dieser nicht bestraft, weil er eine andere Religion verkündet hatte, sondern wegen Volksverhetzung. Erkläre aufgrund des vorliegenden Textes, warum Thomas Morus auf diese Unterscheidung so viel wert legt!

4 Nachdem Nathan dargestellt hat, dass die rechte Religion nicht erweislich ist, zeigt er im Folgenden auf, warum es für das friedliche Miteinander der Menschen entscheidend ist, dass die rechte Religion nicht erweislich ist. Wie formuliert Morus die im Folgenden dargestellte Einsicht Lessings? Welcher Gedanke Lessings fehlt in diesem Zusammenhang?

„Es eifre jeder seiner unbestochnen
Von Vorurteilen freien Liebe nach!
Es strebe von euch jeder um die Wette,
Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag
Zu legen! komme dieser Kraft mit Sanftmut,
Mit herzlicher Verträglichkeit, mit Wohltun,
Mit innigster Ergebenheit in Gott
Zu Hilf'! Und wenn sich dann der Steine Kräfte
Bei euern Kindes-Kindeskindern äußern:
So lad ich über tausend tausend Jahre
Sie wiederum vor diesen Stuhl. Da wird
Ein weisrer Mann auf diesem Stuhle sitzen
Als ich; und sprechen.“ (2041ff.)

Lösung:
Zu 1 Im Ersten Buch beschreibt und beurteilt Thomas Morus die schlechte Wirklichkeit seiner Gegenwart.
Im Zweiten Buch hält er dieser Wirklichkeit die Utopie eines Staates entgegen.

Zu 2. Der englische König Heinrich VIII. hat ihn, der sogar Lordkanzler geworden war, hinrichten lassen.

Zu 3. Der vorliegende Text spricht davon, dass niemandem eine Religion aufgedrängt werden darf (1), d. h. Religionsfreiheit ist ein Grundrecht in Utopia (1); darum darf natürlich auch niemand wegen seiner Religion verurteilt werden.

Zu 4. Nach Nathan wird sich ‚die Kraft des Steines‘, der für die wahre Religion steht, in vielen tausend Jahren (wohl erst beim Jüngsten Gericht) erweisen; auch für Thomas Morus wird sich die Wahrheit der Religion ‚aliquando‘ erweisen. Bei Morus wird dies ohne Zutun der Menschen geschehen, nur aufgrund dessen, dass die Religion die wahre ist. Bei Lessing soll sich der Mensch bemühen, ‚Die Kraft des Steins in seinem Ring' an Tag/Zu legen, indem er ein moralisch einwandfreies Leben führt.

Originaltext
... sanxit, uti quam cuique religionem libeat sequi liceat, ut vero alios quoque in suam traducat, hactenus niti possit, uti placide, ac modeste suam rationibus astruat, non ut acerbe ceteras destruat,
si suadendo non persuadeat, neque vim ullam adhibeat, et conviciis temperet,
...
Certe vi ac minis exigere, ut, quod tu verum credis, idem omnibus videatur,
hoc vero et insolens et ineptum censuit.
Tum si maxime una vera sit, ceterae omnes vanae, facile tamen praevidit - modo cum ratione ac modestia res agatur - futurum denique;(?) ut ipsa per se veri vis emergat aliquando atque emineat.

vgl. Textauswahl



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