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Geld gegen Liebe
oder wie Geiz Lebensglück zerstören kann
Molières Komödie ‚Der Geizige’ in Bergisch Gladbach


In seiner Komödie ‚Der Geizige’ aus dem Jahr 1668 versteht Molière Geiz als Gier, als Habgier, die ausschließlich an eigene Bereicherung denkt, der selbstloses Weggeben absolut fremd ist. Geiz rafft gewissenlos zusammen und hält das Erworbene gierig fest. Schrankenloses Anhäufen von Geld ist für den Geizigen der einzige Beweggrund all seines Tuns und Denkens; Leben und Geldbesitz sind für ihn dasselbe: Als man dem Geizigen in Molières Stück eine Kassette mit Geld gestohlen hat, hält er sich für tot, für ermordet (IV,7).

Der Geizige in Molières Stück heißt Harpagon (nach dem Lat. ’harpago’ ‚der Räuberische’, ‚Habgierige’), und ist „unter allen Menschen der am wenigsten menschliche Mensch“ (de tous les humains l’humain le moins humain; II,4). Seine Lebensphilosophie: Geizen ohne Gnade, gnadenlos seinen Besitz durch wucherische Kreditgeschäfte, die beste Geldanlage jener Zeit, vermehren und das raffgierig Vermehrte hartherzig zusammenhalten auf Kosten Anderer. Harpagon ist so sehr von seinem Besitz besessen, dass er an dem Verfolgungswahn leidet, jeder wolle ihm seinen Schatz rauben – die ständigen Vorwürfe an alle, auch an seine engsten Familienmitglieder, sie wollten ihn bestehlen, gehören zu den bitter-komischen Elementen dieser Komödie.

Gnadenlos nutzt Harpagon seine moralische, rechtliche und ökonomische Macht als Familienoberhaupt: Seine Kinder Cléante und Élise dürfen nur heiraten, wenn es ihn nichts kostet, wenn vielmehr die Heirat ihm Gewinn bringt. Die Kinder können sich nicht wehren; nach den Vorstellungen der Zeit Molières hat „der Himmel die Eltern zu Herren der Liebe“ der Kinder gemacht (I,2). Unglücklicherweise haben die beiden sich solche Partner ausgesucht, die - so scheint es - nicht das Vermögen einbringen, das der Vater erwartet, Cléante liebt Mariane und Élise liebt Valère. Aber nach dem Willen des Vaters soll Cléante eine reiche Witwe und Élise einen alten Reichen heiraten, der sie „ohne Mitgift“ (I,5) nehmen will. Der Vater selbst hat ein Auge auf Mariane geworfen; er will sie heiraten, „falls sie nur etwas Vermögen besitzt“ (I,4); er begibt sich in die Rolle des verliebten und deswegen für gröbste Schmeicheleien zugänglichen und darum verspotteten Alten, eine Rolle, die seinem Wesen widerspricht: Wer so ichbezogen vom Geld besessen ist, kann nicht lieben - „Liebe ist für Menschen seines Schlags nicht geschaffen“ (II,1)

Thema von Molières Komödie ist nicht nur die Lächerlichkeit des Geizes; vorgeführt wird auch die Rebellion der jungen Generation gegen die Abhängigkeit von den Älteren.

Für Mariane beispielsweise gibt es, wenn sie sich und ihre Mutter vor Verarmung retten will, keinen anderen Weg als sich auf die Bewerbung des alten Scheusals Harpagon einzulassen: „Ach! liegt es denn in meiner Macht, einen Entschluss zu fassen? Und kann ich in der Abhängigkeit, in der ich mich befinde, mehr als nur Wünsche hegen?“ (IV,1)

So mächtig sind die Zwänge, die die jungen Leute von den Älteren abhängig machen, dass Harpagons Tochter Élise im Selbstmord die einzige Möglichkeit der Rebellion gegen den Willen des Vaters sieht. Das Stück müsste aufgrund der gesellschaftlichen Verhältnisse jener Zeit als Tragödie enden. Der Komödien-Dichter aber führt das Geschick der jungen Leute gütig zu einem guten Ende, obwohl Harpagon bis zu seinem letzten Auftritt derselbe bleibt, ein geldgieriger Unmensch. Wie Molière das Happy-End herbeiführt, darüber kann der Besuch im Theater aufklären.

Nur heimlich können sich die Kinder ein Stück Unabhängigkeit erringen. Harpagons Sohn Cléante versucht durch Glücksspiel und durch Schulden der Abhängigkeit vom Vater zu entkommen. Als er dringend Geld braucht, um die verarmte Mariane zu unterstützen und mit ihr fortzuziehen, falls der Vater seine Zustimmung zur Heirat verweigert, will er Geld leihen – vom Vater ist ja nichts zu erwarten. Dabei gerät er durch einen Vermittler an einen zunächst anonymen Verleiher, der Wucherzinsen nimmt. Als sich herausstellt, dass sein Vater der Wucherer ist, kommt es zu einem Zusammenstoß zwischen Vater und Sohn.
Harpagon: Du bist es, der sich durch so verdammenswerte Darlehen ruinieren will?
Cléante: Ihr seid es, der sich durch so verbrecherischen Wucher zu bereichern sucht?
Erröten Sie nicht, wenn ... sie ihren Ruf und ihren Leumund der unersättlichen Raffgier und Habsucht opfern und sich durch die erbärmlichen Methoden bereichern, welche die schlimmsten Wucherer ersonnen haben?“ (II,2)

Das Thema der Abhängigkeit vom Vater und der Rebellion der Kinder gegen diese Abhängigkeit wird in Molières Komödie verschärft durch den Geiz Harpagons, der schamlos die gesellschaftlichen Zwänge für seine Zwecke nutzt. Élises heimlicher Liebster Valère weist Harpagon darauf hin, dass es auch Väter gebe, „denen die Rücksicht auf die Zufriedenheit ihrer Töchter näher am Herzen liegt als das Geld, ... die die Töchter nicht dem Profit opfern würden und vor allem darauf bedacht wären, der Ehe jene süße Eintracht zu verschaffen“ (I,5), die nie zustande käme, wenn Ehen unter finanziellen Gesichtspunkten geschlossen würden.

Geld contra Liebe, berechnende Gewinnmaximierung gegen die schönen Gefühle, Unmenschlichkeit gegen Anstand also. Den Anstand vertreten in diesem Stück die jungen Leute, für Unmenschlichkeit steht der alte Harpagon, der „Geld mehr liebt als Ansehen, Ehre und sittliches Verhalten“ (II,4). Der Alte ist einer lebensfeindlichen Habgier erlegen, die Jugend dagegen will menschenwürdig leben.

Donnerstag, den 12. Februar 2004, 19.30 Uhr; Besetzung: Jörg Pleva, André Sade, Jana Rudwill u.a.; Regie: Jörg Pleva / Klaus Piening



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