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Klassenarbeit 9 - 1999

Patrick Süskind ‘Das Parfum’ (2 Unterrichtsstunden)

I. Erkläre mit wenigen Sätzen die Situation, die Voraussetzung für das Kapitel 32 ist!
(Nicht die Inhaltsangabe des ganzen Romans; den Inhalt des Romans bis zu dieser Stelle kannst du als bekannt voraussetzen. Es genügt der Hinweis, welches Problem Grenouille hat, so dass er seine Höhle verlässt, und wie er dieses Problem zunächst einmal lösen kann.)

II. Fasse den Inhalt des Kapitels 32 zusammen!

III. Erkläre, warum sich Grenouille nicht mit solch geliehenem Geruch, auch nicht mit dem vollkommensten, am Ende zufrieden gibt und damit auch nicht mit der Liebe, die ihm entgegengebracht wird!

zu I
Nachdem Jean-Baptiste Grenouille hat erkennen müssen, dass er keinen eigenen Geruch hat, bekommt er mit Hilfe des Marquis de la Taillade-Espinasse die Gelegenheit, bei einem Parfümeur in der Stadt Montpellier den Duft des Menschlichen zu kreieren, der ihn wie eine Maske umgibt.

zu II
Im Kapitel 32 wird gezeigt, wie Grenouille, eingehüllt in einen menschlichen Geruch (S.194), die Wirkung dieses Geruchs auf die Menschen (S.195) erprobt und zu dem Entschluss kommt, mit Hilfe der Wirkung eines verbesserten, übermenschlichen Dufts über die Menschen zu herrschen.
Zunächst hat er Angst, unter Menschen zu gehen, denn er empfindet den Menschengeruch als widerwärtig und kann sich nicht denken, dass andere ihn nicht ebenso empfinden. Darum geht er zunächst ins Viertel der Gerber, weil er glaubt, er falle mit seinem eigenen Geruch unter dem extremen Gestank der Gerbereien und Tuchfärbereien nicht so sehr auf.
Bisher haben Menschen keinerlei Notiz von ihm genommen, nicht aus Verachtung - wie er einmal geglaubt hatte -, sondern weil sie nichts von seiner Existenz bemerkten. (194) Bei zufälligen Zusammenstößen mit Grenouille haben sich die Menschen entsetzt, als sähen sie ein Wesen, das es eigentlich nicht geben dürfte (195). Jetzt übt er eine Wirkung auf Menschen aus, worauf er sehr stolz ist.
Nach mehreren Begegnungen, bei denen man ihn wahrnimmt, beachtet, wurde (er) selbstsicherer und kecker (S.195). Er wagt sich dichter (S.195) an Menschen heran bis zur Berührung, rempelt sogar jemanden an, der nicht entsetzt ist, sondern Grenouilles Entschuldigung freundlich annimmt.
Durch solche positive Erfahrung bestärkt, zieht es ihn dorthin, wo die Menschen am dichtesten (S.196) stehen: Auf dem Domplatz taucht Grenouille drängend und bohrend in die Menge (S.196) Schaulustiger ein, die auf das Erscheinen einer Braut warten (hautnah sollten sie um ihn sein ).
Seine Freude war grenzenlos, als er merkte,
dass sein künstlicher Geruch niemandem auffällt, dass die Menschen ihn, die Kuckucksbrut in ihrer Mitte, als einen Menschen unter Menschen akzeptierten (196).
In Grenouille bricht ein schwarzer Jubel los, ein böses Triumphgefühl darüber, dass er keine Angst vor ihnen habe, ja kaum noch sie hasse; sondern ... sie ... verachte, ... weil sie stinkend dumm waren; weil sie sich von ihm belügen und betrügen ließen; weil sie nichts waren, und er war alles! (197)
Nach dieser Erfahrung seines Erfolgs geht Grenouille in den Dom. Er ist erfüllt von große(r) Zufriedenheit ... sehr kalte(r) und nüchterne(r) Zufriedenheit, wie sie das Bewusstsein der eigenen Macht gebiert. Er wusste jetzt, wozu er fähig war, ... dass er diesen Duft verbessern konnte ... einen Duft kreieren ... der nicht nur menschlich, sondern übermenschlich war ... dass, wer ihn roch, bezaubert war und ihn ... lieben musste. (198)
Er nimmt sich vor, dass die Menschen ihn lieben sollten ... bis zum Wahnsinn, bis zur Selbstaufgabe. Er will allmächtig sein in der wirklichen Welt. Dies werde ihm gelingen, da die Menschen sich nicht dem Duft entziehen können. ... Wer die Gerüche beherrschte, der beherrschte die Herzen der Menschen.
Er will die Menschen beherrschen, weil er durch und durch böse sei, so sagt er sich selbst.
Den Weihrauchduft im Dom einatmend, fühlt er sich größer als Gott, der mit Ersatzweihrauch betrogen wird und selbst ein Betrüger ist wie Grenouille - nur ein um so viel schlechterer. (200)

zu III.
Grenouille leidet darunter, das er keine Identität hat (seine Geruchlosigkeit ist dafür Symbol: er kann sich selbst nicht riechen und weiß deshalb nicht, wer er sei. 316). Identität und Anerkennung dieser Identität will er dadurch gewinnen, dass er die Menschen beherrscht. Dies gelingt ihm scheinbar, indem er mit Hilfe des Dufts von Laure die Menschen durch Liebe an sich fesselt und er so absolute Macht über sie hat. Nach dieser Erfahrung wird ihm aber nachdrücklich bewusst, dass es ja nur der geliehene Duft ist, der die Menschen an ihn fesselt, dass die Menschen nur seine Maske lieben, dass er also nicht um seiner selbst willen geliebt wird. Da er von sich zumindest weiß, dass er böse ist, erwartet er den Hass der Menschen, wenn sie ihn wirklich in seinem Wesen erkennen (Er wollte ein Mal, nur ein einziges Mal, in seiner wahren Existenz zur Kenntnis genommen werden und von einem anderen Menschen eine Antwort erhalten auf sein einziges wahres Gefühl, den Hass.). Und dies - als er selbst erkannt werden, in seiner wahren Existenz zur Kenntnis genommen werden - ist ihm wichtiger als Liebe, die ihm aufgrund einer Maskerade, unter der nichts ist, entgegengebracht wird; deswegen wünscht er sich, von Richis’ Hass getötet zu werden.



Süßkind

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