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Bertolt Brecht
DAS LIED VON DER UNZULÄNGLICHKEIT MENSCHLICHEN STREBENS
(aus: Die Dreigroschenoper)
1
Der Mensch lebt durch den Kopf
Der Kopf reicht ihm nicht aus
Versuch es nur, von deinem Kopf
Lebt höchstens eine Laus.
°°°Denn für dieses Leben
°°°Ist der Mensch nicht schlau genug.
°°°Niemals merkt er eben
°°°Allen Lug und Trug.

2
Ja, mach nur einen Plan
Sei nur ein großes Licht!
Und mach dann noch ‘nen zweiten Plan
Gehn tun sie beide nicht.
°°°Denn für dieses Leben
°°°Ist der Mensch nicht schlecht genug.
°°°Doch sein höh'res Streben
°°°Ist ein schöner Zug.

3
Ja, renn nur nach dem Glück
Doch renne nicht zu sehr!
Denn alle rennen nach dem Glück
Das Glück rennt hinterher.
°°°Denn für dieses Leben
°°°Ist der Mensch nicht anspruchslos genug
°°°Drum ist all sein Streben
°°°Nur ein Selbstbetrug.

















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10











AUGUST VON PLATEN

Sonett

Wer wußte je das Leben recht zu fassen,
Wer hat die Hälfte nicht davon verloren
Im Traum, im Fieber, im Gespräch mit Toren,
In Liebesqual, im leeren Zeitverprassen?

Ja, der sogar, der ruhig und gelassen,
Mit dem Bewußtsein, was er soll, geboren,
Frühzeitig einen Lebensgang erkoren,
Muß vor des Lebens Widerspruch erblassen.

Denn jeder hofft doch, daß das Glück ihm lache,
Allein das Glück, wenns wirklich kommt, ertragen,
Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache.

Auch kommt es nie, wir wünschen bloß und wagen:
Dem Schläfer fällt es nimmermehr vom Dache,
Und auch der Läufer wird es nicht erjagen.




Ja, renn nur nach dem Glück









Der Mensch lebt durch den Kopf
Ja, mach nur einen Plan - Sei nur ein großes Licht!

nicht schlau genug - Allen Lug und Trug. - Ist der Mensch nicht schlecht genug.

Nur ein Selbstbetrug



Das Glück rennt hinterher.







rennen


Abitur 78Ein spezieller Untersuchungsaspekt braucht nicht genannt zu werden, da bei sinnvoller Anwendung der eingeübten Interpretationsmethoden und durch den Vergleich das Besondere der beiden Gedichte deutlich werden muß; die Ähnlichkeit: Glück ist im menschlichen Leben nicht zu erlangen; dem sehnsüchtigen, bewußtlosen Ergreifen des Lebens entzieht es sich (dieser Aspekt deutlich nur bei Platen, 1. Strophe; angedeutet evtl. bei Brecht in der 3. Strophe), ja sogar dem klaren, zielbewußten Planen.

Vor diesem Gemeinsamen wird der Unterschied besonders deutlich: Woran liegt es, daß das Glück nicht zu erfassen ist? Platen bleibt allgemein: (des Lebens Widerspruch) und deutet überhöht ontologisch: ,,Ist keines Menschen, wäre Gottes Sache“. Brecht nennt konkret des Lebens Wider-spruch, so wie er ihn sieht: „Lug und Trug“; der Mensch ist nicht schlecht und nicht anspruchslos genug, für das, was die Welt ihm an Glücksmöglichkeiten bietet.

Gesehen und herausgearbeitet werden muß dann, wie den verschiedenen Erklärungen der beiden Autoren die Verschiedenheit der Stilebenen (Gedichtform, Strophenform, Vers, Reim, Klangwirkung, Satzbau, auch im Verhältnis zu Strophe und Vers, Tonfall, Wortwahl) sehr genau entspricht. Wegen des auffallenden Unterschieds müßte der Blick für die Semantisierung des Lautlich-Rhythmischen geschärft werden.

Dieser unhistorische Weg der Erschließung von Gedichten ist dem Grundkurs und der Art, in der im ersten Viertel von 13.1 Gedichte besprochen wurden, angemessen. Zwar wurden unter bestimmter Thematik Gedichte einzelnen Epochen zugeordnet, doch wurde die Eigenart der Epoche nur ange-rissen, so daß die Korrespondenz von Epoche und Gedicht nicht selbständig in einer Klausur erarbeitet werden kann. Es besteht zu sehr die Gefahr, daß das, was über Epochen von den Schülern angelesen wurde, den Gedichten übergestülpt wird.



Ballade Laotse

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