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Ist Ehe wirklich eine solche Hölle?

Martin Walsers Ehedrama ‚Die Zimmerschlacht’ im Bergischen Löwen
Ankündigung der Aufführung

Dieses vielgespielte Werk der 60er Jahre ist die bitterböse Analyse einer kaputten Ehe. Bissig, pointiert, sprachlich geschliffen zeigt Martin Walser in seinem Zwei-Personen-Stück ein Ehepaar, das seine ganze Intelligenz einsetzt, um sich gegenseitig fertigzumachen.

Die Vorgeschichte: Der Architekt Benno hat seine ‚Freunde’ eingeladen: den Erdkundelehrer Dr. Felix Fürst mit Gattin Trude, die „in Hals-Nasen-Ohren praktiziert hat“, nun aber Hausfrau ist, und zwei andere Ehepaare.

Zur Vorgeschichte gehört auch, dass die drei geladenen Paare sich einig waren, die Einladung zu boykottieren; Grund des Boykotts: die unerträgliche Arroganz des „schönen Benno“, die alle anderen – so sieht es Felix – zu Witzfiguren degradiert. Nun hat dessen Überheblichkeit einen neuen Höhepunkt erreicht: Benno hat sich von seiner Frau Regina getrennt und sich eine Vierundzwanzigjährige zugelegt. Mit dieser „enorm gut aussehenden Person“ wolle er jetzt „triumphieren“. Dazu seien sie eingeladen, meint Felix. Durch den Boykott aber sei Benno „erledigt“.

Felix hat seine Frau nicht in das Komplott eingeweiht und jetzt das Problem, das Zu-Hause-Bleiben zu rechtfertigen. Er spielt den feurigen Ehemann, deutet an, dass er lieber mit seiner Ehefrau einen aufregenden Abend verbringen will; Trude, nach 20 Jahren Ehe - beide gehen auf die Fünfzig zu - , durchschaut ihn natürlich: Wenn sie morgen den aufregenden Abend erleben möchte, „dann musst du noch eine Gesteinsprobe beschriften. Und vierzehn Hefte korrigieren.“

Trude erfährt die wahren Gründe des Boykotts, und aus dem Problem mit Benno wird das Duell zwischen den beiden Ehegatten. Trude holt zum ersten Tiefschlag aus: „Warum gehen wir nicht hin und versauen ihm seinen Triumph an Ort und Stelle. Ich sag dir warum! Weil du eine ganz kleine Nummer bist. Du weißt schon, bevor du dieses Weibsbild gesehen hast, ... dass dir vor Neid das Maul abstirbt und du gelb und grün wirst im Gesicht“.

Felix gibt nicht auf, Trude das Zu-Hause-Bleiben schmackhaft zu machen. Sie sollten spontan irgendetwas Verrücktes, Ausschweifendes, Wildes tun, „was den Rahmen sprengt“, den Rahmen, der sie einzwängt; sie sollten sich hingeben, verlieren, „von mir aus an den Cognac“, in der Hingabe, im Taumel sich selbst entkommen. Aber der Versuch, mit Spontaneität Freiheit zu gewinnen, scheitert kläglich. Felix kann das Ausschweifende, Rauschhafte nur spielen – zum großen Bedauern Trudes. Zu ihrem großen Bedauern bleibt sie auch immer nüchtern, wenn sie mit Felix trinkt.

Der Mann ist in der Ehe der Herr, und deshalb schon in einer komfortableren Position. Die Frau ist durch jahrhundertelange Tradition die Abhängige, Unterlegene. Sie kann nur von der Kraft des Mannes leben, erwartet vieles und entsprechend groß ist ihre Enttäuschung. Deshalb wohl ist ihre Aggressivität kompromissloser, giftiger, verletzender, grausamer. Trude greift an, indem sie die Rolle, die die Gesellschaft ihr zugedacht und die sie verinnerlicht hat, überzieht. Sie erwartet von Felix, dass er ihr brutaler Held, ihr Jäger, ihr Jagdflieger ist, der den Gegner „abknallt“ (O-Ton Trude). „Ein Sieger. Ein Töter. Ein Held!“ - davon kann sie nicht genug bekommen. Und Felix erfindet Jagdfliegerabenteuer, muss dann aber zugeben, dass er „fliegeruntauglich“ war. Trudes Kommentar: „Das ist das Enttäuschende, dass du immer glaubst, du musst dich ausstaffieren. Und dann hältst du’s doch nicht durch. Dieses Hin und Her. Das ist das Schlimme.“

Nun soll er wenigstens Heldentum beim Töten einer Maus – für sie ist es eine Ratte – beweisen. „Herrgott, muss ich, eine Frau, dir, dem Mann, noch zeigen, wie man eine dreckige Ratte erledigt. ... Entweder du bist ein Mann oder du bist keiner.“ Und als er nicht zuschlägt: „Mit so was muss ich den Abend verbringen. Das Leben. Rühr mich nicht an. Du bist nicht besonders appetitlich.“

Felix versucht die Gegenattacke: Vor der Vierundzwanzigjährigen könne Trude nicht bestehen. Und als sie ihm Mundgeruch vorwirft, greift er dies auf: „Das hab ich davon, dass ich alles in mich hineinschlucke. Deine Mängel absorbiere ich schweigend wie der Filter den Schmutz.“ Zu Bösartigerem ist er nicht imstande, wohl aber Trude: Als sie ihm Untreue vorwirft, mit der sie sich und ihn schon jahrelang plagt, und er diesen Vorwurf entkräften kann, reagiert sie anders, als man erwartet: „Und mit so was war ich verheiratet. Gibt an. Spielt den tollen Mann ... Und ich verzeih ihm. Er ist eben ein Mann. Und dann ist er gar keiner ... Felix, das kann dir niemand verzeihen. Du bist ein Monstrum. ... Ich bin verheiratet mit einer komischen kleinen spießigen Nummer.“

Nun spricht Trude von ihren existenziellen Erwartungen, hier ist der Krieg auf seinem Gipfel und bis in den Kern vernichtend. Ihr Mann kann diese Erwartungen nicht erfüllen. „Du zählst nicht, hast noch nie gezählt ... Ich weiß nicht, wieviele ich bräuchte von deiner Sorte. Auf jeden Fall eine Mehrzahl.“ ... Und das Schlimmste, Felix: ich darf dich nicht einmal merken lassen, wie wenig du zählst. Ich muss so tun, als wärst du ganz toll und mir verginge unter dir Hören und Sehen. Dann hast du deinen ... deinen kleinen Aderlass. ... Ich bleib liegen. Im Feuer. Verrecke ganz langsam. Du schenkst dir Sprudel ein.“

Dann aber die Besinnung: Die beiden anderen Ehepaare sind doch noch - wie Felix durch einen Anruf Bennos erfährt – zur Party gegangen; „Verrat: Alle sind umgefallen.“ Felix und Trude haben nur noch sich und wissen, dass sie sich diesen Ehekrieg „einfach nicht leisten“ können. Alles beginnt wieder von vorne. Die Maus – „das dreckige Biest“ – wird von Felix mit einem Stein aus seiner Sammlung brutal erschlagen - Ersatzhandlung -, Felix erwartet Belohnung. Das Schlafzimmer? fragt er. Sie will aber nicht gefragt, sie will überwältigt, spontan ins Bett gezerrt werden. Gegen ihren Willen will sie sich ihm unterwerfen - wieder das alte Klischee. Der von Hass genährte Krieg flammt neu auf; Mordgedanken von Seiten des Mannes; und Trude: „...pump dich nicht auf ... du schaffst es nicht.“

Und dann der Schluss: Auch sie gehen zu Bennos Party, wollen es denen richtig zeigen und wollen Zusammengehörigkeit demonstrieren; die Feindseligkeit der Welt draußen hält die beiden notgedrungen zusammen.

Aufführung durch das Tourneetheater ‚die scene’, München, mit Nikolaus Paryla, Undine Brixner u.a.; Sonntag, den 29. Oktober 2002, 19.30.Uhr



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