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5. Klassenarbeit 10 d
18.05.95
(2 Unterrichtsstunden)

Thema: Jurek Becker ‘Jakob der Lügner’
S. 133 (ab Jakob und Schmidt laufen zur Tür ...) bis S. 141 („Er hat mich angesehen, als hätte ich seinen Bruder erschossen.“)

I. Erkläre zum Verständnis des Stellenwerts dieses Ausschnitts kurz, wie es dazu kam, dass Jakob als Lügner bezeichnet werden kann!

II. Fasse den angegebenen Textausschnitt kurz zusammen!

III. Erläutere den Textausschnitt, indem du folgende Gesichtspunkte berücksichtigst:
a) Charakterisierung der Deutschen;
b) Charakterisierung des Herrn Schmidt;
c) Charakterisierung des Herschel Schtamm;
d) Kennzeichne das Problem des Erzählers als Erzähler, die Situation des Erzählers!
e) Nenne Beispiele für Understatement und für den bitteren Humor und die Ironie des Romans!
f) Mit welchem Problem muss sich Jakob herumschlagen (Vielleicht hast du dies schon bei der Zusammenfassung dargestellt)?
g) Bei der Darstellung dieses Problems erfahren wir auch etwas über die Eigenart der Erzählperspektive in diesem Roman; charakterisiere kurz diese Erzählperspektive!

Lösungsvorschlag

zu I. Erkläre zum Verständnis des Stellenwerts dieses Ausschnitts kurz, wie es dazu kam, dass Jakob als Lügner bezeichnet werden kann!
Im Ghetto einer kleinen polnischen Stadt ist es bei Todesstrafe verboten, nach acht noch auf der Straße zu sein. Als sich ein Wachposten mit Jakob Heym, einem der Ghettobewohner, einen Scherz erlaubt und ihm sagt, obwohl es noch eine halbe Stunde bis zur Ausgangssperre ist, Jakob Heym habe gegen dieses Verbot verstoßen, und ihn ins Revier, den Sitz der deutschen Verwaltung, schickt, damit er dort seine gerechte Bestrafung erbitte, hört Jakob auf der Suche nach dem Zimmer des Wachhabenden aus einem Radio, dass die Russen kurz vor Bezanika stehen. Von einem gutgelaunten Wachhabenden wird er unbehelligt nach Hause geschickt. Als am nächsten Tag bei der Arbeit auf dem Bahnhof der junge Mischa, ein Freund Jakobs, sich in Lebensgefahr begeben will, um aus einem Waggon Kartoffeln zu holen, ruft ihm Jakob jene erfreuliche Nachricht zu, und als Mischa sie nicht glauben will, sagt er, er habe ein Radio. Denn dass er die Nachricht aus dem Revier hat, ist für alle unglaubwürdig, da noch kein Ghettobewohner lebend aus dem Revier herausgekommen ist, es sei denn als Spitzel. Da Mischa von Jakobs Radio erzählt, muss Jakob, um den Menschen im Ghetto auch weiterhin Hoffnung zu geben, immer Neues erfinden und so tun, als habe er es aus dem Radio gehört.

zu II. Fasse den angegebenen Textausschnitt kurz zusammen!
Herschel Schtamm geht zu einem auf einem Abstellgleis stehenden Waggon, weil er glaubt, dass dieser beladen werden müsse. Er hatte nicht mitbekommen, dass man sich diesem Waggon nicht nähern durfte. Im Innern dieses Waggons hört er Stimmen. Als der Wachposten sieht, dass Herschel den Waggon öffnen will, treibt er ihn fort und verbietet auf rabiate Weise nochmals, sich dem Waggon zu nähern.
Jakob, dem Herschel von den Stimmen berichtet, ist sehr deprimiert.
Herschel geht trotz des Verbots wieder zu dem Waggon und flüstert denen, die drinnen eingesperrt sind, zu, dass die Russen schon bei Bezanika vorbei sind; er wisse es, weil sich im Ghetto ein Radio befinde. Dann betet Herschel, dass er heil zurückkommt. Die anderen sind so entsetzt, dass ihnen nicht einfällt, die Posten abzulenken.
Auf dem Rückweg wird Herschel von einem einzigen Gewehrschuss getötet. Jakob fühlt sich schuldig am Tod Herschels; und auch dessen Zwillingsbruder Roman, der seinen Bruder noch zurückholen wollte und von den anderen mit Gewalt festgehalten worden war, damit er nicht die Aufmerksamkeit der Posten auf den Vorfall lenke, macht Jakob deutlich, dass er glaubt, dieser sei schuld am Tode Herschels.

zu III. Erläutere den Textausschnitt, indem du folgende Gesichtspunkte berücksichtigst:
a) Charakterisierung der Deutschen;
Die Deutschen, vertreten durch die Wachposten, werden als roh und brutal (Genug geglotzt, oder habt ihr noch nie’n Toten gesehen), rücksichtslos und gemein dargestellt. Sie behandeln die Juden, wie es der Naziideologie entsprach, als Untermenschen; so ist es für den Erzähler nicht verwunderlich, dass die ersten Worte, die sie von einem Wachposten (der ‘Pfeife’) hören, Beschimpfungen und Drohungen sind. In den schlimmen Dingen, die sie treiben, werden sie als sehr zuverlässig charakterisiert: beim Erschießen von Herschel und durch die Bemerkung, dass die Deutschen den Waggon auf dem Abstellgleis nicht vergessen werden: in mancher Hinsicht ist auf sie Verlass. (136)

b) Charakterisierung des Herrn Schmidt;
Herr Schmidt will kein Jude sein; er ist es nicht mit Wille und Bewusstsein, sondern weil seine Vorfahren Juden waren und weil seine Eltern ihn noch haben beschneiden lassen. Von seiner Gesinnung her ist er eher Nazideutscher und hätte nichts gegen das Ghetto, wenn sie nicht ausgerechnet ihn mit hineingesteckt hätten. (134) Als guter Deutscher anerkennt er auch die faktische Rechtslage, die durch die momentanen Machtverhältnisse nun einmal gegeben ist. (134) Er kann sich in die Mentalität der ihn umgebenden Juden nicht hineindenken. Auf die wirkt er hochmütig und vermittelt den Eindruck, dass er sich für etwas Besseres hält. Im Vergleich zu ihnen erweist er sich aber auch als höchst unsensibel und auch als naiv.

c) Charakterisierung des Herschel Schtamm;
Herschel Schtamm ist fromm und voller naivem Gottvertrauen; er ist so hilfsbereit, dass er unter Aufopferung seines Lebens den Menschen im Waggon die Hoffnung auf Befreiung geben will (Er war sehr fromm, wollte Hoffnung weitertragen und ist daran gestorben; 140). Dies ist umso höher zu werten, als er sehr ängstlich ist. So ist er z. B. gegen das Radio, weil es eine Verfolgung durch die Deutschen auslösen könnte; und seine Angst zeigt sich, als er vom Waggon wieder zurück zu seinen Leuten will.

d) Kennzeichne die Situation des Erzählers!
Der Erzähler ist nicht bei allen Ereignissen dabei und bekommt auch nicht immer alles gesagt, was die Menschen tun oder denken; aber er ist in der Lage, sich auszudenken, wie es gewesen ist, z.B. was Herschel den im Waggon Eingeschlossenen gesagt hat. Von Herschel kann er es nicht mehr erfahren, weil Herschel kurz danach erschossen wird.

e) Nenne Beispiele für Understatement und für den bitteren Humor und die Ironie des Romans!
Der Erzähler findet nicht das ‘Drecksäcke’ der ‘Pfeife’ bemerkenswert, sondern den schwachen Bariton.
Darüber, dass ein Waggon mit Menschen, die ins Lager transportiert werden, auf einem Abstellgleis steht: Sie vergessen ihn schon nicht, in mancher Hinsicht ist auf sie Verlass.
Als Schmidt fragt, ob denn wirklich noch Menschen in die Lager geschickt werden, antwortet Jakob: Denken Sie, es sind keine mehr da?
Die Deutschen werden in dieser Situation als Gegenpartei bezeichnet.
Von dem, der Herschel erschießt, heißt es, er habe reichlich Zeit, alles bestens vorzubereiten.
Gott hat Herschel eins gehustet.

f) Mit welchem Problem muss sich Jakob herumschlagen (Vielleicht hast du dies schon bei der Zusammenfassung dargestellt)?
Jakob muss sich mit Selbstvorwürfen herumschlagen; er weiß, dass seine Lüge, die Herschel weitergeben will, um Hoffnung weiterzutragen, die Ursache für dessen Tod ist; er weiß aber nicht, ob die Hoffnungen, die er mit seiner Lüge geweckt hat, schwerer wiegen als der Tod Herschels.

g) Bei der Darstellung dieses Problems erfahren wir auch etwas über die Eigenart der Erzählperspektive in diesem Roman; charakterisiere kurz diese Erzählperspektive!
Der Erzähler versetzt sich so sehr in Jakob hinein, dass er ein Selbstgespräch Jakobs formuliert, ohne einen Hinweis zu geben, dass nicht er, sondern Jakob mit sich selbst spricht und dass Jakob ihm seine Überlegungen mitgeteilt haben muss. Erst am Ende dieser Geschichte von Herschels Tod kommt der Erzähler zu einer ‘normalen’ Erzählhaltung zurück, wenn er sagt: Jakob erzählt mir: “Er hat mich angesehen, als hätte ich seinen Bruder erschossen.“



Klausur LK 13: Kowalskis Selbstmord / Jakob der Lügner

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