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1. Klausur 12.2
20.03.96
(3 Unterrichtsstunden)

Thema: Jurek Becker ‘Jakob der Lügner’

S. 246 (ab Kowalski fragt Jakob nicht morgen ...) bis S. 257 (Denn Jakob hat wieder sein Radio gefunden.)

I. Fassen Sie den angegebenen Textausschnitt kurz zusammen!

II. Erläutern Sie den Textausschnitt, indem Sie folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:

a) Charakterisieren Sie Jakob (wie er vorher war, wie er jetzt ist)! Gehen Sie dabei auch auf die Frage ein, warum Jakob Kowalski die Wahrheit sagt!

b) Erläutern Sie die Frage, ob sich Jakob berechtigt Vorwürfe wegen des Tods von Kowalski machen muss!

c) Charakterisieren Sie die Beziehung zwischen Jakob und Kowalski! Hier ist es sinnvoll, über den angegebenen Textausschnitt hinauszugehen.

d) Kennzeichnen Sie die Situation des Erzählers und die Eigenart der Erzählperspektive in diesem Roman (an Beispielen dieses Textausschnitts)!

e) Schreiben Sie, wenn Sie noch Zeit haben, was Ihnen an dem ausgewählten Text über das, was bisher bearbeitet werden sollte, hinaus noch aufgefallen ist!

Achten Sie auf Textbezug; zitieren Sie Kernstellen! Schreiben Sie bitte leserlich und lassen Sie eine Zeile frei, wenn ein neuer Gedankengang beginnt!

Lösungsvorschlag

I. Fassen Sie den angegebenen Textausschnitt kurz zusammen!
(Manche der hier angegebenen Zitate könnten ausgelassen und bei Aufgabe II verwendet werden.)
Kowalski besucht Jakob und findet ihn ...in schlechter Verfassung; Man hat Elisa Kirschbaum abgeholt. Jakob spürt eine bislang unbekannte Schwäche; die Ursachen sind Hunger und Mutlosigkeit. Gründe der Mutlosigkeit: Elisa Kirschbaum; schwerer wog schon der Besuch Rosas, sich anhören zu müssen, wie Lina ihn mit Lügen verteidigt hat ... es kommt von überallher ein bisschen zusammen; vor allem aber, weil viele zu ihm kommen und an kein gutes Ende mehr glauben. Und statt Geschützfeuer sieht man nur diese widerliche Trostlosigkeit. Und Jakob vermutet, dass er die Russen zu weit hat kommen lassen. Er fühlt sich krank, muss aber wegen Lina gesund bleiben.
Jakob erinnert sich, wie er einmal ein Bein gebrochen hat, vor Josefas Zeiten; und jeden zweiten oder dritten Abend ist Kowalski vorbeigekommen; sonst ist er nie krank gewesen.
Kowalski will gar nicht mehr nach den Russen fragen, nur noch plaudern, mit wem sonst, wenn nicht mit dem einzigen alten Freund.
Jakob sagt, er könne nicht mehr; die Grenze, etwas auszuhalten, sei erreicht.. Kowalski weiß nicht, dass Jakob die bedingungslose Kapitulation vorbereitet, das schlimmste aller Eingeständnisse. Kowalski ist beunruhigt, weil Jakob nie so mutlos war, sondern immer ein Seelentröster; Jakob konnte eine Kleinigkeit überzeugender als andere „Kopf hoch“ sagen ... der einzige im dünn gesäten Bekanntenkreis (von Kowalski), ...der sich überhaupt die Mühe gegeben hat, einem so etwas zu sagen.
Mit Wehmut ... Resignation sagt Jakob die letzte Meldung, dass er kein Radio hat, nie gehabt hat. Er weiß auch nicht, wo die Russen sind, er bittet um Nachsicht und hat Gewissensbisse, ob er es nicht hätte schonender sagen müssen oder ob Kowalski der richtige Mann war für eine solche Mitteilung oder ob Kowalski es besser über einen Fremden gehört hätte..
Kowalski glaubt ihm nicht oder tut so, als glaube er ihm nicht („Glauben, nicht glauben, was heißt das schon“, sagt Kowalski, leiser und abwesender als erwartet.), er meint, dass Jakob aus Angst das Radio verleugnet; auch er sei nicht besonders mutig. Jakob denkt daran, was er mit seinem Bekenntnis Kowalski und allen anderen im Getto antut. Als Kowalski geht, sagt er zu Jakob: „Keine Angst, Alter, vor mir bist du sicher. Ich werde dich nicht mehr fragen. ... Und ich bin dir nicht böse“
Auf dem Weg zur Arbeit sieht Jakob eine Menschenansammlung vor Kowalskis Haus; er vermutet, Kowalski habe erzählt, dass Jakob kein Radio hat: Entweder ist er beim nächtlichen Klären doch noch zu der Überzeugung gelangt, dass man ihm die Wahrheit gesagt hat, oder, was bei Kowalski wahrscheinlicher ist, er glaubt weiterhin nicht, tut aber so nach außen hin, denn wahre Freundschaft heißt zusammenhalten. ... Hat einem damit alle Rückzugswege abgeschnitten, die man nach langem Erwägen zwar nicht beschreiten wollte, aber was geht das Kowalski an?.
Die Leute schweigen und schauen zum Fenster; Jakob sieht dort ein Stück Schnur. Er stürzt ... in das Haus; Kowalski hat sich erhängt, Fremde haben ihn abgeschnitten, aufs Bett gelegt, lassen Jakob jetzt mit Kowalski allein. Jakob setzt sich ans Bett des Toten ... ein Geständnis hatte seinen Tod zur Folge, dazu noch eins, das er vorgab, nicht zu glauben ... du hast dich vor deinem Freund Jakob Heym verborgen, du hast mir das falsche Gesicht gezeigt, und dabei hätten wir weiterleben können, Kowalski. Jakob hätte ihm geholfen, wenn Kowalski deutlich gemacht hätte, dass er wirklich glaubt, Jakob sei ohne Radio. Der Erzähler gibt einen Nachruf Kowalskis: ... verschroben ...geschwätzig, obergescheit, ... im nachhinein, plötzlich liebenswert.
Heym quält sich mit Selbstvorwürfen
, er mit seiner kleinlichen Müdigkeit wäre schuld daran. Der Erzähler zu Jakob: Nicht du bist schuld an Kowalskis Tod, sondern er hatte es dir zu verdanken, dass er bis zu diesem Tag gelebt hat.
Jakob hofft, dass Kowalski nichts erzählt hat. Denn Jakob hat wieder sein Radio gefunden.

II. Erläutern Sie den Textausschnitt, indem Sie folgende Gesichtspunkte berücksichtigen:
a) Charakterisieren Sie Jakob (wie er vorher war, wie er jetzt ist)! Gehen Sie dabei auch auf die Frage ein, warum Jakob Kowalski die Wahrheit sagt!
vgl. Klausur 13

b) Erläutern Sie die Frage, ob sich Jakob berechtigt Vorwürfe wegen des Tods von Kowalski machen muss!
Kowalski erhängt sich, weil Jakob ihm so unvermittelt die Hoffnung genommen hat (Ein Geständnis hatte seinen Tod zur Folge, denkt Jakob).
Drei Möglichkeiten der Entlastung Jakobs sind denkbar:
1. Kowalski lässt Jakob in dem Glauben, dass er ihm nicht wirklich die Mitteilung, er habe kein Radio, glaubt (Jakob denkt: ... was bei Kowalski wahrscheinlicher ist, er glaubt weiterhin nicht.); und er wirft Kowalski vor: Du hast mir das falsche Gesicht gezeigt. Zumindest hat Kowalski den Pokerspieler gespielt und Jakob im Unklaren gelassen darüber, ob er ihm geglaubt hat. Wenn Jakob hätte sicher sein müssen, dass Kowalski ihm geglaubt hätte, dann hätte er ihn sicher auch noch getröstet: ... uns schon das bisschen Mut zum Weiterleben verschafft.
2. Die Entlastung, die der Erzähler für Jakob bereithält: ... er hatte es dir zu verdanken, dass er bis zu diesem Tag gelebt hat.
3. Da Jakob sich zu weit vorgewagt hat mit den Berichten über das Nahen der Russen, hätte er in jedem Fall Rückzüge erfinden müssen mit einem ähnlichen Ergebnis wie dieses, das er mit der Wahrheit bewirkt hat.

c) Charakterisieren Sie die Freundschaft zwischen Jakob und Kowalski! Hier ist es sinnvoll, über den angegebenen Textausschnitt hinauszugehen.
vgl. Klausur 13

d) Kennzeichnen Sie die Situation des Erzählers und die Eigenart der Erzählperspektive in diesem Roman (an Beispielen dieses Textausschnitts)!
vgl. Klausur 13



Klausur LK 13: Kowalskis Selbstmord

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