Komödien
Klausuren, Klassenarbeiten
Zusammenfasssung und Anm. Buch I und II
Textauswahl für den Unterricht erläutert
Vortrag über Thomas Morus und seine 'Utopia'
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'Parzival'

Abitur 1993 (Text in der Textauswahl unter ‚Gemeineigentum’)

Interpretationsaufgaben (Auswahl)
Lösungsvorschlag

I. Stellen Sie die sozialen Verhältnisse Englands dar, wie Thomas Morus sie im Ersten Buch aufgezeigt hat.
Die sozialen Verhältnisse sind charakterisiert durch Verelendung breiter Bevölkerungsschichten. Als die wesentliche Ursache dieser Verelendung gilt ihm das unsoziale Verhalten der Reichen und Mächtigen, die den öffentlichen Reichtum durch Klassenjustiz und Ausbeutung der arbeitenden Bevölkerung sozusagen unter sich aufgeteilt haben, so dass Morus England und die anderen Staaten seiner Zeit als 'conspiratio divitum', Verschwörung der Reichen, bezeichnen kann.
Thomas Morus hat seine Utopie als Anklage gegen diese sozialen Verhältnisse geschrieben, vor allem das 1. Buch und den Epilog des zweiten. Mit dem 2. Buch will er ein Gegenbild aufzeichnen zur schlechten Wirklichkeit seiner Zeit und damit ein Ziel geben, das man im Auge haben soll, wenn man die Wirklichkeit verbessert.

II. Zeigen Sie am vorgelegten Textausschnitt den Unterschied zwischen dem englischen Staat zur Zeit des Thomas Morus und den Vorstellungen eines sozialen Rechtsstaats auf! Sie sollten dabei auch das einbeziehen, was Sie bei Aufg. I. geschrieben haben.
Der englische Staat zur Zeit des Thomas Morus ist bestimmt durch die Eigentumsverhältnisse und die Gesetzgebung, die die Eigentumsverhältnisse zugunsten der Reichen und Mächtigen absichert und ihnen keine Verpflichtung auferlegt, mit ihrem Eigentum sozial umzugehen; das heißt aber auch, dass ‚res publica’ (in der Formulierung ‚re publica florente’) nicht mit 'Staat' in unserem Sinne übersetzt werden kann, sondern verstanden werden muss als Organisationsform, in der die Mächtigen Land und Produktionsmittel besitzen (Mit Beginn der Herrschaft der Tudors geht eine wirtschaftliche Erstarkung der Krone und der Gentry und Squires einher.). Wenn diese an Notleidende von ihrem Reichtum abgeben, dann höchstens gnadenhalber und nicht von Rechts wegen.
In einem sozialen Rechtsstaat sind alle verpflichtet, gesetzlich festgelegte Summen in gemeinsame Fonds zu zahlen, aus denen heraus die, die es nötig haben, unterstützt werden. Und je größer der Wohlstand der Allgemeinheit ist, desto mehr kann in diese Fonds eingezahlt und desto mehr kann verteilt werden.
Der Vergleich mit einem modernen sozialen Rechtsstaat soll bei dem Versuch, einen Staat zu erdenken, der von sozialer Gerechtigkeit bestimmt ist, die Perspektive eröffnen für eine realistische Alternative zum Gemeineigentum (so auch bei Aufgabe IV.).

III. Wie begründet Hythlodaeus im vorgelegten Text die Notwendigkeit, in einem Gemeinwesen wie dem Englands um 1500 vor allem an sich selbst zu denken?
Da es aus den oben dargelegten Gründen im England des Thomas Morus keine soziale Absicherung gibt, das Gemeinwesen sich nicht als Solidargemeinschaft versteht, sondern den Einzelnen sich selbst überlässt, ist dieser Einzelne, auf sich selbst gestellt, gezwungen, nur aus eigener Kraft für sich zu sorgen. Da diese Kraft bei den meisten gering ist, bleibt wenig übrig, dabei Rücksicht auf andere zu nehmen (rationem aliorum habere) oder sogar für andere mitzusorgen, so dass die Idee einer Solidargemeinschaft gar nicht erst aufkommen kann. Von denen, die überflüssige Kraft und Möglichkeit haben, so dass sie ein Sozialsystem einrichten könnten, spricht Hythlodaeus an dieser Stelle nicht. An anderen Stellen wird deutlich, dass er in der Gesellschaftsordnung, der er Utopia gegenüberstellt, Rücksichtslosigkeit für den Reichen und Mächtigen wesensimmanent hält.

IV. Wie wird nach dem vorliegenden Text bei der Gesellschaftsordnung Utopiens die soziale Absicherung erreicht?
Während in einem Sozialstaat, wie wir ihn kennen, das Eigentum gesetzlich gesichert ist, aber der Einzelne verpflichtet wird, einen Teil seines Eigentums oder dessen, was er mit Hilfe des Eigentums oder seiner Arbeitskraft produziert, in einen gemeinsamen Solidarfond zu geben, verbleibt in Utopien dem Einzelnen kein Eigentum, alles ist Gemeineigentum, so dass riesige Ressourcen (plena sint horrea publica) für eine Verteilung (distributio) zur Verfügung stehen; dementsprechend kann Hythlodaeus behaupten, dass alle reich sind, dass niemandem etwas fehlt, dass jeder nach seinem Bedürfnis erhält und sorglos leben kann.

Weitere mögliche Aufgabe:
Wie ist 'res publica' in der Formulierung 're publica florente' zu verstehen? Wieso kann man sagen, dass Ciceros Gedanke 'res publica' = 'res populi' hier nicht zutrifft? (Überprüfen Sie, ob Ciceros Gleichsetzung von 'res publica' mit 'res populi' zutrifft!)

Beschreiben Sie kurz die Entstehungsgeschichte der ‚Utopia’!

Diskutieren Sie mögliche Antworten auf die Frage, warum Thomas Morus den Raphael Hythlodäus über Utopia berichten lässt! Welche Antwort erscheint Ihnen plausibel?

Mit der Frage der Funktion des Hythlodäus stellt sich auch die Frage, in welcher Absicht Thomas Morus die Utopie geschrieben hat. Geben Sie (eine) mögliche Antwort(en)!
- Es ist ein literarisches Spiel mit einer Rolle, die Distanz schafft; die Utopie soll als positive Denkmöglichkeit hervorgehoben werden, aber nur als erdachte Möglichkeit, im Gegensatz zur sich aufdrängen Wirklichkeit; Gegenbild zur Gegenwart,
- Will Ziel angeben, das man im Auge hat, wenn man die Wirklichkeit verändert,
- Morus kann mit Ideen experimentieren, die er für überlegenswert hält, selbst wenn er ihnen distanziert gegenübersteht.



Klausur über Ausbeutung, Klassenjustiz und Hoffart / Klausur über Toleranz

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