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2. Klausur LK 12.2
29.04.97
Zeit: 4 Unterrichtsstunden

Anna Seghers ‘Das siebte Kreuz’ Aufbauverlag 2. Auflage 1994
S. 314 (Was den Franz ...) bis Ende des Kapitels S. 320 und S. 393 (Blind vom Weinen ...) bis Ende des Unterkapitels S. 394

Interpretieren Sie die angegebenen Seiten des Romans!

Lösungsvorschlag

zu 1. Franz Marnet:
Schreiben Sie über den Charakter von Franz Marnet und über sein Problem, soweit der ausgewählte Text darüber Auskunft gibt!
Beantworten Sie über den Text hinaus die Frage, welche Perspektive sich im weiteren Verlauf des Romans für Franz andeutet und wie diese Perspektive zu verstehen ist!

Franz Marnet gehört zu den Menschen, die sich unter den extremen Bedingungen des nationalsozialistischen Terrors bewähren. Begründet ist diese Bewährung in seinem Charakter, in dem Eigenschaften verwurzelt sind, die ihn gegen das Inhumane Widerstand leisten lassen: ein ausgeprägter Gerechtigkeitssinn, der ihn schon als Jugendlichen zunehmend für die sozialen Belange der Menschen kämpfen ließ (Dann aber ist dieses andere über mein Leben gekommen ... dieser Wunsch nach Gerechtigkeit. Und mein Leben ist langsam anders geworden.); zu diesem Wunsch nach Gerechtigkeit passt seine aufopferungsvolle Hilfsbereitschaft und seine große Fähigkeit zu Freundschaft und Treue gegenüber Menschen, denen er sich aufgrund einer starken intuitiven Menschenkenntnis angeschlossen hat.

Die aufopferungsvolle Hilfsbereitschaft zeigt sich bei dem Versuch, Georg zu helfen; eine halbe Hoffnung, dass Georg sich zu Paul Röder geflüchtet hat, treibt ihn dazu, diesen aufzusuchen. Der Wunsch, Georg zu helfen, ist so stark, dass er enttäuscht und niedergeschlagen ist, als Liesel Röder ihm sagt, ihr Mann sei verreist.

Aufgrund seiner Treue und Hilfsbereitschaft würde er so viel riskieren, dass Hermann, sein Freund, besorgt ist über dessen Vorgehen, es für falsch und zwecklos hält und befürchtet, dass Franz, weil er alles für Georg tun will, zuviel aufs Spiel setzt und einen Fehler machen könnte: Franz muss jetzt ganz aus dem Spiel bleiben.

Franz ist nicht der Typ des sich aufopfernden Helden, kein geborener Märtyrer; er ist auch nicht der Mensch mit großen Visionen und Träumen einer zukünftigen Welt. Er ist ein schlichter, einfacher, aufrechter Mensch, der etwas schwerfällig wirkt (etwas schläfrige Gesicht), wenn er z. B. die Ratschläge Hermanns, der für ihn nicht nur Freund, sondern auch Autorität ist, immer genau befolgt.

Er hält sich selbst - so äußert er sich im Gespräch mit Hermann - für einen ganz gewöhnlichen Menschen, der sich für sein Leben die allergewöhnlichsten Sachen wünscht. Er hat kein Fernweh, er hätte sich da, wo er lebt, sehr wohlgefühlt. Er hat nicht die Lust nach allen möglichen Frauen, nach allerlei Abenteuern. Er ist in seinem innersten Wesen ein treuer Mensch. Wenn ich die Elli bekommen könnte, wie wäre ich froh geworden. ... Ich ... wäre zufrieden, ich könnt mit ihr wohnen, bis wir alt und grau sind.... Ich habe mir immer im Leben die einfachsten Sachen gewünscht - keine großartigen Utopien also, sondern bescheidene Wünsche: er möchte in seiner Heimat leben, in der er verwurzelt ist, er möchte einige soziale Verbesserungen erreichen und er möchte - ohne von einem Terrorregime gehindert zu werden - mit Elli sein kleines Glück genießen: Nachher möchte ich auch noch sein, wo ich jetzt bin, nur anders. In demselben Betrieb, nur als ein anderer. Hier arbeiten für uns. Und am Nachmittag so frisch aus der Arbeit kommen, dass ich lernen und lesen kann.... Überhaupt soll das alles hier sein.

Dass er in einem von legalisierter Brutalität durchdrungenem Land dieses Glück nicht erreichen kann, liegt an diesen politischen Verhältnissen, aber auch an einer geradezu hartnäckigen Gradlinigkeit des Franz (vgl. die Bemerkung über dessen Zähigkeit), der sich dem Unrecht nicht anpassen kann.

Es bleibt die Sehnsucht nach dem einfachen Leben; es unter den gegebenen politischen Verhältnissen zu leben, daran hindert ihn sein Gefühl für Solidarität mit denen, die unter der Brutalität der Nazis leiden, eine Solidarität, die sich nicht nur auf seine unmittelbare Umwelt bezieht.

Es deutet sich an, dass Franz das einfache Leben, das er sich wünscht und das so anders ist als sein jetziges, zusammen mit Lotte und deren kleiner Tochter gelingen könnte. Lotte, deren Mann von den Nazis umgebracht wurde, hat darüber geklagt, dass die Verbindungen zu den Kämpfern für das Humane abgebrochen sind (Ihr andern habt alles vergessen ... Damit rechnen die S. 410). Jetzt werden sie neu geknüpft und für die Zukunft bewahrt (Symbol des letzten Apfels, der vom Kind der Lotte entdeckt wird).

zu 2. Paul und Liesel Röder
Charakterisieren Sie, vom ausgewählten Text ausgehend, Paul und Liesel Röder! (Hier ist es sinnvoll, auch Kenntnisse über Paul Röder, die Sie aus anderen Textstellen haben, einzubeziehen.)

Paul Röder ist im Unterschied zu Franz, der gar nicht so ‚einfach’ ist, wie er sich selbst sieht, tatsächlich recht naiv; er begreift nur, was in seiner unmittelbaren Umgebung geschieht, er kann von ihr nicht abstrahieren und über seine enge Welt hinausblicken, er sieht auch nicht die Verbindungen seiner Welt mit der, von der seine nur ein Teil ist (vgl. seine Einstellung zum spanischen Bürgerkrieg).

Im Bereich seiner kleinen Welt aber ist er herzensgut und unmittelbar zur Hilfe bereit.

Und noch mehr als Paul kennt dessen Frau Liesel nur ihr eigenes rundes Leben (394): ihre Familie, vor allem ihre Ehe mit Paul; sie lebt nur in einem recht beschränkten Hier und Jetzt; sie kann noch weniger von sich abstrahieren, ihr Horizont ist noch enger als der Pauls, der in sein Denken und Fühlen wenigstens noch Freunde miteinbeziehen kann.

Darum wehrt sie sich heftig, Georg zu helfen, als Paul ihr einen Teil der Wahrheit erzählt hat: Georg werde von der Gestapo gesucht wegen der alten Sachen, die nun furchtbar bestraft würden. Als nämlich Paul ihr, nachdem sie sich beschwert hat, warum man ihr nicht die Wahrheit gesagt habe, in verändertem, trockenen Ton entgegnet, dass er nicht gewusst habe, wie sie die Wahrheit vertrage (anderen, ihm ziemlich fremden Menschen vertraut er!), gibt Liesel zu, dass sie es - zunächst jedenfalls - abgelehnt hätte, Georg zu helfen; sie rechnet ein Menschenleben gegen fünf auf, mit dem ungeborenen Kind sogar gegen sechs. Paul: „Liesel, es ist um sein Leben gegangen -“ - „Ja, aber auch um unseres.“

Liesel muss erst darauf gestoßen werden, welche Konsequenzen ihr Handeln hat, für Georg, aber auch für ihre Vorstellungen von Recht und Unrecht. Als Paul sie fragt, wie sie denn reagiere, wenn sie erführe, dass Georg zum Tode verurteilt worden sei („Tätst du ihm dann die Tür nochmals zumachen vor der Nase, wenn du das vorher wissen konntest?“), antwortet sie, dass sie Georg aufgenommen hätte.

Paul ist bei seiner selbstverständlichen Hilfsbereitschaft vieles zu riskieren bereit: nicht nur sein Leben, wenn die Fluchthilfe entdeckt wird, sondern - sollte die Fluchthilfe nicht entdeckt werden - auch seine Ehe: Als er spürt, dass seine Frau Georg nicht helfen will, fühlte [er] sich elend. Er war zum erstenmal mutterseelenallein. Nie mehr kann es so werden, wie es gewesen ist. Seine Frau wird ihm fremd: Er war ein Stück von ihr abgerückt.

Aber auch Liesel spürt, dass diese extreme Situation, in die sie mehr zufällig hineingeraten sind, wie ein Katalysator wirkt auf ihre Beziehung zu Paul: Sie bekommt den Eindruck, dass Georg für Paul wichtiger ist als seine Familie. Dann aber schämt sie sich (Jetzt denkst du schlecht von mir); sie glaubt, die Gemeinsamkeit zwischen ihnen sei zuende ( ... das denkst du, ... dass du jetzt ganz allein bist, und dass wir dich einen Dreck angehn.)

In dieser Situation kehrt Paul - nun wieder ein wenig naiv - seine Rolle als Mann und Familienvater heraus: ... deshalb hab ich dir nichts gesagt, denn du hättest ihn vielleicht zuerst nicht aufgenommen, aber nachher, wenn man dir alles erklärt hätte, wär’s dir leid gewesen.“ Er, Paul, stehe dafür ein, was er auf sich genommen habe, er sei der Mann und der Vater der Familie; er könne sich auch sogleich entscheiden und schwanke nicht hin und her, bis es zu spät ist.

Dieser Anstoß, den Liesel erfahren hat, hat weitergewirkt, sie ist gefühlsmäßig aus der Enge heraus, in der sie ganz und ausschließlich für ihre Familie gelebt hat.

Als Paul inzwischen zum Verhör zur Gestapo bestellt worden ist, weint Liesel Röder zunächst hemmungslos über den zu befürchtenden Verlust; sie hatte ihre ganze Kraft hineingesteckt ... in dieses gegenwärtige gemeinsame Leben ... hasste ... jeden, der an diesem Leben (das gemeinsame mit Paul) zu rütteln gewagt hatte, sei’s mit Verfolgungen, Drohungen, sei’s mit Versprechungen von etwas Besserem, Zukünftigem. Sie denkt an ihr eigenes Leben, das nun zerstört zu werden droht. Aber sie fragt sich auch, ob alles so sein könnte wie vorher, wenn Paul gestanden hätte; sie hat - ähnlich wie Mettenheimer - nun ein starkes Gespür dafür, was es bedeutet, einem Verfolgten nicht geholfen, möglicherweise ihn sogar verraten zu haben: Wenn er (gemeint ist Paul) gestanden hat, kann er dann heimgehen ... Kann dann alles so sein, wie es vorher war? ... Nichts könnte mehr wie vorher sein. ... eine Scheinwelt ... ein fälschlich zurückgekehrter Paul, der kein Paul mehr ist. Sie weiß, dass ihr gemeinsames Leben dann aufgehört hat, ein Leben zu sein.

zu 3. Was erfahren Sie in der ausgewählten Textstelle - und nur in dieser - über Georg?
Georg arbeitet die Nacht über hart in der Werkstatt der Frau Grabber und denkt darüber nach, wie es wäre, wenn sich jetzt keiner mehr um ihn kümmerte, wenn ihn keiner abhole, und weiß nicht, ob er noch auf Hilfe warten oder auf eigene Faust weiterfliehen soll; er glaubt, sein Ende sei unvermeidlich. In dieser verzweifelten Situation, in der er sich von allen verlassen fühlt, denkt er wieder an Wallau; wenn er gefangen und eingeliefert wird, soll es geschehen, solange Wallau noch lebt. Wenn es denn unvermeidlich ist, lieber rasch, dass ich mit Wallau zusammen sterbe!



Klausur Dr. Löwenstein / Klassenarbeit über Bachmanns und Frau Wallau

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