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Klassenarbeit 10
04.11.98

Thomas Morus ‘Utopia‘ ‚Über die Bestrafung von Dieben’
2 Unterrichtsstunden 75 Wörter
Verhältnis Übersetzung - Interpretation 3 : 1

I. Übersetze:
Es spricht Hythlodäus in einem Kreis um den Erzbischof, Kardinal und Kanzler Johannes (John) Morton; Hythlodäus berichtet Thomas Morus von diesem Gespräch.

1 Punitio furum et supra iustum est et non ex usu publico. ...
2 Neque ulla poena est tanta, ut ab latrociniis eos cohibeat,
3 qui nullam aliam artem quaerendi victus habent.
4 Hac in re non modo vos, sed magna pars huius orbis malos praeceptores imitari videtur,
5 qui discipulos libentius verberant quam docent.
6 Decernuntur enim furanti gravia atque horrenda supplicia,
7 cum potius multo providendum sit, ut aliqui proventus vitae esset,
8 ne primum cuiquam dira necessitas furandi sit, deinde necessitas pereundi.
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zu 1: punitio, onis f. - Bestrafung; fur, ris - Dieb, davon abgeleitet: furari - stehlen (siehe Z. 6 und 8);
et ... et - sowohl ... als auch; supra iustum - über das gerechte Maß; ex usu publico est - er, sie, es ist im Interesse des Staats

zu 2: latrocinium - Räuberei, Dieberei; cohibere, eo - abhalten;

zu 3: ars, tis hier: Möglichkeit; quarere, o: erwerben; victus, us - Lebensunterhalt;

zu 4: modo - nur; orbis, is m hier: Welt, das 'huius' verweist auf die Welt, in der die Gesprächspartner leben, im Unterschied zu dem neu entdeckten Utopien; imitari - nachahmen; praeceptor, oris - Lehrer

zu 5: discipulus - Schüler; verberare - schlagen; libentius - lieber

zu 6: decernere, o hier: festsetzen; horrendus - grauenhaft; supplicium - Strafe

zu 7: cum potius multo - während viel eher, während vielmehr; providere, ut - dafür sorgen dass; proventus, us m - Unterhalt; ‘esse’ hier: dasein, geben

zu 8: primum - zunächst; dirus - unheilvoll, schrecklich; alicui necessitas est - jemandem (für jemanden) ist die Notwendigkeit da = jemand ist der Notwendigkeit unterworfen;

II. Fragen zum Text und seinem historischen Hintergrund
1 In welchem Jahr ist ‘Utopia’ entstanden?
2 Welches ist nach Hythlodaeus die Hauptursache für die Zunahme des Diebstahls?
3 Warum will Hythlodaeus nicht als Berater in den Dienst eines Königs treten?
4 Was hält Morus dem entgegen?
5 Wieso kann man sagen, dass sich rund 20 Jahre später erweist, dass Hythlodaeus Recht hatte?
6 Was ist für Hythlodaeus der Hauptgrund, der eine gerechte Gesellschaftsordnung in den real existierenden Staaten verhindert?
7 Die ‘Utopia’ des Thomas Morus ist in zwei Bücher aufgeteilt. Welches ist der Inhalt des ersten, welches der des zweiten Buchs? (Jeweils nur ein kurzer Satz)
8 Was versteht man unter ‘Humanismus’?

Hilfsübersetzung:
Die Bestrafung der Diebe ist sowohl über das gerechte Maß hinaus als auch nicht im Interesse des Staates (geht über ... und liegt auch nicht ...). Und nicht ist eine Strafe so groß (schwer), dass sie von Diebereien die abhält, die keine andere Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt zu erwerben.
In dieser Sache scheint nicht nur ihr, sondern ein großer Teil dieser Welt schlechte Lehrer nachzuahmen, die die Schüler lieber verprügeln als belehren.
Es werden nämlich für den Dieb schwere und grauenhafte Strafen festgesetzt, während vielmehr dafür gesorgt werden müsste, daß es (für sie) irgendeinen Lebensunterhalt gibt, damit nicht zunächst jemand der schrecklichen Notwendigkeit unterworfen ist, zu stehlen, dann der Notwendigkeit zu sterben.

Lösung der Fragen zum Text und seinem historischen Hintergrund

zu 1: 1516

zu 2: die Not, die Verelendung der armen Schichten in England (Kriegsversehrte, ausgenutzte Pächter, enteignete Bauern, Teuerung)

zu 3: Fürsten lassen sich nicht raten, halten an überkommenen Einrichtungen fest, wollen nur Machterweiterung, nicht zu radikalem Gesinnungswandel bereit

zu 4: Realitätssinn; zufrieden sein, wenn wenigstens das Schlimmste vereitelt wird

zu 5: Heinrich VIII hat Morus hinrichten lassen.

zu 6: das Privateigentum

zu 7: Das erste Buch beschreibt die soziale Situation im England zur Zeit des Thomas Morus, das zweite Buch hält diesem England den utopischen Staat entgegen.

zu 8: Eine Haltung, die das Mittelalter beendet und den Menschen in den Mittelpunkt stellt, vor allem die Würde des Menschen (Humanität)

Dieser Text u. a. auch als mündliches Abitur 4. Abiturfach GK Latein 1993
vgl. auch Textauswahl

Eines der Themen des Prüfungsgesprächs:
Charakterisierung der beiden Bücher; Utopie als Kritik an den bestehenden Verhältnissen, Utopie als Leitfaden für Veränderungen;
Die Schüler sollten auch erkennen, dass nach Morus vor dem 'docere' die Änderung der sozialen Verhältnisse stehen muss und dass einer solchen Änderung der utopische Entwurf von 'Utopia' dienen soll.



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